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Vereinte Nationen warnen : Venezuela droht biblische Hungersnot

In einer Schulkantine in Caracas warten Lehrerinnen darauf, dass die Eltern die Hausaufgaben ihrer Kinder abgeben. Bild: dpa

In Venezuela lassen die Corona-Einschränkungen Wasser und Benzin knapp werden. Viele Menschen sind komplett von der Versorgung abgeschnitten. Unruhen und Plünderungen erschüttern das Land.

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          Venezuela droht eine „biblische Hungersnot“, warnt das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen. Obwohl in dem südamerikanischen Land offiziell weniger als 400 Corona-Fälle bestätigt sind, könnte die Krise für Venezuela verheerende Folgen haben. Die Situation in dem von Misswirtschaft, Mangel und Sanktionen erschütterten Land hat sich durch die Pandemie weiter zugespitzt. Neben Lebensmitteln sind nun auch Benzin und Wasser knapp geworden. Die Einschränkungen, mit denen die Regierung versucht, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, haben viele Venezolaner praktisch ganz von der Versorgung abgeschnitten.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          In den vergangenen Tagen ist die Situation in mehreren Teilen des Landes außer Kontrolle geraten. Lokale Medien berichteten von Unruhen, Vandalismus und Plünderungen in verschiedenen Städten. Von Plünderungen betroffen waren überwiegend Supermärkte, was auf die extreme Notsituation vieler Venezolaner zurückgeführt wird. Vergangene Woche wurde bei Protesten im Bundesstaat Guayana ein 29 Jahre alter Mann von einem Polizisten erschossen. Venezuela hat in den vergangenen Wochen einen enormen Preisanstieg erlebt, den die Regierung auf eine „Destabilisierung“ durch einige Sektoren der Privatwirtschaft zurückführt.

          Lebensmittelverkauf wird überwacht

          Am Wochenende tritt ein Plan in Kraft, um die „Spekulation“ einzudämmen. Dann werden wieder Preiskontrollen eingeführt. Vizepräsidentin Delcy Rodríguez kündigte den „überwachten Verkauf“ von Produkten der drei wichtigsten Lebensmittelhersteller des Landes an. Die Anlagen des Lebensmittelherstellers Coposa sollen für 180 Tage von Soldaten besetzt werden. Fachleute warnen davor, dass Preiskontrollen den Mangel an wichtigen Güter verschärfen könnten. Der Preisanstieg in Venezuela erklärt sich größtenteils durch den Benzinmangel, der die Produktion und den Transport von Lebensmitteln beeinträchtigt.

          Für einen Liter Benzin werden derzeit zwei Dollar oder mehr bezahlt. Damit ist das venezolanische Benzin, das lange Zeit fast nichts kostete, heute eines der teuersten weltweit. Der Zusammenbruch der Ölpreise und die Sanktionen Washingtons gegen das Regime von Nicolás Maduro haben die Importwege für Benzin blockiert. Die venezolanische Erdölindustrie liegt am Boden, und die Raffineriekapazitäten des staatlichen Erdölkonzerns PdVSA reichen nicht aus, um die Nachfrage im Land zu decken.

          Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat PdVSA einen Reformplan ausgearbeitet, der eine weitreichende Privatisierung verschiedener Unternehmensbereiche vorsieht, um Investitionen anzuziehen. Maduro hat zudem den bisherigen Wirtschaftsminister Tareck El Aissami zum neuen Erdölminister ernannt, der von einigen Beobachtern als ein Verfechter einer wirtschaftlichen Liberalisierung angesehen wird. Allerdings steht El Aissami auf der Liste der meistgesuchten Drogenhändler der amerikanischen Einwanderungs- und Zollbehörde.

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