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Studie zu Depressionen : Wie der Lockdown psychisch Kranke belastet

  • Aktualisiert am

Depressive Menschen belasten die Corona-Maßnahmen stärker. (Symbolbild) Bild: dpa

Der neue Teil-Lockdown wird für Menschen mit psychischen Leiden bedrückender als für andere, prognostizieren Psychiater. Das dänische Institut für Glücksforschung gibt Tipps, wie wir unser seelisches Wohlbefinden stärken können.

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          In Deutschland sind Menschen mit Depressionen nach einer neuen Studie stärker von den Folgen der Corona-Maßnahmen betroffen als die Allgemeinbevölkerung. So haben sie zum Beispiel den Lockdown im Frühjahr als deutlich belastender erlebt, heißt es im neuen „Deutschland-Barometer Depression“, das die Stiftung Deutsche Depressionshilfe am Dienstag in Leipzig veröffentlichte. Das sei auch für den aktuellen Teil-Lockdown zu erwarten, sagte Psychiater Ulrich Hegerl als Vorsitzender der Stiftung.

          Nach Angaben der Stiftung sind in Deutschland mehr als fünf Millionen Menschen depressiv erkrankt. Im Frühjahr habe fast jeder zweite dieser Patienten Einschränkungen bei der Behandlung erlebt, zum Beispiel durch ausgefallene Arzttermine oder Klinik-Aufenthalte. Auch jetzt stellten Kliniken Ressourcen für die Behandlung von Corona-Infektionen um. Das gehe erneut auch auf Kosten der Versorgung von Menschen mit psychischen Leiden, sagte Hegerl. „Depression ist eine schwere, oft lebensbedrohliche und dringend behandlungsbedürftige Erkrankung.“

          Menschen mit Depression empfanden den Lockdown im Frühjahr bedrückender 

          Die Stiftung hat für ihr viertes Depressions-Barometer im Juni und Juli rund 5000 Menschen zwischen 18 und 69 Jahren repräsentativ online befragen lassen. Daneben wertete sie in einer Stichprobe Antworten von Menschen in einer depressiven Phase aus und verglich die Werte.

          Demnach empfanden rund drei Viertel der Menschen mit Depressionen (74 Prozent) den Lockdown im Frühjahr als bedrückend. In der Allgemeinbevölkerung waren es 59 Prozent, heißt es in der Analyse. Menschen in einer depressiven Phase hätten zum Beispiel fast doppelt so häufig unter einer fehlenden Tagesstruktur (75 Prozent) und Grübelei (89 Prozent) gelitten als die Allgemeinbevölkerung (39 und 41 Prozent). In der häuslichen Isolation seien depressiv Erkrankte zudem deutlich häufiger tagsüber im Bett geblieben (48 Prozent versus 21 Prozent). Deutlich mehr als ein Drittel (43 Prozent) von ihnen gab an, dass es zu Konflikten und Streit kam. In der Allgemeinbevölkerung sagte das weniger als ein Fünftel (18 Prozent) der Befragten.

          Nur für einen kleinen Teil sind Telefon- und Videosprechstunden mögliche Alternative

          „Für Menschen mit einer Depression wird der Rückzug in die eigenen vier Wände durch diesen zweiten Teil-Lockdown wieder viele negative Auswirkungen haben“, prognostizierte Hegerl. Depressiv Erkrankte hätten so mehr Zeit zum Grübeln und könnten noch tiefer in die Depression geraten. „Das sind Aspekte, die mir große Sorgen bereiten“, ergänzte der Psychiater. Nur für einen kleineren Teil der Patienten seien Telefon- und Videosprechstunden sowie Online-Programme eine mögliche Alternative – auch wenn die Angebote nun häufiger angenommen würden als früher.

          Auch das dänische Happiness Research Institute stellte am Dienstag Ergebnisse einer Studie vor, die das „Wohlbefinden in Zeiten von COVID-19“ untersucht. Über einen Zeitraum von drei Monaten wurden 3200 Menschen aus 94 Ländern regelmäßig zu Veränderungen ihres Wohlbefindens und ihrem sozialen Verhalten befragt. „Die Zunahme von Einsamkeit und Angst und die Abnahme der Lebenszufriedenheit zeigen noch einmal, wie wichtig ein genauer Blick auf unsere psychische und physische Gesundheit während der Pandemie ist“, so Vorstandsvorsitzender Meik Wiking.

          Regelmäßige Spaziergänge in der Natur können das Wohlbefinden steigern 

          Vor allem junge Menschen, Singles und Arbeitslose litten mehr unter Einsamkeit als Menschen, die eine feste Beziehung führten und in sicheren Jobs arbeiteten. Vielen half es, regelmäßig zu telefonieren, zu meditieren oder Zeit in der Natur zu verbringen.

          „Unser Ziel bei der Durchführung dieser Studie war es nicht nur, die Auswirkungen der Pandemie auf unsere Zufriedenheit zu überprüfen, sondern herauszuarbeiten, was wir tun können, um unser Wohlbefinden in dieser schwierigen Zeit zu schützen“, so Weiking. Das Institut gibt Ratschläge, wie etwa regelmäßige Spaziergänge in der Natur einzuplanen und kreative Projekte umzusetzen. Zudem sollten Menschen, die sich einsam fühlten, weiterhin den Kontakt zu ihren engsten Freunden und Familie pflegen – auch virtuelle Begegnungen förderten das eigene Wohlbefinden.

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