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Redaktion im Homeoffice : Zeitungmachen ging bisher anders

  • -Aktualisiert am

Die Zugriffszahlen explodieren, doch im FAZ.NET-Newsroom herrscht Stille: Einsam wacht der leitende Redakteur vom Dienst. Bild: Helmut Fricke

Das hohe Tempo der Corona-Krise bestimmt die Produktion unserer Zeitungen, Magazine und digitalen Produkte. Und das in Hunderten neuen Außenstellen. Wer hätte es gedacht: Das klappt.

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          Die Flure der Frankfurter Redaktionszentrale sind verwaist, leere Stühle in sonst übervollen Konferenzräumen, die Stille wirkt fast gespenstisch. Es sind wenige und meistens dieselben Kolleginnen und Kollegen, die einander begegnen: müde Krisenstabsmitarbeiter, Notfallmanager und einsame Koordinatoren einer Vielzahl von neuen Außenposten.

          Elena Geus
          Chefin vom Dienst.

          Zeitungmachen ging bisher anders. Es lebt vom schnellen Austausch im direkten Gespräch, im Newsroom oder auf dem Flur. In Zeiten von Corona muss diese Zusammenarbeit aber so weit wie möglich aus der Distanz des Homeoffice erfolgen. Und das von heute auf morgen. Der Krisenstab arbeitet noch an Stufenplänen für das dezentrale Arbeiten, da bestätigt sich ein erster Infektionsverdacht im Haus. Manche Diskussion ist da noch nicht zu Ende geführt. Doch nun muss es schnell gehen und notfalls improvisiert werden. Das Informationsbedürfnis der Leser und User wächst mit der Krise. Die Zahl der Zugriffe auf FAZ.NET, die digitalen Zeitungsausgaben und die Apps explodiert geradezu.

          Zeitungmachen – von der Textidee bis zur Auslieferung – ist komplex und tempogetrieben. Es geht dabei schon lange nicht mehr nur um das Bedrucken von Papier. Einen Online-Auftritt rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche aktuell zu halten, Podcasts zu produzieren, in sozialen Medien präsent zu sein, mindestens einmal die Woche ein Magazin auf den Weg zu bringen, jeden Tag mehrere Ausgaben der gedruckten Zeitung pünktlich abzuschließen, das klappt – meistens – unfallfrei. Die Geschwindigkeit und die Wucht der Corona-Krise bringen aber selbst eine Organisation an ihre Grenzen, die es gewohnt ist, schnell und flexibel auf das Weltgeschehen zu reagieren.

          Ungeplanter Stresstest für Redaktion und Technik

          Am schwersten hat es von jeher die Logistik. Nun kommt hinzu: Was passiert an Kiosken und Bahnhöfen, wenn kaum jemand mehr unterwegs ist? Was tun, wenn einer der technischen Dienstleister krankheitsbedingt schließen muss? Was, wenn eine der Partnerdruckereien den Betrieb nicht aufrechterhalten kann? Wenn die ohnehin schwer zu bekommenden Austräger die Arbeit einstellen müssen? Und auch: Wie lassen sich Bildbearbeitung und Korrekturläufe abbilden und Redaktionsschlusszeiten bei dezentralem Arbeiten einhalten? Wie kommen Mitarbeiter des Hauses auf die Schnelle an Passierscheine, die sie als unverzichtbaren Teil einer „kritischen Infrastruktur“ ausweisen? Was tun mit den Briefen, Einladungen, Textangeboten, die sich in der Poststelle türmen?

          Care-Pakete fürs Homeoffice: Womit die F.A.Z. ihre Mitarbeiter arbeitsfähig hält.
          Care-Pakete fürs Homeoffice: Womit die F.A.Z. ihre Mitarbeiter arbeitsfähig hält. : Bild: Helmut Fricke

          Überall, ob in der Redaktion oder den Verlagsabteilungen, wird fieberhaft an der Umstellung auf die neuen Arbeitsprozesse gearbeitet. Nicht nur die Belastung der Mitarbeiter ist enorm. Auch die technische Infrastruktur des Hauses macht einen ungeplanten Stresstest durch.

          Am ersten Tag der Operation „Homeoffice“ gibt es im Serverzentrum einen Kabelbrand. Schon lange wird an einer Modernisierung der Hard- und Softwarelandschaft des Hauses gearbeitet, die in Zeiten der Digitalisierung komplex geworden ist. Vor Viren mussten die Systeme immer schon geschützt werden. Das Coronavirus aber stellt eine Herausforderung auch für die Technik dar, wie es sie noch nie gab.

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