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Wut über Einkaufsregeln in Wales : „Wieso ist eine Mikrowelle nicht essenziell?“

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In Cardiff sind die Straßen zur Zeit wie leergefegt. Bild: AP

Viele Menschen in Wales sind sauer: Geschäfte dürfen bis zum 9. November nur noch als unverzichtbar eingestufte Produkte anbieten. Ein Supermarkt zog besonders viel Ärger auf sich, weil er keine Damen-Binden verkaufen wollte.

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          Keine Baby-Strampler oder Lätzchen, keine Bücher oder Comics: Mit dem Inkrafttreten neuer Corona-Regeln in Wales dürfen Geschäfte nur noch als unverzichtbar eingestufte Produkte verkaufen. Die vorerst bis zum 9. November geltende Vorschrift sorgte umgehend für Ärger – bis Montag unterzeichneten bereits mehr als 65.000 der rund drei Millionen Waliser eine Petition, die die Regelung zu Fall bringen soll.

          Besonders verärgert war eine Twitter-Nutzerin, die sich beklagte, dass sie bei der Supermarkt-Kette Tesco in Cardiff keine Binden kaufen durfte. Es sei „einfach falsch“ gewesen, dass die Frau keine Frauen-Hygieneartikel habe kaufen dürfen, sagte am Montag der Gesundheitsminister Vaughan Gething beim Coronavirus-Briefing der Regierung, wie die BBC berichtet. Supermärkte dürften selbstverständlich alles verkaufen, was auch in Apotheken zu haben sei. Käufer und Einzelhändler sollten ihren „gesunden Menschenverstand“ einsetzen. Es gebe nur eine sehr kleine Anzahl von Fällen, in denen es wirklich notwendig wäre, einen nicht essenziellen Artikel in einem Supermarkt zu kaufen, sagte Gething. Der Supermarkt habe sich später für die Aussage, er könne keine Tampons und Binden verkaufen, entschuldigt, hieß es in dem Bericht weiter.

          Als Teil eines temporären Lockdowns dürfen Supermärkte nur noch „essenzielle Waren“ verkaufen – selbst Geräte wie Wasserkocher oder Textilien wie Kissen und Bettlaken, aber auch Postkarten oder Geschirr sind in den Supermärkten mit Plastikfolien oder anderen Barrieren abgesperrt.

          Diese Regelung richte mehr Schaden an als zu nutzen, heißt es in der Online-Petition: Was spreche beispielsweise dagegen, dass Eltern ihren Kleinkindern im Supermarkt neben Essen auch während der Corona-Ausgangssperre etwas zum Anziehen kaufen? „Das ist unangemessen und grausam, und wir fordern, dass diese Entscheidung sofort rückgängig gemacht wird.“ Eine Twitter-Nutzerin schrieb: „Ich glaube es nicht. Wieso ist eine Mikrowelle nicht essenziell, wenn sie bei jemandem kaputt geht? Oder ein Wasserkocher?“

          Die walisische Regierung kündigte inzwischen ein Treffen mit Einzelhandelsvertretern an, um die Regeln zu überprüfen und ihre „korrekte Umsetzung“ durchzusetzen. Die Verkaufsverbote sind nur eine von vielen Maßnahmen, mit denen die Regierung in Wales die rapide Ausbreitung des Coronavirus stoppen will. Die Gastronomie, aber auch viele Geschäfte, Freizeitangebote, Büchereien und bis auf wenige Ausnahmen sogar Kirchen bleiben bis zum 9. November geschlossen. Die Maßnahmen seien nötig, um Leben zu retten und das Gesundheitssystem vor einer Überlastung zu bewahren, hieß es von der Regierung. Zuletzt zählte der britische Landesteil mehrfach rund 950 neue Corona-Infektionen pro Tag. Wales hat gut drei Millionen Einwohner.

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