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Wie Taiwan Corona bekämpft : Ein digitaler Zaun um die Wohnung

Unbesorgtes Weihnachtsshopping: Taiwan hat das Coronavirus seit Beginn der Pandemie unter Kontrolle und kann so auf einen Lockdown verzichten. Bild: EPA

Die Quarantäneregeln in Taiwan sind extrem streng. Jeder noch so kleine Verstoß wird geahndet. Seit April hat es keine Ansteckung mit Corona mehr gegeben.

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          Bei Verstößen gegen Quarantäneauflagen kennen die taiwanischen Behörden keine Nachsicht. Das hat zuletzt ein philippinischer Wanderarbeiter erlebt. Er muss umgerechnet 2900 Euro Strafe zahlen, weil er die Zimmertür in seinem Quarantänehotel in Kaohsiung geöffnet und einen Gegenstand für einen anderen Hotelgast auf den Flur gestellt hatte. Eine Überwachungskamera zeichnete den Regelverstoß auf, und das Hotelpersonal informierte das Gesundheitsamt. Der Behörde schien es wichtig zu erwähnen, dass der Mann sein Zimmer lediglich für acht Sekunden verlassen habe. Damit wollte der Sprecher offenbar die Wachsamkeit und Entschlossenheit des Gesundheitsamts und des Hotelpersonals unterstreichen. Den Vorwurf, wie ein Überwachungsstaat zu handeln, muss die taiwanische Regierung nicht fürchten. Das strikte Vorgehen wird von der Bevölkerung unterstützt.

          29.000 Euro Strafe bei Verstoß gegen Quarantänepflicht

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Kaum ein Land auf der Welt hat das Coronavirus so effektiv ausgerottet wie Taiwan. Seit April hat es auf der Insel keine lokale Übertragung mehr gegeben. Die Statistik weist für Taiwan insgesamt 719 Infektionen und sieben Todesfälle aus. Einen Lockdown gab es nie. Dafür muss sich ausnahmslos jeder Einreisende einer 14 Tage langen Quarantäne unterziehen. Trotzdem gilt: Einreisen darf nur, wer vorab einen negativen Corona-Test vorweisen kann. Die Höchststrafe für einen Verstoß gegen die Quarantänepflicht liegt bei 29.000 Euro. Am Flughafen stehen Quarantänetaxis bereit. Wer sich zu Hause isoliert, wird mit Hilfe der Ortungsdaten seines Handys überwacht. Wenn ein Eingereister sein Handy ausschaltet oder seine Wohnung mit dem Handy verlässt, werden automatisch die Polizei und das Gesundheitsamt informiert. Dafür wird ein „digitaler Zaun“ rund um die Wohnung errichtet.

          Die Akzeptanz solcher Lösungen hat auch damit zu tun, dass die technikaffine Zivilgesellschaft an der Entwicklung anderer Software-Tools im Kampf gegen Covid-19 beteiligt war. Zum Beispiel einer App, die dabei half, die zu Anfang knappen Masken gerecht zu verteilen. Mit Hilfe von Crowdsourcing wurde darauf in Echtzeit abgebildet, wo in Taiwan noch ein Mund-Nasen-Schutz zu kaufen war. Die Regierung entschied daraufhin, Masken nur noch in Apotheken zu verkaufen und deren Inventar-Daten in die App einzuspeisen.

          Bedrohung durch Virus früh erkannt

          Dass Programmierer und Hacker sich in Taiwan in den Dienst der Regierung oder regierungsnaher Aufgaben stellen, ist nicht neu. Ähnliche Kooperationen gibt es seit längerem im Kampf gegen Desinformationen im Internet. Die Zusammenarbeit geht auf die studentische Sonnenblumen-Bewegung von 2014 zurück, in der unter anderen die heutige Digitalministerin Audrey Tang aktiv war. Sie ist inzwischen zum internationalen Gesicht des technisch gestützten Umgangs Taiwans mit dem Coronavirus geworden.

          Die Inselrepublik hat die potentielle Bedrohung, die von dem neuartigen Virus ausging, extrem früh erkannt. Die taiwanische Seuchenschutzbehörde wurde schon am 31. Dezember hellhörig, als ein Arzt in Wuhan im Internet darauf hinwies, dass bei mehreren seiner Patienten ein Sars-ähnliches Virus diagnostiziert worden sei. Schon an diesem Tag begann Taiwan, Passagiere aus Wuhan auf Symptome zu überprüfen. Das war drei Wochen bevor die Regierung in Peking überhaupt zugab, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Schon im Februar wurden fast alle Flüge aus China gestrichen.

          Die besondere Wachsamkeit ist der Erfahrung Taiwans mit der ersten Sars-Krise von 2002/2003 geschuldet, aber auch anderen in China zwischenzeitlich außer Kontrolle geratenen Seuchen wie der Afrikanischen Schweinepest. Hinzu kommt, dass alles, was beim Erzfeind China geschieht, in Taiwan genau und misstrauisch beobachtet wird. Durch die frühe Überwachung von Einreisenden war Corona auf der Insel von Anfang an unter Kontrolle.

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