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Viele Fragen offen : Corona-Impfung mit Fragezeichen

Klinische Phase: Wie hier in Indonesien laufen inzwischen zahlreiche Studien, in denen potentielle Impfstoffe gegen Corona an Freiwilligen getestet werden. Bild: dpa

Weltweit wird in Rekordtempo an einem Corona-Impfstoff geforscht. Doch die Zulassungsstudien werden von einem Todesfall und quälenden Unsicherheiten überschattet.

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          Er wurde nur 28 Jahre alt, ein junger Arzt, der vergangenes Jahr an der Universität von Rio de Janeiro seinen Abschluss gemacht hat und sich, wie Freunde und ehemalige Dozenten am Mittwoch twitterten, heldenhaft in den Kampf gegen die Covid-19-Pandemie geworfen habe. Dazu gehörte für João Pedro Rodrigues Feitosa auch, sich für Impfversuche zur Verfügung zu stellen. Brasilien war in den vergangenen Wochen wie Indien, die Vereinigten Staaten und andere internationale Hotspot-Länder zum Zentrum der Phase-3-Studien fast aller Impfstoffhersteller geworden. Phase 3, das ist die letzte und entscheidende Phase vor der Zulassung eines neuen Impfstoffs. 30.000 Freiwillige hatte das britisch-schwedische Unternehmen Astra-Zeneca für seine Zulassungsstudie im Ausland gesucht, dazu fast 20.000 in Großbritannien, als es vor wenigen Monaten als erste internationale Forschergruppe mit seinem vektorbasierten Impfstoff in die Erprobung am Menschen eingestiegen war. Inzwischen sind zehn der weltweit 44 schon klinisch getesteten Impfstoffkandidaten in dieser wichtigen Erprobungsphase.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Der junge brasilianische Arzt war einer der Probanden. Und wie jeder, der an diesen kontrollierten Tests zur Wirksamkeit und Sicherheit eines Impfstoffs teilnimmt, konnte er nicht wissen, ob er mit der Injektion, die er unter die Haut gespritzt bekam, tatsächlich eine Dosis von dem an der Universität Oxford entwickelten Impfstoff AZD1222 bekam – oder eben ein Scheinmedikament, ein Placebo. Erst durch diesen direkten Vergleich, wie viele der Impflinge mit der Vakzine erkranken und wie viel mehr auf der anderen Seite bei den Freiwilligen in der Placebo-Gruppe, lässt sich am Ende einer solchen Großstudie unter Alltagsbedingungen zeigen, wie effektiv und sicher ein Impfstoff wirklich ist. Für João Pedro Rodrigues Feitosa selbst war das am Ende unwesentlich. Er ist trotz seines jungen Alters ähnlich wie seinerzeit der chinesische Augenarzt, der in Wuhan Anfang des Jahres Alarm geschlagen hatte, an Covid-19 erkrankt – und daran gestorben.

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