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Gewalt bei Corona-Protesten : „Demonstrationen funktionierten nicht, jetzt muss Blut fließen“

Der Frust bei den Demonstranten ist groß, viele wähnen sich im Widerstand: Gegner der Corona-Politik zum Jahreswechsel in München Bild: dpa

Mordaufrufe und Gewalt bei Demos: Warum radikalisieren sich Impfgegner und Querdenker und wie gefährlich ist die Lage wirklich? Josef Holnburger, Fachmann für Verschwörungsideologien, beobachtet die Szene bei Telegram.

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          Herr Holnburger, wie alarmiert blicken Sie ins neue Jahr?

          Julia Schaaf
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sehr alarmiert. Wir haben mit einer sehr frustrierten Szene zu kämpfen. Die Leute sagen, ihre Demonstrationen hätten nichts gebracht, und die Impfpflicht, die sie so gefürchtet haben, komme jetzt ja trotzdem. Das führt zu einer höheren Bereitschaft, Gewalt einzusetzen.

          Morddrohungen gegen Politiker, zunehmend Auseinandersetzungen von Demonstranten mit der Polizei – inzwischen warnen auch die Sicherheitsbehörden. Sind Sie überrascht?

          Leider nein. Die aktuelle Frustration ist ja nur das eine. Dass sowohl online als auch offline Gewalt geäußert wird, sagen wir schon die ganze Zeit. Das hat auch mit dem Weltbild zu tun: Wenn man an eine globale Verschwörung einer bösen Elite glaubt – deshalb reden wir ja von Verschwörungsideologien – ist man eher gewillt, bis zum Äußersten zu gehen, je bösartiger man den vermeintlichen Feind zeichnet. Gewalt ist eigentlich die konsequente Fortsetzung eines verschwörungsideologischen Weltbilds.

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