https://www.faz.net/-guw-9xqgf

Virtuelle Gottesdienste : Wo immer Sie sind, singen Sie mit!

  • -Aktualisiert am

Die katholische Kirche scheint da zurückhaltender. „Das hat wohl verschiedene Gründe: Es gibt weniger individuelle Menschen, die sich fürs Digitale einsetzen“, sagt Pirker. Dadurch, dass der Katholizismus in der Öffentlichkeit als stark hierarchisch wahrgenommen werde, sei die Experimentierfreudigkeit da wohl geringer. Aber auch: „Zur Liturgie der katholischen Kirche gehört zentral das Sakrament, die Eucharistie etwa. Die kann ohne anwesende Gemeinde eigentlich nicht abgehalten werden.“ Und das Sakrale der katholischen Kirche, die Orgel, der Weihrauch, das alles könne per Livestream nicht adäquat übersetzt werden: „Mein 87-jähriger Vater hat ein iPad, ich habe ihm einen Link zu einem Livestream des Bischofs zugesendet; ob er das Angebot wirklich wahrnehmen wird – da bin ich mir nicht sicher.“

Die Online-Flatrate: F+
FAZ.NET komplett

Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Bleiben Sie umfassend informiert, für nur 2,95 € pro Woche.

Jetzt 30 Tage kostenfrei testen

Es gibt sie schon, die Angebote der katholischen Kirche. Beispielsweise bietet die Diözese Rottenburg-Stuttgart einen Livestream und Online-Kurse zum Thema Glauben an. Hier ist eindeutig das Bestreben zu erkennen, durch das Internet mehr Menschen zu erreichen. Doch wie sollen sich gerade die älteren Menschen verhalten, denen der Gottesdienst und die Gemeinde nun wegen des notwendigen Abstandhaltens fehlt? Seitens der Diözese heißt es: „Seien Sie autonome Christinnen und Christen und feiern Sie in den Häusern und Wohnungen, wie es die ersten Christen auch gemacht haben.“

Derweil hat die evangelische Pastorin Josephine Teske kurzerhand die Instagram-Seite herz.netz.werk gegründet, auf der Menschen sich mit Liedern, Gebeten oder Fragen rund um Religion und Glauben einbringen können. „Mir kam der Gedanke spontan. Ich war traurig, dass wir nun keine Gottesdienste mehr feiern können, und habe mich gefragt, wie man dennoch eine Gemeinschaft herstellen kann“, sagt die 33-Jährige. Nach drei Tagen hatte die Seite schon über 3000 Abonnenten, und Teske erreichen viele Nachrichten von Menschen, die einen Beitrag leisten wollen. „Es melden sich auch Menschen, die eigentlich nicht gläubig sind – das ist doch schön“, sagt sie. Abgesprochen habe sie das mit der Landeskirche nicht: „Wenn man die Institution mit einschaltet, wird es sofort institutionell.“

Der Pastor als virtueller Avatar im Videogottesdienst

Micha Steinbrück ist einer von zwei Internet-Pastoren der Hannoverschen Landeskirche; seit drei Jahren unterstützt er Kirchengemeinden in der Digitalisierung. Stellt etwa Tools bereit, mit denen Internetseiten gebaut oder Newsletter erstellt werden können. Er selbst lädt privat regelmäßig Videos auf Youtube hoch, in denen er religiöse Symbole in Videospielen bespricht. „Ich habe schon an einem VR-Gottesdienst teilgenommen, in dem der Pastor ein virtueller Avatar war“, sagt der 36-Jährige.

Momentan überschlagen sich die Anfragen an ihn: Viele evangelische Gemeinden wollen ihren Gottesdienst nun unter den Prämissen der Pandemie ins Internet übertragen. Doch denkt Steinbrück schon einen Schritt weiter: „Seit Jahren stelle ich schon die Frage, wie weit wir im Digitalen eigentlich gehen können“, sagt er. Ist etwa jemand, der in Virtueller Realität getauft wurde, wirklich getauft? „Wer wäre ich, das jemandem abzusprechen?“

Gerade sind die Kirchen von Antworten auf solche Fragen wohl weit entfernt. Wie es aussieht, werden viele Menschen auch in den kommenden Wochen und Monaten keinen Gottesdienst in einer Kirche erleben können – und das gilt natürlich auch für Moscheen und Synagogen. Doch vielleicht hat dieses Coronavirus ja doch auch eine positive Seite für gläubige Menschen: So schnell sie nun auch errichtet werden, die digitalen Strukturen in den Kirchen, vielleicht bleiben sie auch nach dem Virus stehen – und werden weiter ausgebaut.

Weitere Themen

Kommt eine Kuh zur Polizei... Video-Seite öffnen

Ungewöhnlicher Besucher : Kommt eine Kuh zur Polizei...

Was sich wie der Anfang von einem Scherz anhört, ist in Australien Realität geworden. Die Kuh war kürzlich auf das Gelände einer australischen Polizeiwache gelangt und hat dann auch ziemlich zielstrebig den Weg ins Innerere der Gebäudes gesucht, wie die Überwachungskameras zeigen.

Topmeldungen

Auf der Suche nach Yves Etienne Rausch: Ein Polizeihubschrauber über dem Waldgebiet nördlich von Oppenau

Flüchtiger bei Oppenau : „Der Wald ist sein Wohnzimmer“

Noch immer wird er gesucht: Dass sich vier Polizisten von einem „Waldläufer“ überwältigen ließen, sorgt für Belustigung. Polizei und Staatsanwaltschaft haben daher am Dienstag noch einmal detailliert geschildert, wie es dazu kam.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.