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Beobachtungen in 7 Städten : Wie hältst du’s mit dem Abstand?

  • Aktualisiert am

Laden zum Verweilen ein: Die Elbwiesen in Dresden Bild: dpa

In dieser Woche sind in Deutschland die ersten Corona-Maßnahmen gelockert worden. Die Kontaktbeschränkungen gelten aber fast überall weiterhin. Nehmen die Menschen sie noch ernst? Ein paar Stichproben.

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          „Oh, den Mundschutz habe ich jetzt glatt vergessen!“, ruft eine junge Mutter in einem Dresdner Autohaus und hält sich die Hand vor den Mund. Das ist im Sinne des Infektionsschutzes zwar gleich zwei Mal falsch, doch die Service-Mitarbeiterin lässt Milde walten. „Nu machen se sich ma geen Gopp!“, sagt sie und winkt die Frau verständnisvoll an den Service-Tresen. Das Trennfenster darüber hat sie so weit heruntergelassen, dass ohnehin nur noch ein schmaler Schlitz zum Durchreichen von Papieren und kleinen Gegenständen bleibt. Das erinnert an früher bei Bank, Post und Behörden und verringert zumindest die Gefahr, Sprech- und Atem-Aerosolen ausgesetzt zu sein.

          Seit Montag ist die vergleichsweise strikte Ausgangssperre in Sachsen aufgehoben, dafür gilt nun eine Mund-und-Nasenschutz-Pflicht für alle beim Einkauf sowie in Bussen und Bahnen. In Dresden sehen das die meisten Menschen eher gelassen. Sie tragen die Masken, vielfach Marke Eigenbau, unterm Kinn und ziehen sie über Mund und Nase, sobald sie ein Geschäft betreten oder in die Bahn steigen.

          Auf den Elbwiesen wiederum, die besonders im Frühjahr, wenn ringsherum alles blüht, zum Verweilen einladen, ist an den Abenden jetzt deutlich mehr los als noch vor Wochenfrist. Die Maßgabe, maximal zu zweit oder mit der Familie Platz zu nehmen, halten die meisten jedoch ein, den Abstand von mindestens anderthalb Metern dagegen nicht immer. Die Polizei fährt Streife auf dem Elbradweg, einige Feierabend-Biertrinker prosten den Beamten zu, während die Sonne glutrot hinter der Semperoper versinkt.

          Gleichwohl stellte die Polizei gleich am ersten Tag der Lockerungen drei Mal so viele Verstöße gegen die Infektionsschutzverordnung fest wie zuvor. Grund dafür sei jedoch fast ausschließlich das Demonstrationsgeschehen gewesen, teilte der Innenminister mit. In Chemnitz, Dresden und Leipzig drängte es Demo-Sachsen nach sechs Wochen Quasi-Hausarrest wieder hinaus auf die Straßen. Da die Teilnehmerzahl jedoch streng auf 15 limitiert war, sei es ringsherum zu „unerlaubten Menschenansammlungen“ gekommen. (Stefan Locke)

          Volkshindernislauf an der Alster

          In Hamburg scheint die Sonne, und das seit Wochen fast jeden Tag. Das ist für Hamburger Verhältnisse schon fast ein Ausnahmezustand, und der scheint bei manchen Einwohnern dazu zu führen, den anderen, tatsächlichen Ausnahmezustand ein wenig in den Hintergrund zu drängen. Denn auf den Straßen und Gehwegen der Stadt, auf den Wiesen und Wegen, kommt man sich schon wieder recht nah, ob man will oder nicht. Die Kontaktsperre scheinen manche recht flexibel auszulegen.

          „Immer zwei Meter Abstand“: Jogger an der Außenalster in Hamburg

          Das ist natürlich wie jede Verallgemeinerung grob verkürzt, da kaum die auffallen, die sich an die Regeln halten – sondern meist nur jene, die es nicht tun. Und natürlich ist das öffentliche Leben in der Hansestadt ein anderes, die Straßen sind etwas leerer und trotz der Öffnung der Geschäfte hält sich der Ansturm zumindest in der Innenstadt rund um die bekannte Mönckebergstraße noch in Grenzen, so belegen es erste Zahlen zum Kundenaufkommen seit Montag. Aber Hamburger würden ohnehin nur im Notfall dort einkaufen – das ist mehr etwas für Touristen und all die Speckgürtel-Bewohner.

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