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Weltbank : Mit Pandemie-Anleihen gegen das Coronavirus

  • -Aktualisiert am

Logo der Weltbank an einem Gebäude in Washington D.C. Bild: dpa

320 Millionen Dollar von Finanzinvestoren stecken in speziellen Pandemie-Bonds der Weltbank. Das Geld könnte zum Einsatz kommen, falls das Coronavirus von China auf ärmere Länder übergreift.

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          Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus von China in andere Länder rücken spezielle Finanzinstrumente in den Blick, die den globalen Kampf gegen akute Seuchen unterstützen sollen. Die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD) hat im Juni 2017 zwei Pandemie-Anleihen im Nennwert von insgesamt 320 Millionen Dollar emittiert, die bis Juli dieses Jahres laufen. Die IBRD ist Teil der Weltbank-Gruppe. „Das Coronavirus gehört zu den durch den Finanzierungsmechanismus abgedeckten Viren“, bestätigte eine Sprecherin der Weltbank auf Anfrage der F.A.Z.

          Mark Fehr

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Weltbank stehe dazu in engem Austausch mit der Weltgesundheitsorganisation WHO. Bisher seien laut Weltbank die Kriterien für eine Auszahlung der Mittel noch nicht erfüllt. Doch sobald das der Fall sei, würde aus den Bonds Geld für die Unterstützung betroffener Länder fließen.

          Fette Zinsen

          Das bei den Anleihegläubigern eingesammelte Geld ist für besonders arme Länder gedacht, in denen eine Seuche ausbricht und schnell bekämpft werden muss. Wenn das passiert, verlieren die Investoren ihren Einsatz komplett oder zum Teil. Geht alles gut, erhalten sie das Geld nach Ende der Laufzeit zurück. Für den Ausgleich des Risikos kassieren sie darüber hinaus üppige Zinsen, die bis zu 11 Prozent über dem internationalen Kapitalmarktzins liegen. Als Maßstab dafür definiert ist der am Finanzplatz London festgestellte Interbanken-Zinssatz Libor für Kreditlaufzeiten von 6 Monaten. Einen Zuschlag von 6,5 Prozent bietet die größere Tranche im Umfang von 225 Millionen Euro, die für den Kampf gegen Grippe und das Coronavirus aufkommen soll.

          Sogar 11,1 Prozent Zuschlag bietet die Hochrisikotranche im Volumen von 95 Millionen Dollar, die neben dem Coronavirus auch Lassafieber, Riftalfieber oder Krim-Kongo-Fieber abdeckt. Es lohnt ein Blick in die Details: Die Mittel aus den Anleihen fließen nicht sofort bei jedem Seuchenausbruch ab. Denn der Wertpapierprospekt definiert detaillierte Kriterien. Seuchen, die sich nur in einem Land ausbreiten, gelten nicht als Pandemie. Geld fließt erst, wenn Krankheiten auf mehrere Länder übergreifen.

          Die Pandemie-Anleihen sind wegen des kaum einschätzbaren Risikos nur für erfahrene Finanzprofis vorgesehen – entsprechend hoch ist die Mindestanlage von 250 000 Dollar. Investoren bekommen die Anleihen nicht ohne weiteres los, weil es keinen Börsenhandel dafür gibt. Laut Wertpapierprospekt wurden die Bonds formell zum Handel an der Luxemburger Börse angemeldet, jedoch wurden Investoren darauf hingewiesen, dass die Entwicklung eines Sekundärmarktes nicht vorausgesetzt werden könne.

          Die Emission der Anleihen wurde von dem Risikoanlagespezialisten Swiss Re Capital Markets und dem Rückversicherungsunternehmen Munich Re geleitet. Laut Wertpapierprospekt weisen beide Gesellschaften darauf hin, dass sie im Anschluss an die Emission nicht zur Marktpflege verpflichtet sind und die Papiere nicht zwingend von den Investoren zurückkaufen werden, falls diese sich davon trennen wollen.

          Notstand ausgerufen

          Gäbe es einen laufenden Handel für die Anleihen, wäre ihr Preis wohl in diesen Tagen angesichts der Meldungen über die Ausbreitung des Coronavirus über China hinaus eingebrochen – und die Rendite entsprechend in die Höhe geschossen. Spätestens die Ausrufung eines internationalen Notstands durch die WHO am Donnerstag dürfte die Wahrscheinlichkeit erhöht haben, dass ein Land Hilfe aus den Anleihemitteln erhält.

          Bei den möglichen Empfängern könnte es sich im Fall einer weiteren Ausbreitung um besonders arme asiatische Länder handeln wie die Mongolei, Kambodscha, Myanmar oder Laos. Im Fall der Wirtschaftsmacht China kann man davon ausgehen, dass den Behörden dort ausreichend eigenes Geld für den Kampf gegen das Coronavirus zur Verfügung steht. Allerdings besitzt China offiziell den Status eines Entwicklungslandes.

          Angebliche „Wetten auf den Tod“

          Ob und in welchem Umfang Geld fließt, richtet sich zudem nach Formeln und detaillierten Definitionen im fast 400 Seiten umfassenden Wertpapierprospekt. Demnach spielt etwa die Geschwindigkeit eine Rolle, mit der eine Epidemie sich über Landesgrenzen hinweg ausbreitet und damit zur Pandemie wird.

          Wegen dieser engen Kriterien sind die Pandemie-Bonds als „Wetten auf den Tod“ stark in die Kritik geraten. So war die Ausbreitung des Ebolavirus im Kongo im vergangenen Jahr kein Anlass, Anleihemittel an das afrikanische Land zu zahlen, weil die Seuche hauptsächlich dort wütete.

          Stattdessen flossen gut 60 Millionen Dollar aus einer Barreserve der Weltbank an den Kongo – das Geld dafür kam übrigens größtenteils aus Deutschland. Seit vorigem Jahr arbeitet die Weltbank an der Verbesserung der Pandemie-Anleihe, damit diese verlängert werden kann.

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