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Kaum Interesse : Warum die italienische Corona-App ein Flop ist

Die App zur Kontaktverfolgung in Italien Bild: dpa

Gerade mal vier Millionen Downloads, viele Fehlermeldungen und regionale Apps, die mit der nationalen konkurrieren: Die nationale Corona-App Italiens „Immuni“ kommt nicht gut an.

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          Sechs Wochen nach dem Start der italienischen Corona-Tracing-App hat sich der Anfangsverdacht bestätigt: „Immuni“ ist ein Flop. Von dem selbstgesteckten Ziel der Behörden, dass bis zu 60 Prozent der Smartphone-Nutzer die App herunterladen, ist „Immuni“ meilenweit entfernt. Nach jüngsten Erhebungen haben allenfalls vier Millionen Smartphone-Nutzer die App heruntergeladen – kaum ein Zehntel.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          „Immuni“ meldet bei Reisen durchs Land fortgesetzt, dass die Funktion der App in jener Region, in welcher man sich gerade aufhält, möglicherweise nicht gewährleistet sei und dass man die Einstellung der „Heimatregion“ ändern möge. Aber welchen Sinn hat eine nationale Tracing-App, wenn sie nicht reibungslos über die Grenzen der 20 Regionen hinweg funktioniert? Außerdem haben mehrere Regionen – von der Lombardei über Sizilien bis Sardinien – eigene Warn-Apps entwickelt, die faktisch mit der nationalen App konkurrieren.

          Zum Vergleich: In Deutschland wurde die Corona-App, die gut zwei Wochen später als die italienische an den Start gegangen war, binnen vier Wochen rund 16 Millionen Mal heruntergeladen – von gut einem Viertel aller Smartphone-Nutzer. In Österreich haben knapp acht Prozent der Handynutzer die nationale Tracing-App heruntergeladen, in der Schweiz sind es etwa zwölf Prozent. Zwar klagen auch deutsche App-Nutzer über offenbar unvermeidliche Kinderkrankheiten bei einer neu entwickelten Software. Aber die Akzeptanz der Corona-App scheint gewährleistet, sie dürfte sogar noch zunehmen. In Italien ist weder das eine noch das andere der Fall.

          Domenico Arcuri, von der Regierung in Rom eingesetzter Sonderkommissar zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, hat dieser Tage konzediert, dass die App „vorerst nicht das Ziel erreicht hat, das wir uns gesteckt hatten“. Er führte die mangelnde Akzeptanz auf den Rückgang der Infektions- und Todeszahlen zurück: Es habe sich im Land „ein gewisser Optimismus“ breitgemacht. Innovationsministerin Paola Pisano sagte, die Zahl von vier Millionen Downloads sei „für italienische Verhältnisse ein optimales Resultat“, und versicherte, die Zahl der Downloads werde „langsam, aber sicher“ steigen. In Umfragen hatten anfangs 44 Prozent der Italiener gesagt, sie könnten sich vorstellen, die App zu installieren.

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