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Coronavirus und Gefängnisse : Besorgnis in Hessens Haftanstalten

Abgeschirmt, aber nicht gegen das Virus: In hessischen Justizvollzugsanstalten gibt es während der Corona-Krise Sonderregelungen. Bild: Wolfgang Eilmes

Häftlinge trifft die Corona-Krise besonders hart. Ihr Alltag muss zur Not bis auf die völlige Isolation heruntergefahren werden. Das hat Folgen – für sie und für ihre Familien.

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          Alexander Falk kann kaum an sich halten, als er am Donnerstag vor dem Landgericht Frankfurt endlich das Wort bekommt. Der Angeklagte gestikuliert, ruft mehr in Richtung des Vorsitzenden Richters, als dass er spricht. „Das ist doch sinnlos“, sagt er, „wie will man eine Ansteckung mit Corona verhindern, wenn man uns im Gefängnis isoliert, dann aber drei Leute gleichzeitig auf sechs Quadratmetern duschen lässt und jeder das Wasser vom anderen abbekommt? Und wenn dann auch noch drei von uns im selben Transporter zu ihren Gerichtsverhandlungen gefahren werden?“ Falk ist Angeklagter im Prozess um Schüsse auf einen Frankfurter Rechtsanwalt, die er in Auftrag gegeben haben soll. Seit Herbst 2018 sitzt er in Untersuchungshaft. Das bedeutet für ihn wie für alle anderen Untersuchungshäftlinge: Eine Einzelzelle und nur einmal im Monat Besuch von Familie oder Freunden, dazu einmal im Monat eine Stunde fürs Telefonieren mit selbigen. Jedenfalls bis vor kurzem. Die Corona-Krise hat die Gefängnisse erreicht, und für viele Häftlinge bringt sie schwierige Zeiten mit sich: Noch strengere Regeln als sonst, die trotz aller Vorsicht im Gefängnisalltag an praktische Grenzen stoßen.

          Anna-Sophia Lang
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das heißt in der Frankfurter Justizvollzugsanstalt I in Preungesheim, wo alle Untersuchungshäftlinge sitzen: Wessen Gerichtsverhandlung läuft und wer deshalb oder wegen einer Haftprüfung zum Gericht gefahren wird, muss nach jeder Rückkehr von Neuem für 14 Tage in Quarantäne in einem separaten Gebäude. Dort sind auch Neuzugänge untergebracht. Die sonst übliche tägliche Freizeit von zwei Stunden ist gestrichen, genau wie der Hallensport, und auch der einstündige Hofgang soll in der Quarantäne-Station stattfinden. Alle Gefangenen müssen Atemmasken tragen und weiten Abstand voneinander halten.

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