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Flugzeugparkplatz im Outback : Schlaf in der Wüste

  • -Aktualisiert am

Wie Lego-Spielzeug: Im australischen Alice Springs warten Flugzeuge auf ihre Rückkehr in den Linienverkehr. Bild: Steve Strike

Gewöhnlich sind zu jeder Tages- und Nachtzeit eine halbe Million Menschen in der Luft, Platz für diese Flugzeuge war am Boden nie vorgesehen. Wo parken jetzt eigentlich all diese Maschinen?

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          Es gehört zur neuen Wirklichkeit der Luftfahrt, dass mehr Flugzeuge am Boden sind als in der Luft. Nach Berechnungen der Beratungsfirma Cirium sind 17.000 Jets im Zuge der Corona-Krise außer Dienst gestellt worden. Das entspricht gut zwei Dritteln aller Passagierflugzeuge. Und es stellt die Fluglinien vor ungeahnte Probleme: Gewöhnlich sind zu jeder Tages- und Nachtzeit eine halbe Million Menschen in der Luft, Platz für diese Flugzeuge war am Boden nie vorgesehen. Allein die Lufthansa-Gruppe parkt gerade 580 ihrer 763 Flugzeuge nicht nur an ihren Drehkreuzen Frankfurt und München, sondern auch am BER, dem Flughafen Cuxhaven/Nordholz und dem Militärflugplatz Dübendorf bei Zürich.

          „Kriterien sind dabei unter anderem Parkgebühren und die Infrastruktur vor Ort für Wartungsmöglichkeiten“, sagt eine Sprecherin. Denn europäische Großflughäfen verlangen für das Abstellen eines Flugzeugs bis zu 250 Euro pro Stunde. Einen Teil der Flotte hat die Lufthansa deshalb ins jordanische Amman und an den Flughafen Teruel bei Valencia verlegt. „Mit rund 240 Sonnentagen im Jahr und wenig Niederschlag eignet sich die Region besonders gut für das Parken von Flugzeugen.“

          Flugzeugfriedhöfe, deren Name nicht zwingend auf eine baldige Verschrottung hindeuten muss, befinden sich nicht nur aus Platzgründen häufig in Wüstenregionen – der größte ist die Davis-Monthan Air Force Base bei Tucson, Arizona. Das aride Klima schützt die Maschinen vor Korrosions- und Wasserschäden, die Abgeschiedenheit vor Diebstahl und Vandalismus. Günstig ist auch das nicht: Um etwa eine Boeing 777 flugfähig zu halten, sind bis zu 300.000 Euro im Jahr fällig.

          Parkplatz im australischen Outback

          Auch Singapore Airlines hat seine Großraumflugzeuge aus dem feuchtwarmen Singapur abgezogen und ins Herz des australischen Outback nach Alice Springs verlegt, wo der frühere Deutsche-Bank-Analyst Tom Vincent vor elf Jahren die „Asia Pacific Aircraft Storage“ gegründet hat. Seit 2019 stehen hier schon die krisengebeutelten Boeing 737 Max der Singapore-Tochter SilkAir. „Abhängig von der Abstelldauer werden die Flugzeuge regelmäßig gewartet, um sicherzustellen, dass sie einsatzfähig bleiben. Dazu gehören unter anderem das Waschen der Außenflächen, das Schmieren der Flugsteuerung und des Fahrwerks sowie die Prüfung des Reifendrucks“, sagt ein Sprecher von Singapore Airlines.

          Wann die Flugzeuge wieder in Dienst kommen, könne man derzeit nicht sagen. Für viele Airbus A380 könnte diese Krise das vorzeitige Ende bedeuten. Schon im vergangenen Jahr hatte sich abgezeichnet, dass zahlreiche Fluggesellschaften aufgrund fehlender wirtschaftlicher Perspektive über eine rasche Ausflottung der Modelle nachdenken. Auch den in Teruel geparkten A340-600 der Lufthansa steht eine ungewisse Zukunft bevor. Sie werden für mindestens zwölf bis 18 Monate nicht in den Liniendienst zurückkehren. Länger als zwei Jahre sollten die Jets nach Ansicht von Fachleuten aber nicht geparkt werden – sonst sind sie bald nur noch als Ersatzteillager zu gebrauchen.

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