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Vor dem Autogipfel : „Ein teures Strohfeuer“

Atemschutzmasken schon vor Corona: Aktivisten blockieren im September 2019 den Eingang zum Gelände der IAA. Bild: Lucas Bäuml

Die Autoindustrie fordert in der Corona-Krise Unterstützung von der Politik. Dagegen formiert sich Widerstand. Ein Gespräch mit Wasilis von Rauch, Sprecher des Bündnisses für eine „Mobilprämie für alle“.

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          Herr von Rauch, was stört Sie am heutigen Autogipfel?

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Dass es ein reiner Autogipfel ist! Wir brauchen aber einen Gipfel über die Zukunft der Mobilität. In Berlin treffen sich Vertreter der Politik ausschließlich mit der Autoindustrie. Mobilität ist aber öffentlicher Nah- und Fernverkehr, Fahrradverkehr und Autoverkehr. Wieso ist niemand aus dem Umweltministerium eingeladen oder Verbraucherschützer? Außerdem startet die Autoindustrie mit massiven Forderungen und macht dabei überhaupt keine Angebote. Ich glaube, damit verschenkt sie selbst bei ihren Gönnern Kredit. Sie sagt nicht einmal: Wir beschränken uns auf Elektroautos oder auf vernünftige Hybride. Nein, sie wollen Kaufprämien auch für die Verbrenner und nicht mal da schlagen sie CO2-Grenzen vor. Aber das ist nicht alles, was mich stört.

          Sondern?

          Die Autoindustrie steckt in einer strukturellen Krise, denn der Verbrennungsmotor ist ein Auslaufmodell. Wie sinnvoll ist es, da noch mal Geld reinzustecken? Auch aus der Perspektive der Autoindustrie wäre es sinnvoller, jetzt mit Innovationen aus der Krise herauszukommen als sie mit noch mehr Geld noch weiter zu zementieren.

          Aber die Autobranche ist der mit Abstand bedeutendste Industriezweig Deutschlands mit Hunderttausenden Beschäftigten.

          Ich sage ja nicht, dass die Autoindustrie grundsätzlich ein Auslaufmodell ist. Sondern der Verbrennungsmotor ist nicht mehr zeitgemäß. Ich denke schon, dass die Automobilindustrie in Deutschland die Kapazitäten und auch die Kraft hat, diesen Technologiewechsel mitzugestalten. Die Autoindustrie steckt in einem selbstverschuldeten Dilemma und hat in den letzten zehn Jahren den Wandel verschlafen. Beim Dieselskandal hat man gesehen, dass sie mit sehr zweifelhaften Methoden auf die falschen Pferde gesetzt hat. Und mit diesem Skandal sind wir noch gar nicht durch. Da könnte sich die Autoindustrie auch mal hinten anstellen und sagen: ,Wir haben im letzten Jahr gutes Geld verdient, stehen im Gegensatz zu vielen Unternehmen im öffentlichen Personennahverkehr nicht vor der Pleite, weil Kunden wegbleiben. Wir liefern jetzt erst mal selbst.'

          Wasilis von Rauch, Sprecher des Bündnisses „Mobilprämie für alle“

          Aber wirkt sich eine Hilfe für Autokonzerne nicht auch positiv auf die gesamte Wirtschaft aus?

          Nicht unbedingt. Die Abwrackprämie 2009 hat bloß dazu geführt, dass Menschen den Autokauf ein halbes Jahr vorgezogen haben. Im Folgejahr kam dann die Lücke. Der Effekt war der eines Strohfeuers. Für Innovationen oder Umweltschutz wurde dagegen nichts getan. So würde es wieder werden: ein teures Strohfeuer, das sozial ungerecht und klimapolitisch bedenklich ist. Zumal ich glaube, dass die Menschen den Autokauf wegen Corona zwar verschieben, aber nicht unbedingt abblasen. Ob die Autoindustrie wirklich massiv verliert durch Corona, muss man erst noch abwarten. Sollte sich herausstellen, dass das so ist, kann man immer noch gegensteuern. Aber nach wenigen Wochen, in denen die Autohändler schließen mussten, schon solche Forderungen zu stellen, finde ich einfach nicht angemessen.

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