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Angebliches Covid-Mittel : Viel geschmuggeltes Ivermectin in Österreich beschlagnahmt

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Das Mittel wird als angebliches Medikament gegen Covid-19 gehandelt. Bild: AP

Vielen gilt das Mittel gegen Darmwürmer auch als Covid-Medikament – die Nachfrage ist deshalb massiv angestiegen. Die Gefahren werden aber oft übersehen. Der österreichische Zoll hat seit Jahresbeginn 25.000 Tabletten beschlagnahmt.

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          In Österreich hat der Zoll seit Jahresbeginn 24.169 geschmuggelte Tabletten des Arzneimittels Ivermectin beschlagnahmt. Das Mittel gegen den Befall von Parasiten wie zum Beispiel Darmwürmern wird von manchen gegen den Rat des Herstellers und medizinischer Organisationen als geeignetes Medikament bei einer Covid-Erkrankung angesehen. In Österreich wurde es dadurch bekannt, dass der Chef der rechten Partei FPÖ, Herbert Kickl, sich für eine Covid-Behandlung mit Ivermectin starkmachte.

          Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) ließ am Sonntag mitteilen, es gebe eine „explosive Steigerung“ der nach Österreich bestellten Entwurmungstabletten. Das habe sich auch bei einer EU-weiten Schwerpunktaktion bestätigt, Österreich liege hier an zweiter Stelle. Blümel sagte, man habe in den vergangenen Monaten „eine regelrechte Kampagne“ zur Einnahme des Mittels „als angebliches Covid-Heilmittel erlebt“.

          Damit spielte er auf den früheren FPÖ-Innen­minister an: Kickl lehnt alle restriktiven Corona-Maßnahmen ebenso ab wie eine Impfung. Stattdessen fordert er Behandlungen mit solchen Mitteln und setzt zur Prävention auf eine Stärkung der Konstitution etwa mit Vitaminpräparaten oder Bitterstoffen. Ihn selbst hat das kürzlich vor einer Corona-Infektion nicht geschützt, doch kann er nach offenbar mildem Verlauf die Quarantäne wieder verlassen.

          Ivermectin hat in Laborstudien tatsächlich eine hemmende Wirkung auf die Vermehrung der Viruslast gezeigt. Auch wird es nicht nur für Pferde verschrieben, sondern auch für Menschen bei Wurmbefall oder Krätzmilbe. Laut Gesundheitsministerium wäre aber für eine wirksame Behandlung eine so hohe Dosierung erforderlich, dass eine Vergiftung nicht ausgeschlossen sei. Kürzlich wurde in der Steiermark eine Frau mit Vergiftungserscheinungen behandelt, die laut ORF auf eine Selbstmedikation mit dem Entwurmungsmittel zurückzuführen war.

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