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Tiere und Arbeiter infiziert : Nerzfarmen in den Niederlanden müssen schließen

Bis Ende des Jahres müssen die niederländischen Nerzfarmen die Zucht einstellen. Bild: dpa

In den niederländischen Nerzfarmen soll sich das Coronavirus von Tier auf Mensch übertragen haben. Das Verbot der Zucht kommt nun schneller als zunächst geplant. Tierschützer dürfte das freuen.

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          Tierschützer kämpfen seit Jahren dafür, Nerzfarmen in den Niederlanden zu verbieten. Das Oberste Gericht des Landes entschied 2013, dass die Zucht der Pelztiere bis Ende 2023 aufhören muss. Doch jetzt geht alles viel schneller – wegen des Coronavirus. Am Montag mussten 19.000 Nerze auf Anordnung der zuständigen Ministerien gekeult werden, weil das Virus in zwei Zuchtbetrieben in Gemert nachgewiesen worden war, dem Zentrum der niederländischen Produktion in der Provinz Nördliches Brabant. Es war schon die zwanzigste Farm, auf der sich Tiere infiziert hatten.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Während die Behörden erst zögerlich agiert hatten, wurden in den vergangenen Wochen nun mehr als 600.000 Tiere getötet. Das Parlament beschloss Ende Juni, dass die wegen des Virus geschlossenen Betriebe nicht wieder öffnen dürfen und die gesamte Zucht bis Jahresende eingestellt werden soll. Die Regierung soll die insgesamt 128 Farmen, auf denen 2018 noch 4,5 Millionen Nerze gezüchtet wurden, finanziell kompensieren. Das Kabinett arbeitet jetzt an einer Regelung für Unternehmer, die ihre Farm freiwillig schließen, sofern sie noch nicht betroffen ist. Die zuständigen Ministerien verboten den Transport von Nerzen und ordneten strenge Hygienemaßnahmen an.

          Die ersten Infektionen der Pelztiere mit Sars-CoV-2 waren Ende April in zwei Betrieben festgestellt worden. Die Nerze hatten Schwierigkeiten beim Atmen. Es hieß, das Virus sei von Arbeitern auf sie übergesprungen. Die Behörden kamen nach einer ersten Untersuchung Mitte Mai zu dem Schluss, das Übertragungsrisiko vom Tier auf den Menschen sei gleich null. Daraufhin wurde eine Sperrzone rund um die Betriebe wieder aufgehoben – was im Nachhinein als fataler Fehler erscheint. Denn danach meldeten immer mehr Betriebe in den beiden Orten Gemert-Bakel und Laarbeek, wo die meisten Produzenten sitzen, Infektionen.

          Besonders groß wurde der Handlungsdruck, nachdem das Landwirtschaftsministerium Ende Mai von zwei Fällen berichtete, in denen das Virus „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ von den Tieren auf Arbeiter übertragen worden war. Bei zwei Angestellten von Zuchtbetrieben war eine Variante nachgewiesen worden, die auf die Nerze zurückgeführt wurde. Bei zwei weiteren Personen blieb ungewiss, ob sie sich bei einem der Angestellten oder bei den Tieren angesteckt hatten. Die Weltgesundheitsorganisation teilte mit, es könne sich um die „ersten bekannten Fälle“ einer Übertragung des Virus vom Tier auf den Menschen handeln. Wo genau das Virus in der chinesischen Stadt Wuhan seinen Ursprung nahm, wird noch untersucht. Die Niederlande sind nach China, Dänemark und Polen der viertgrößte Nerz-Produzent der Welt. Bisher wurden aus anderen Ländern keine solchen Fälle gemeldet.

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