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UN-Aids-Direktorin Byanyima : „Wir müssen mutig vorangehen“

Ihr Vater war Politiker in Uganda. Warum sind Sie keine Politikerin geworden?

Ich war Politikerin. Ich war Abgeordnete im Parlament wie mein Vater. Und ich habe mich gegen den damaligen Diktator Milton Obote gestellt und ihn bekämpft. Darauf bin ich stolz. Politik ist für mich eine Plattform, über die sich Probleme lösen lassen, wenn es um soziale Ungerechtigkeiten geht. Und genau das tue ich auch heute noch, über eine andere Plattform, die Entwicklungshilfe.

Sie sind seit Jugendzeiten mit dem Präsidenten von Uganda, Yoweri Museveni, befreundet. Gemeinsam haben Sie Anfang der achtziger Jahre gegen Obote gekämpft. Heute ist Museveni selbst ein Autokrat, und Sie haben mit ihm gebrochen, obwohl er und Uganda im Kampf gegen Aids als Vorreiter gelten. Ist das noch immer so?

Uganda war ein frühes Vorbild im Kampf gegen Aids. Noch bevor es eine Therapie gab, haben wir schon viel durch Präventionsprogramme im Land bewirkt. Und wir haben unseren erfolgreichen Kampf fortgesetzt: So hatten 93 Prozent der HIV-infizierten Schwangeren 2018 Zugang zu einer antiretroviralen Therapie und brachten gesunde Kinder zur Welt. 84 Prozent der Infizierten wissen von ihrer Infektion, 72 Prozent werden behandelt, 64 Prozent von ihnen können dank der Medikamente das Virus nicht weiterverbreiten. Dennoch bleibt viel zu tun, gerade was die Menschenrechte betrifft. Zu viele werden noch stigmatisiert und bekommen darum keine Therapie. Wir brauchen eine neue politische Führung in Uganda, um für neue Impulse zu sorgen.

Wie ist die Situation von Frauen und LGBTI in Uganda?

Schon HIV hat uns gezeigt, dass Menschen noch immer ungleich und ungerecht behandelt werden. Das Coronavirus hält uns genau diesen Spiegel nun wieder vor: In Kampala ging die Polizei zum Beispiel während des coronabedingten Lockdowns gegen LGBTI vor, angeblich, weil sie sich nicht an die Abstandsregeln hielten. Dabei waren sie nicht in der Öffentlichkeit, sondern hielten sich in einem geschützten privaten Raum auf. Sie wurden 50 Tage eingesperrt, geschlagen und gefoltert. Das ist nur ein Beispiel, wie die Corona-Maßnahmen in Uganda missbraucht wurden, um Menschenrechte zu verletzen. Es gibt eine Pandemie hinter der Pandemie. Wir können bei HIV und Covid-19 nur erfolgreich sein, wenn wir alle gleich behandeln.

Strengt sich Deutschland genügend an, wenn es um den Kampf gegen Ungleichheit geht?

Deutschland hat Führungswillen gezeigt und war bereit einzuspringen, als das reichste Land der Welt sich mitten in einer Gesundheitskrise aus der Weltgesundheitsorganisation zurückzog. Covid-19 ist die größte Herausforderung, der sich die Welt derzeit stellen muss, und Deutschland ist einer der wichtigen Akteure im multilateralen Kampf gegen die Pandemie. Allerdings könnte Deutschland noch mehr tun, mehr Verantwortung in den G20 und der UN übernehmen, um Entwicklungsländer zu unterstützen, etwa wenn es um den Zugang zu einem Covid-19-Impfstoff geht.

Am Sonntag beginnt der Weltgesundheitsgipfel in Berlin, und neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und UN-Generalsekretär Guterres werden auch Sie bei der Eröffnung reden. Was ist Ihre Botschaft?

Wir können Covid-19 und Aids besiegen, wir können Ungleichheiten und die sozioökonomischen Krisen besiegen, aber nur, wenn wir bei jedem unserer Kämpfe mutig vorangehen.

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