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Studie über Selbstwahrnehmung : Jugendliche nehmen Corona-Maßnahmen ernst

  • -Aktualisiert am

Globaler Klima Streik: Fridays for Future Aktivisten in Berlin. Bild: Reuters

Sie gelten vielen derzeit als unvernünftig und unsolidarisch: Junge Leute, die scheinbar nicht auf Partys verzichten können und so das Virus verbreiten. Doch zumindest die 16- bis 26-Jährigen nehmen ihr Verhalten anders wahr.

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          Wenn es in diesen Tagen die Einhaltung der Corona-Regeln angemahnt wird, wird eine Gruppe besonders häufig angesprochen: junge Erwachsene. So bat etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einigen Tagen die Jugend, „lieber heute auf ein paar Feten, Feiern und Partys zu verzichten, um morgen und übermorgen gut leben zu können“. Auch Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, betonte am Donnerstag abermals, dass sich derzeit vor allem jüngere Leute mit dem Virus infizieren, ein Hauptinfektionsort seien private Veranstaltungen. Von vorbildlichen Helfern zu Beginn der Krise scheinen sie nun zu Leichtsinnigen geworden zu sein, die das Virus verbreiten.

          Zumindest unter den 16- bis 26-Jährigen fällt die Selbsteinschätzung jedoch ganz anders aus – zu dem Ergebnis kommt jedenfalls die repräsentative TUI-Jugendstudie, die ihre Ergebnisse im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag Morgen vorstellte. Demnach gaben 83 Prozent der Befragten an, sich ganz oder zumindest überwiegend an die Maßnahmen und Empfehlungen zur Eindämmung der Corona-Infektionen zu halten. Nur ein kleiner Teil (elf Prozent) hingegen räumte ein, sich nur eingeschränkt an die Regeln zu halten und lediglich zwei Prozent lehnten die Verordnungen ab. Als Motivation für das Einhalten der Regeln nennen zwei Drittel der Heranwachsenden dabei den Gesundheitsschutz anderer. Aber auch die eigene Gesundheit ist ihnen nicht egal – 54 Prozent hoben die Wichtigkeit ihres Eigenschutzes hervor. Strafen spielten dabei nur für knapp ein Drittel eine Rolle. Mehr als die Hälfte von ihnen bewertet die Corona-Maßnahmen als angemessen, fast jeder Vierte hält sie sogar für nicht ausreichend und nur jeder Fünfte für übertrieben.  

          Das Feierverbot ist nicht ihre größte Sorge

          Das Feierverbot ist dabei nicht die größte Sorge der Jugendlichen. Vor allem die Schließung der Schulen und Universitäten verlief aus ihrer Sicht problematisch – nicht nur wegen des Unterrichts, sondern auch wegen den wegfallenden sozialen Kontakten. Diese Einschränkung fiel den Befragten am schwersten. Danach folgten die Einschränkungen im Freizeitbereich, die 40 Prozent nannten. Noch vor dem Verzicht auf Feiern und Clubbesuchen stehen die Mobilitätseinschränkungen, also der Verzicht auf Reisen. Gerade diese Einschränkung wirkt in den verschiedenen Altersgruppen nicht gleich: Wenn für Erwachsene der jährliche Sommerurlaub ausfällt, sei das traurig – für Heranwachsende breche mit ausfallenden Auslandssemestern oder Sprachkursen eine Lebens- und Bildungserfahrung weg, heißt es in der Studie.

          Schon vor der Pandemie kamen die TUI-Forscher zu dem Schluss, dass in keinem europäischen Land Jugendliche den Konflikt zwischen Jung und Alt so stark wahrnehmen wie die deutschen Jugendlichen. 44 Prozent von ihnen gaben im Januar an, dass sie den Eindruck haben, dass vor allem die Meinungen der Älteren Gehör finden. Dieser Wert ist im September um 4 Prozentpunkte gestiegen. Vor allem das Wahlverhalten der älteren Generation bewerten die Jugendlichen kritisch für ihre Zukunft, aber keineswegs stellen ältere Menschen aus ihrer Sicht eine Last für die Gesellschaft dar. Als größeres Problem nennen sie die politische Polarisierung, die Schere zwischen Arm und Reich und die Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern.

          Klimaschutz bleibt wichtigstes Thema

          Im Hinblick auf ihre Zukunft glaubt nur ein Drittel, dass es den älteren Generationen wichtig sei, das Land in einem guten Zustand für sie zu hinterlassen. Ausschlaggebend dafür sind laut der Studie auch die Fridays-for-Future-Proteste mit dem Diskurs über den Klimawandel und -schutz, der trotz der Corona-Pandemie das wichtigste Thema der Jugendlichen bleibt.

          Diejenigen, die sich in der Phase ihres Lebens befinden, in der sie normalerweise ihre wichtigsten Sozialisationserfahrungen machen würden, wird die Pandemie langfristig prägen, so der Schluss der TUI-Forscher. Die jungen Erwachsenen seien entgegen der Annahme der Älteren bereit, sich an die Einschränkungen zu halten. Es wird allerdings davor gewarnt, die Generationen gegeneinander auszuspielen. Auch Virologe Christian Drosten hat einmal den gesellschaftlichen Zusammenhalt als wichtigste Ressource beim Marathonlauf der Pandemiebekämpfung bezeichnet: Man dürfe die Solidarität der Jugendlichen jetzt nicht leichtfertig verspielen.

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