https://www.faz.net/-guw-a7nle

Vor Corona-Gipfel : 40 Prozent der Deutschen für längeren Lockdown

  • Aktualisiert am

Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt am 5. Januar zur Pressekonferenz nach den Beratungen von Bund und Ländern. Bild: Michael Kappeler/dpa

Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten beraten am Dienstag über zusätzliche Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Ihre wissenschaftlichen Berater halten sie ebenso für zwingend wie große Teile der Bevölkerung.

          4 Min.

          Vor dem Corona-Gipfel an diesem Dienstag haben wissenschaftliche Berater von Bund und Ländern laut Berichten für härtere Lockdown-Maßnahmen plädiert. Die Runde von Fachleuten, die die Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Bekämpfung der Pandemie berät, habe davor gewarnt, den derzeit leicht positiven Trend bei den Neuinfektionen zu überschätzen, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf Teilnehmerkreise nach einer Videoschalte am Montagabend.

          Die Wissenschaftler warnten demnach eindrücklich vor der drohenden Gefahr durch die Mutation des Coronavirus. Diese lasse sich nur durch eine weitere Reduzierung der Kontakte und eine Einschränkung der Mobilität eindämmen. Als einer der wesentlichen Schritte sei die Ausweitung des Homeoffice genannt worden.

          Im Kreis der Ministerpräsidenten werde noch sehr kontrovers über nächtliche Ausgangssperren und Schulschließungen gesprochen, hieß es in dem Bericht weiter. Auch nach Informationen der Zeitschrift „Spiegel“ plädierten die Fachleute größtenteils für einen harten Lockdown. Die Wissenschaftler warnten demnach vor einer bloßen Verlängerung der geltenden Maßnahmen.

          Merkel will mit den Ministerpräsidenten über eine Verlängerung und mögliche Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen beraten. Während eine Fortdauer des Lockdowns in den Februar hinein als sicher gilt, bleiben Verschärfungen in den Bereichen Homeoffice und öffentlicher Verkehr sowie eine bundesweite nächtliche Ausgangssperre zunächst ungewiss.

          40 Prozent laut Umfrage für Verschärfung

          Eine deutliche Mehrheit der Deutschen unterstützt eine Verlängerung des Lockdowns über den 31. Januar hinaus. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sprachen sich 40 Prozent sogar für eine Verschärfung der bestehenden Maßnahmen aus, weitere 21 Prozent sind für eine Beibehaltung der bisherigen Beschränkungen. Nur 13 Prozent plädierten für ein Ende des Lockdowns, 17 Prozent für eine Lockerung. 8 Prozent machten keine Angaben.

          Die Zahl der Lockdown-Gegner hat damit im Vergleich zu Anfang Januar nur leicht zugenommen. Damals waren 11 Prozent für eine Abschaffung aller Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus und 17 Prozent für eine Entschärfung.

          Die verwendeten Daten stammen von einer Online-Umfrage, die von YouGov durchgeführt wurde und an der 2035 Personen zwischen dem 15. Januar 2021 und dem 18. Januar 2021 teilgenommen haben. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

          „Bundesweit und bundeseinheitlich“

          Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans ist offen für schärfere Kontaktbeschränkungen. „Länder wie Irland sind ein warnendes Beispiel, wie schnell man Erfolge im Kampf gegen die Corona-Pandemie wieder zunichtemachen kann“, sagte der CDU-Politiker der „Rheinischen Post“. „Eine bundesweite und bundeseinheitliche Verschärfung unserer bisherigen Maßnahmen sollten wir daher nicht ausschließen.“ Im öffentlichen Bereich könne man noch mehr tun. Dazu gehöre das Tragen von FFP2-Masken, mehr Homeoffice und Ausgangsbeschränkungen.

          Weitere Themen

          Die Pandemie im Überblick

          Zahlen zum Coronavirus : Die Pandemie im Überblick

          Das Coronavirus hat Deutschland und die Welt weiterhin fest im Griff, zahlreiche Länder vermelden immer neue Höchstwerte. Wie sich die Infektionszahlen im In- und Ausland entwickeln – unsere Karten und Diagramme geben einen Überblick.

          Topmeldungen

          Musste zurückziehen: Neera Tanden im Februar in Washington

          Amerikanische Regierung : Bidens erste Niederlage

          Neera Tanden sollte das Haushaltsbüro von Joe Bidens Regierung leiten. Ihr Scheitern im Senat zeigt das Gewicht der Zentristen in der demokratischen Partei.
          Das Finanzimperium von Lex Greensill steht vor dem Aus.

          Finanzaufsicht sperrt Bank : Aufstieg und Fall des Lex Greensill

          Hinter der in Schieflage geratenen Greensill Bank steht die steile Karriere eines australischen Bauernsohns. Die findet jetzt ein abruptes Ende: Sein Finanzimperium kollabiert, Gläubigerschutz wurde beantragt. Auch deutsche Sparer sind betroffen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.