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Gesundheitsminister in Rom : Italien will Grenzen offen lassen

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn gibt ein Statement ab, nachdem er sich mit anderen europäischen Gesundheitsministern in Rom beraten hat. Bild: Reuters

Obwohl die Zahl der Toten und Infizierten in Italien immer weiter steigt, einigen sich die europäischen Gesundheitsminister darauf, keine Reisesperre zu verhängen. Italiens Ministerpräsident gibt sich optimistisch.

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          Die Gesundheitsminister mehrerer europäischer Staaten halten Reisebeschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus derzeit nicht für eine geeignete Maßnahme. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte am Dienstagabend in Rom nach einem Krisentreffen mit seinen Amtskollegen aus Italien, Österreich, Slowenien, Frankreich, Kroatien und der Schweiz: „Wir sind gemeinsam der Meinung, dass zu diesem Zeitpunkt Reisebeschränkungen oder gar das Schließen von Grenzen keine angemessene, verhältnismäßige Maßnahme wäre.“ Auch über die Absage großer öffentlicher Veranstaltungen solle nicht pauschal, sondern im Einzelfall entschieden werden.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Vor allem der gastgebende italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza hatte darauf gedrungen, dass die Nachbarländer keine drastischen Maßnahmen ergreifen. Eine Schließung der Grenzen zu Italien, das die meisten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus sowie die meisten Todesfälle wegen der dadurch verursachten Lungenkrankheit außerhalb Asiens aufweist, „wäre ein Fehler und unverhältnismäßig“, sagte Speranza.

          Nach Angaben des Zivilschutzes in Rom stieg die Zahl der Toten bis Dienstagabend auf elf, die Zahl der Infektionen wurde auf 322 beziffert. Nach wie vor wurde die überwiegende Zahl der Infizierten in den nördlichen Regionen Lombardei und Venetien verzeichnet. Erstmals meldeten die Behörden am Dienstag je zwei Fälle aus der Toskana und aus Ligurien sowie einen Fall aus der sizilianischen Hauptstadt Palermo, wo eine aus Bergamo in der Lombardei stammende Touristin positiv auf das Virus getestet wurde. Die Frau wird auf der Isolierstation des Krankenhauses von Palermo behandelt, ihre Mitreisenden wurden unter Quarantäne gestellt.

          Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte äußerte sich am Dienstag optimistisch, dass die Maßnahmen im Kampf gegen den Coronavirus-Ausbruch in Italien bald greifen würden: „Ich bin zuversichtlich, dass wir in den kommenden Tagen eine Eindämmung der Krankheit  erreichen werden.“ Neben den seit Sonntag abgeriegelten Epidemiezentren in der Lombardei und in Venetien hätten sich keine weiteren örtlichen „Brutstätten“ des Virus entwickelt, sagte Conte.

          Der Regierungschef versuchte Sorgen von potentiellen Urlaubern zu zerstreuen. Italien sei ein sicheres Land für Reisende, wahrscheinlich sicherer als viele andere Länder, sagte Conte. Die Fremdenverkehrswirtschaft stellt sich auf einen drastischen Rückgang der Besucherzahlen ein. Analysten halten es für faktisch unausweichlich, dass die Volkswirtschaft des Lande wegen der ökonomischen Folgen der Viruskrise im ersten Quartal 2020 in eine Rezession sinken wird. Die italienische Wirtschaftsleistung war schon im letzten Quartal 2019 um 0,3 Prozent geschrumpft.

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