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Sterben der Alten in Italien : Niemand spricht Abschiedsworte

Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens schieben einen Sarg. In der norditalienischen Stadt wird fast alle 30 Minuten eine Beerdigung abgehalten. Bild: dpa

Wegen der Ausgangsbeschränkungen können Angehörige ihre Sterbenden nicht begleiten und richtig beerdigen. Auch deshalb hingen in Italien die Flaggen auf Halbmast. Doch wie soll man kollektiv der Opfer gedenken – ohne Beteiligung?

          4 Min.

          Am schönsten und zugleich schwierigsten ist für Ärzte in Italien, einen Videoanruf zu tätigen, damit ein Sterbender und seine Angehörigen voneinander Abschied nehmen können. Donatella Vertura, eine Ärztin im Mailänder Krankenhaus Sacco, schildert es im „Corriere“ als Einbruch der Wirklichkeit: „Auf einmal sehe ich die Menschen, in deren Mitte der Sterbende lebte, ich sehe ihr Zuhause, höre ihre Stimmen, sehe ihre Gesichter, ihre Tränen, und sie sehen ihren Angehörigen und mich, die Ärztin, die nicht helfen kann.“ Eine Patientin im präkomatösen Zustand hatte plötzlich noch einmal Anzeichen von mehr Bewusstsein gezeigt.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Donatella Vertura sah neben dem Bett ein Smartphone, lief aus dem Zimmer, rief den Sohn der Patientin an und bat ihn, seine Mutter sofort per Videoanruf zu kontaktieren. Zurück am Bett der Patientin, nahm sie den Anruf entgegen und hielt das Handy so, dass Mutter und Sohn einander sehen konnten. Wegen des Beatmungsgeräts konnte die Mutter nicht sprechen. Aber sie hob die Hand zum Gruß.

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