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2-G-Regel in Italien : „Mit dem Auto bis nach Oslo, aber nicht mit der Fähre zurück nach Sizilien“

Messinas Bürgermeister Cateno De Luca protestiert gegen die Beschränkungen im Fährverkehr. Bild: Imago

Seit gut einer Woche gilt in Italien für sämtliche Verkehrsmittel die 2-G-Regel. Einem Sizilianer wurde deshalb die Rückkehr vom Festland mit der Fähre verweigert. Der Fall sorgte für Aufsehen.

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          Die süditalienische Region Kalabrien und die Insel Sizilien widersetzen sich gemeinsam der am 10. Januar von der Regierung in Rom verfügten 2-G-Regel für sämtliche Verkehrsmittel. Zunächst hatte der sizilianische Regionalpräsident Nello Musumeci am Dienstagmittag verfügt, dass auch Personen mit einem negativen Test die Fähren über die Straße von Messina zum Festland nutzen können. Am Abend unterzeichnete der kalabrische Regionalpräsident Roberto Occhiuto in Catanzaro ein vergleichbares Dekret, wonach nicht nur Geimpfte und Genesene, sondern auch negativ Getestete auf den Fähren von Villa San Giovanni nach Messina auf Sizilien zugelassen sind.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Am 10. Januar war in ganz Italien ein faktischer Lockdown für alle Ungeimpften in Kraft getreten. Für alle öffent­lichen Verkehrsmittel zu Lande, zu Wasser und in der Luft, auch im Nahverkehr, gilt seither die Pflicht zum „Super Green Pass“. So heißt in Italien die 2-G-Regel: Zugang haben nur Geimpfte und Genesene, ein negativer Corona-Test genügt nicht.

          Ein Fall sorgte national für Aufsehen

          Für nationales Aufsehen hatte zunächst der Fall von Fabio Messina aus Palermo gesorgt. Der 43 Jahre alte Unternehmer konnte nach einer Geschäftsreise nach Ligurien nicht mehr zu seiner Familie nach Sizilien zurückkehren. Als er sich am 11. Januar mit seinem Auto am Hafen von Villa San Giovanni auf der Stiefelspitze des Festlands auf die Fähre nach Sizilien einzuschiffen versuchte, war seine Reise plötzlich zu Ende. Denn während er auf dem Festland mit seinem Auto ungehindert fahren konnte, wohin er wollte, blieb ihm die Nutzung der Fähre über die Straße von Messina versperrt. Die ersten Nächte verbrachte Messina in seinem Auto, mit Luftmatratze, denn auch in Beherbergungsbetriebe kommt man nur mit „Super Green Pass“. Dann wurde er von Anwohnern am Hafen von Villa San Giovanni beherbergt.

          Messina hat die Antimafiavereinigung „Addiopizzo“ in Palermo mitgegründet und ist kein Anhänger von „No Vax“, der informellen Bewegung der Impfskeptiker und Impfverweigerer. Sein zehn Jahre alter Sohn habe alle zehn Impfungen erhalten, die in Italien Pflicht für Kindergarten- und Schulkinder sind, berichtete Messina italienischen Medien. Die Impfung gegen das Coronavirus hielten er und seine Frau aber weder für notwendig noch für richtig: „Wir sind gesund, es geht uns gut, und wir sind keine potentiellen Risikopatienten.“ Dass er nicht  nach Sizilien über­setzen konnte, kommentierte Messina mit den Worten: „Ich komme mit dem Auto bis nach Oslo, aber nicht mit der Fähre zurück nach Sizilien.“ Über einen Anwalt erreichte Messina eine Ausnahmegenehmigung des Verwaltungsgerichts in Reggio di Calabria, sodass er am Freitag schließlich doch noch übersetzen konnte.

          Am Hafen von Messina hatte Cateno De Luca, der Bürgermeister der Stadt, seit dem Wochenende in einem Zelt an der Hafenmole genächtigt. Er sprach von einer „symbolischen Blockade“ der Straße von Messina aus Protest gegen die 2-G-Regel im Fährverkehr. Am Dienstag trat De Luca zudem in einen Hungerstreik, weil die Regierung in Rom ganz Sizilien in einer Art Geiselhaft halte.

          Ähnliche Proteste wie in Kalabrien und auf Sizilien hatte es zuvor schon in Venedig gegeben, wo die Vaporetto genannten Wasserbusse ebenfalls nur noch für Geimpfte und Genesene zugänglich sind. Auch auf Elba sowie auf kleinen Inseln vor der Küste fühlen sich Ungeimpfte ihres Verfassungsrechts der Bewegungsfreiheit beraubt. Gewöhnlich reicht die Regierung in Rom Klage beim zuständigen Verwaltungsgericht ein, wenn regionale oder lokale Behörden mit eigenen Dekreten Anordnungen von nationaler Gültigkeit aufheben.

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