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Therapie à la Trump : Washington sieht Fortschritte bei Bekämpfung des Coronavirus

  • Aktualisiert am

Donald Trump bei seiner täglichen Pressekonferenz im Weißen Haus Bild: Reuters

Die amerikanische Regierung glaubt, dass die Vereinigten Staaten im Frühsommer „einen Großteil dieser Corona-Epidemie“ hinter sich haben könnte. Laut Experten sterbe das Virus bei Sonne und Hitze schneller. Trump spekuliert derweil über abenteuerliche Therapieansätze.

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          Die amerikanische Regierung sieht Fortschritte bei der Eindämmung der Corona-Epidemie in den Vereinigten Staaten. Es gebe vielversprechende Zeichen des Fortschrittes, sagte der amerikanische Vizepräsident Mike Pence am Donnerstagabend (Ortszeit) im Weißen Haus in Washington. „Wir glauben, dass wir bis zum Frühsommer als Nation deutlich besser dastehen könnten – mit einem Großteil dieser Coronavirus-Epidemie hinter uns.“

          An vielen Orten im Land gingen die Infektionszahlen zurück, ebenso die Zahl der Menschen, die wegen einer Infektion ins Krankenhaus eingeliefert werden müssten, sagte Pence. 16 Bundesstaaten hätten bereits Pläne für eine Lockerung der virusbedingten Beschränkungen im öffentlichen Leben veröffentlicht. Das sei ermutigend. Er mahnte jedoch, die Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie müssten zunächst fortgesetzt werden.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump sagte ebenfalls, die Daten zeigten große Fortschritte. In vielen Bundesstaaten gehe die Zahl bestätigter neuer Infektionen zurück. Auch er mahnte jedoch, alle Bürger müssten wachsam bleiben und weiter soziale Distanz wahren. Auch wenn das Land schrittweise zur Normalität zurückkehren werde, dürfe man die Deckung nicht aufgeben, sondern müsse den „unsichtbaren Feind“ weiter genau im Auge behalten.

          „Licht in den Körper bringen“ oder Desinfektionsmittel spritzen?

          Trump hatte ursprünglich in Aussicht gestellt, das Land könne an Ostern zum Normalbetrieb zurückkehren. Angesichts rasant steigender Infektionszahlen in den Vereinigten Staate musste er davon jedoch wieder abrücken. Gemessen an absoluten Zahlen sind die Vereinigten Staaten international am schwersten von der Epidemie getroffen – mit mehr als 860.000 Infektionsfällen und mehr als 45.000 Toten durch das Virus.

          Bei der Pressekonferenz spekulierte Trump auch über mögliche Coronavirus-Therapieansätze. „Nehmen wir mal an, wir behandeln den Körper mit einer enormen Menge, entweder ultraviolettem oder einfach starkem Licht“, sagte Trump. Dann spekulierte er weiter: „Mal angenommen, man könnte das Licht in den Körper bringen, was man durch die Haut oder auf andere Weise tun kann“, sagte er weiter und fügte hinzu, die Forscher wollten wohl auch diese Möglichkeit prüfen. „Das ist ziemlich gewaltig“, sagte Trump weiter.

          Ein Experte der Regierung hatte kurz zuvor geschildert, dass sich die Lebensdauer des Erregers bei direkter Bestrahlung mit Sonnenlicht dramatisch verkürzt. Es handle sich dabei aber noch um vorläufige Erkenntnisse, sagte der Staatssekretär des Heimatschutzministeriums für Wissenschaft und Technologie, William Bryan, am Donnerstagabend im Weißen Haus. In den Versuchen wurde demnach die Haltbarkeit des Virus auf einer trockenen Oberfläche wie einer Türklinke aus Stahl untersucht. Diese Erkenntnis verleitete Trump dazu, Forscher zu ermuntern, im Kampf gegen das neuartige Coronavirus zu prüfen, Menschen direkt Desinfektionsmittel zu spritzen. Trump sagte am Donnerstagabend vor Journalisten, es wäre „interessant“, das zu prüfen. Eine solche Prozedur wäre aber höchstwahrscheinlich lebensgefährlich.

          Spott von Herausforderer Biden

          Mit seinen Vorschlägen handelte sich Trump Spott ein. Sein voraussichtlicher Herausforderer bei der Präsidentschaftswahl im November, der Demokrat Joe Biden, etwa schrieb auf Twitter: „UV-Licht? Desinfektionsmittel injizieren?“ Trump solle sich lieber um mehr Corona-Tests und Schutzausrüstung für tatsächliche Mitarbeiter aus dem Gesundheitssystem kümmern.

          Das Heimatministerium gab praktisch keine weiteren Details zur Genese und Tragweite der Erkenntnisse der Forscher der Regierung preis. Die Ergebnisse würden Präsident Donald Trumps Sichtweise stärken, dass der Erreger bei wärmerem Wetter bald weitgehend verschwinden könnte. „Ich hoffe, dass die Leute die Sonne genießen. Und wenn das eine Wirkung hat, ist das toll“, sagte Trump vor Journalisten.

          Vieles über das Verhalten des neuen Virus Sars-CoV-2 ist noch unbekannt. Renommierte Experten bezweifeln jedoch, dass sich der Erreger bei heißem und sonnigem Wetter schlicht in Wohlgefallen auflösen könnte. Die Übertragung könnte sich aber immerhin im Vergleich zu kaltem und trockenem Wetter verlangsamen – ähnlich wie es auch jedes Jahr bei der saisonalen Grippe der Fall ist.

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