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„Corona-Partys“ : Feiern bis der Arzt kommt

  • -Aktualisiert am

Show must go on: Einige wollen sich das Feiern auch in Zeiten von Corona nicht nehmen lassen. Bild: Frank Röth

Die Bundesregierung ruft die Menschen auf, zu Hause zu bleiben. Doch einige wollen sich den Spaß nicht nehmen lassen und verabreden sich zu sogenannten Corona-Partys.

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          Die neue Woche begann für die Deutschen mit weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Auch Clubs und Bars wurden in vielen Bundesländern geschlossen, doch einige Menschen lassen sich das Feiern nur ungern nehmen. Die einen feiern trotz der Gefahr einer Ansteckung, die anderen feiern genau deswegen. Denn nach einer Erkrankung wäre man immun und könnte wieder normal leben ­– so zumindest die Annahme.

          Mit privat organisierten, sogenannten „Corona-Partys“ setzen manche Menschen diesen Plan in die Realität um. Die Idee ähnelt der anfänglichen Strategie Großbritanniens im Umgang mit dem Virus: Gesunde treffen sich mit Infizierten, um sich bewusst anzustecken und so schnell gegen die neue Krankheit immun zu werden. Dieser Lösungsvorschlag ist nicht neu: Solche Partys wurden lange vor der Entwicklung von Impfstoffen genutzt, besonders bei Krankheiten wie Masern oder Windpocken. Einladungen zu „Corona-Partys“ tauchen derzeit täglich in den sozialen Netzwerken auf und werden oft schon am folgenden Tag wieder gelöscht.

          Fahrlässig und extrem egoistisch

          Diese Problematik ist auch den Experten des Robert Koch Instituts (RKI) bewusst. Lars Schaade, Vizepräsident des RKI, sprach das Thema in einer Pressekonferenz am Montag in Berlin an und riet vehement von „Corona-Partys“ ab. „Ich sage das deshalb, weil es inzwischen offenbar bereits sogenannte Corona-Partys gibt, wenn die Clubs geschlossen wurden“, sagte Schaade. Es sei nicht sinnvoll, anstatt des Clubbesuchs zu sich nach Hause einzuladen oder auf private Feiern zu gehen, erklärte Schaade. Er appellierte an den Verstand der Menschen: „Bitte tun Sie das nicht. Bleiben Sie möglichst zu Hause und schränken Sie ihr Gesellschaftsleben so weit wie möglich ein.“

          Eine „Corona-Party“ mag für junge Menschen, die nicht der Risikogruppe angehören, auf den ersten Blick unkritisch wirken. Doch laut der Einschätzung des Virologen Uwe Gerd Liebert ist dies ein Trugschluss: „Ich halte es für höchst gefährlich, solche Partys zu machen.“  Die Annahme, dass dadurch eine Immunität erzeugt werde, sei weit hergeholt, wenn nicht sogar gänzlich falsch, so der Direktor des Instituts für Virologie der Universität Leipzig. Im Gegenteil, die Folgen seien völlig unabsehbar. „Das ist das große Risiko“, warnt Liebert.

          „Es ist absurd, so etwas zu machen“, sagt Liebert. Denn diese Personen gingen von der völlig falschen Vorstellung aus, dass alle diese Infektionen harmlos seien und keine Komplikationen hervorrufen könnten, erklärt der Virologe. „Wer so etwas macht, versteht nichts von Infektionen“. Beispiele aus China und Italien zeigen, dass vereinzelt auch jüngere Menschen einen schweren Verlauf der Krankheit erleben. Das heißt, mit solchen Veranstaltungen setzen Feiernde nicht nur ihre eigene Gesundheit aufs Spiel, diese Einzeltaten haben potentielle Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft.

          „Corona-Partys“ würden die Ausbreitung des Virus höchstwahrscheinlich vorantreiben, statt sie zu verlangsamen und damit genau das Gegenteil von den aktuellen Maßnahmen bewirken. Aufgrund der langen Inkubationszeit können Partyteilnehmer, bis sie selbst erkranken, eine Vielzahl an Personen in ihrem Umfeld anstecken ­– Freunde, Eltern, Großeltern. Dies kann eine unkontrollierbare Welle auslösen und zu einer Überlastung des Gesundheitssystem führen. „Wir kommen dann sofort an die Grenze, auch in einem so reichen Land wie Deutschland“, erklärt Liebert. Deshalb sei Feiern aktuell fahrläsig und extrem egoistisch.

          Party nach italienischem Vorbild

          Neben denen, die sich durch eine „Corona-Party“ Immunität erhoffen, gibt es auch noch diejenigen, die die Lage noch nicht besonders ernst nehmen. Im Nürnberger Stadtpark und im Schwabacher Skater-Park hat die Polizei am Montag bereits Platzverweise gegenüber mehreren Feiernden ausgesprochen. Auch in den sozialen Netzwerken, allen voran Facebook, tauchen immer wieder private Gruppen auf, die zu „Corona-Partys“ aufrufen und auf Twitter regen sich vereinzelte Leute über die aktuelle Partyflaute auf, wie etwa dieser besorgte Twitter-Nutzer:

          Besonders einige Abiturienten scheint das Virus nicht von der Abschlussfeier abzuhalten, wie beispielsweise dieses Videos einer Mottoparty in Berlin zeigt:

          Da die Infektionszahlen weiter relativ stark anstiegen, sei es laut RKI wichtig, die nun eingeleiteten Maßnahmen konsequent umzusetzen. Inwieweit sich die Schließung etwa von Schulen und Clubs auf die Statistik auswirkt, zeige sich voraussichtlich nach zehn bis zwölf Tagen, erläuterte Schaade. Er verwies auf die Inkubationszeit sowie auf den Verzug bei Diagnose und Meldung.

          Wer bis dahin dennoch nicht ohne Party leben möchte, kann sich an den Italienern in Quarantäne ein Beispiel nehmen – Balkonpartys ermöglichen Zusammenhalt und Freude trotz körperlichem Abstand.

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