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Auffällige Verteilung : Täglich 1000 Tote in Brasilien

Der gewerkschaftliche Dachverband Central Unica dos Trabalhadores (CUT) protestierte am Freitag gegen den Umgang von Präsident Bolsonaro mit der Corona-Pandemie. Bild: dpa

Die offizielle Zahl der Infektionen liegt bei mehr als drei Millionen, die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Präsident Jair Bolsonaro zeigt sich unbeeindruckt und macht einen Fernsehsender für die hohe Opferzahl mitverantwortlich.

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          Brasilien hat am Wochenende die Marke von 100.000 Corona-Opfern überschritten. Die Kurve der täglichen Todesfälle ist in den vergangenen Wochen zwar abgeflacht, verharrt jedoch auf dem Niveau von rund tausend Opfern am Tag. Die offizielle Zahl der Infektionen liegt bei mehr als drei Millionen. Allerdings wird von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgegangen. Laut mehreren Studien dürfte die tatsächliche Zahl bei rund 20 Millionen Infektionen liegen, was fast zehn Prozent der Bevölkerung entspricht.

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Auffallend ist die Verteilung der Todesfälle in Brasilien. Ärmere Bevölkerungsschichten sind besonders betroffen, da diese häufiger unter Vorerkrankungen leiden und einen schlechteren Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Hinzu kommt, dass sie die soziale Isolierung aus ökonomischen Gründen weniger strikt einhalten können und trotz der Pandemie zur Arbeit müssen. Personen, die auf den öffentlichen Verkehr angewiesen sind, haben sich weitaus häufiger angesteckt, wie Studien in São Paulo gezeigt haben. Obwohl in vielen Regionen keine Entspannung zu beobachten ist, sind die Isolationsmaßnahmen unter dem ökonomischen und politischen Druck gelockert worden.

          Präsident Jair Bolsonaro, der das Virus seit dem Ausbruch der Pandemie verharmlost, zeigte sich am Wochenende unbeeindruckt von der überschrittenen Marke von 100.000 Toten. Er bedauere jeden Todesfall, unabhängig von der Ursache. Bolsonaro machte zudem den „Lockdown“ und die Berichterstattung des größten Fernsehsenders TV Globo für die hohe Opferzahl verantwortlich. Globo habe beispielsweise von der Anwendung des Malariamittels Hydroxychloroquin abgeraten, sagte Bolsonaro, dabei habe ihm das Medikament das Leben gerettet. Bolsonaro war vor einigen Wochen am Coronavirus erkrankt, zeigte jedoch nur leichte Symptome und ist inzwischen wieder genesen.

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