https://www.faz.net/-guw-ac38p

Streit mit China : US-Geheimdienste sollen Ursprung der Pandemie aufklären

  • Aktualisiert am

Joe Biden hat seine Geheimdienste damit beauftragt, den Ursprung des Coronavirus zu erforschen. Bild: AP

Der amerikanische Präsident Joe Biden will Klarheit schaffen, ob das Virus aus einem Labor in Wuhan stammt. Seine Geheimdienste sind bislang zu unterschiedlichen Einschätzungen gekommen. China spricht von einer „Verleumdungskampagne“.

          2 Min.

          US-Präsident Joe Biden hat die Geheimdienste der Vereinigten Staaten beauftragt, dem Ursprung der Corona-Pandemie auf den Grund zu gehen. Die bisherigen Untersuchungen hätten unterschiedliche Einschätzungen ohne abschließende Folgerungen geliefert, hieß es am Mittwoch in einer schriftlichen Stellungnahme Bidens. Daher habe er die Geheimdienste angewiesen, ihre Bemühungen zu verstärken und binnen 90 Tagen einen weiteren Bericht dazu vorzulegen. Die Vereinigten Staaten arbeiteten dabei mit gleichgesinnten Partnern rund um die Welt zusammen, um China zu Transparenz und zum Zugang zu Daten zu drängen.

          Biden erklärte, er habe nach seinem Amtsantritt bereits einen ersten Geheimdienstbericht zum Ursprung der Pandemie in Auftrag gegeben – inklusive der Frage, ob das Virus durch einen menschlichen Kontakt mit einem infizierten Tier oder durch einen Labor-Unfall aufgekommen sein könnte. Diesen Bericht habe er inzwischen erhalten. Innerhalb des Geheimdienstapparates gebe es unterschiedliche Einschätzungen zu der Frage – allerdings fehle es an Informationen, um die Szenarien abschließend zu bewerten. Die Geheimdienste sollten nun weitere Informationen sammeln und analysieren, „die uns einer endgültigen Schlussfolgerung näherbringen könnten“.

          Seit langem kursieren unbelegte Mutmaßungen, das Coronavirus könne aus einem Labor in der chinesischen Stadt Wuhan stammen und womöglich durch einen Laborunfall freigesetzt worden seien. In Wuhan war das Coronavirus erstmals aufgetreten.

          China weist die Vorwürfe zurück

          China hat derartige Vorwürfe bislang vehement zurückgewiesen. Nach Bidens jüngsten Ankündigungen sprach ein Sprecher der chinesischen Botschaft in Washington von einer „Verschwörungstheorie“. Die „Verleumdungskampagne und die
          Schuldzuweisungen“ kehrten zurück. Er fügte hinzu: „Die Suche nach dem Ursprung – eine Sache der Wissenschaft – zu politisieren, wird es nicht nur schwerer machen, die Herkunft des Virus zu finden, sondern auch dem „politischen Virus“ freien Lauf lassen und die internationalen Kooperation in der Pandemie ernsthaft behindern.“

          China unterstütze eine umfassende Studie aller frühen Covid-19-Fälle auf der ganzen Welt und eine Untersuchung „einiger geheimer Stützpunkte und biologischer Labors überall in der Welt“, sagte der Sprecher. Er spielte damit möglicherweise auf unbewiesene Hypothesen aus Peking an, wonach das Virus aus einem Labor des US-Militärs in Fort Detrick oder anderswo entsprungen und von Teilnehmern der Militärweltspiele im Oktober in Wuhan eingeschleppt worden sein könnte.

          Schon in den vergangenen Tagen hatte China einen US-Medienbericht dementiert, wonach drei Wissenschaftler des Instituts für Virologie in Wuhan im November 2019 in ein Krankenhaus gekommen waren.

          Die Weltgesundheitsorganisation WHO war in einer im März vorgelegten Studie zu dem Schluss gekommen, dass das Virus außer in Fledermäusen auch in Schuppentieren seinen Ursprung haben könnte. Die Theorie, dass es aus einem Labor entwichen sein könnte, bezeichneten die beteiligten Wissenschaftler dagegen als „extrem unwahrscheinlich“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zieht sich vorzeitig von der Bundesbank-Spitze zurück: Jens Weidmann

          Europas Geldpolitik : Das Ende einer Ära

          Mit dem Abschied Jens Weidmanns findet die Tradition der Bundesbank in der europäischen Geldpolitik sichtbar einen Abschluss. Künftig dürfte sich die EZB noch mehr der amerikanische Vorstellung auf diesem Feld annähern.
          Hat vor dem Flug nach Amerika noch etwas zu sagen: Mathias Döpfner

          Döpfner zum Fall Reichelt : Vor dem Abflug

          Kurz vor seinem Abflug nach Washington, den Mathias Döpfner antrat, um den Kauf der Mediengruppe Politico zu besiegeln, wandte sich der Springer-Chef mit einer Videobotschaft an seine Mitarbeiter. In ihr geht es um den gekündigten Bild-Chef Julian Reichelt – und um ihn selbst.
          Nikolas Löbel 2019 im Bundestag

          Maskenaffäre der CDU : Aufarbeitung mit Lücken

          Die Mannheimer CDU hat versprochen, die Affären ihres früheren Vorsitzenden Nikolas Löbel aufzuarbeiten. Doch der Bericht weist Leerstellen auf – wer ihn lesen will, muss eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.