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Virologe Drosten warnt : Zweite Infektionswelle kann unerwartete Wucht entwickeln

  • Aktualisiert am

Christian Drosten, der als Chef-Virologe des Berliner Charités auch am täglichen Corona-Update des NDR mitwirkt, bei einem Pressestatement am 26. März 2020. Bild: AFP

Angesichts der jüngsten Lockerungen zeigt sich Virologe Christian Drosten besorgt: Die Zahl der Infizierten könne abermals rasant steigen. Gleichzeitig meldet die Pharmaindustrie schnelle, aber nicht problemlose Entwicklungen.

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          Der Berliner Virologe Christian Drosten hat sich besorgt über möglicherweise bisher unbemerkte Effekte bei der Ausbreitung des Coronavirus geäußert. Noch zeigten sich verschleppte einzelne Fälle – zum Beispiel durch Reisen, Besuche oder Treffen aus Ausnahme-Gründen – nicht in den Zahlen, sagte Drosten am Montag im NDR-Podcast.

          Neben dem örtlichen Phänomen rechne er noch mit einem anderen Effekt: mit der Zeit zunehmend betroffenen älteren Altersgruppen, etwa Infektionsketten unter 65- oder 70-Jährigen, „weil eben doch man sich im Freundeskreis hier und da noch mal weiter trifft“ oder weil Großeltern eben doch besucht würden. „Ich erwarte, dass es zu diesen Effekten kommt. Das sind Diffusionseffekte, die fast zwangsläufig sind“, sagte der Charité-Experte.

          Wenn die sogenannte Reproduktionszahl nach Lockerung der Maßnahmen wieder über 1 kommen sollte – also ein Infizierter wieder mehr als einen anderen Menschen ansteckt –, könne die Epidemietätigkeit in nicht erwarteter Wucht wieder losgehen, sagte Drosten. Schon Ende vergangener Woche hatte er angesichts von Erkenntnissen aus der Spanischen Grippe vor der Gefahr einer zweiten Welle gewarnt, die nicht mehr nur an einzelnen Orten losrollt.

          Steigende Zahlen, aber schnelle Impfstoffentwicklungen

          Drosten betonte auch, dass die Zahl der Infizierten in der Charité in Berlin seit Wochen zunehme. In den Intensivstationen werde es immer ein bisschen voller. Das sei ein Effekt, der ihn sorgenvoll stimme. Als Erkenntnis aus einer Studie mit epidemiologischen Modellierungen sagte der Virologe, dass Patienten am Tag vor Beginn der Symptome am stärksten infektiös seien. Die überwiegende Infektionstätigkeit sei dann nach vier Tagen mit Symptomen vorbei.

          Unterdessen haben die Pharmaindustrie und Arzneimittelbehörden ihre Arbeitsabläufe angesichts der Covid-19-Krise erheblich beschleunigt. Was sonst Monate oder Jahre brauche, werde nun binnen weniger Wochen erledigt, sagten Branchenvertreter am Montag bei einer Veranstaltung des Verbandes EFPIA. Bis zum Ende des Jahres könne man deshalb mit Impfstoffen gegen Sars-CoV-2 rechnen, erklärte Paul Stoffels von Johnson & Johnson und dessen Konzernteil Janssen Pharmaceutica.

          Die Entwicklung eines Ebola-Impfstoffs habe nur sechs Monate gedauert, weil man auf Erfahrungen aus früheren Forschungen habe zurückgreifen können. „Jetzt sind wir noch weiter“, sagte Stoffels. Bei der Entwicklung von Impfstoffen sei die Sicherheit besonders wichtig, weil damit viele Menschen geimpft würden. Eine weitere Herausforderung sei die Produktion in enormen Mengen.

          Herstellung und Lieferung mit Hindernissen

          Derzeit werde an „mindestens 45“ Impfstoff-Kandidaten gegen das neue Coronavirus gearbeitet. „Wir sind nicht die einzigen“, sagte Stoffels. Das sei auch gut so, weil man vorab nicht sicher sein könne, ob eine Entwicklung auch tatsächlich wirken werde. Der Industrievertreter lobte die Zusammenarbeit mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und anderen Institutionen: „Es ist toll, wie die Aufsichtsbehörden mit uns arbeiten.“ Die enge Kooperation zwischen Entwicklern und Aufsichtsbehörden hob auch Alan Morrison vom US-Pharmariesen Merck Sharp & Dohme (MSD) hervor.

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          Stoffels erklärte, neben Impfstoffen würden auch Corona-Tests mit Hochdruck entwickelt und vorhandene Medikamente auf ihre Tauglichkeit für die Covid-19-Behandlung untersucht.

          Simon White vom Pharmaunternehmen Pfizer sagte, die Krise stelle auch die Herstellung und Lieferung anderer Medikamente auf eine harte Probe. Man habe mancherorts sicherstellen müssen, dass Arbeitnehmer als Grenzgänger überhaupt zur Arbeit kommen konnten. Lieferungen hätten an den Grenzen festgesteckt. Auch Exportbeschränkungen innerhalb der EU seien eine Hürde gewesen, so White.

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