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Lockerungen angekündigt : Starker Rückgang bei Neuinfektionen in Südafrika

Ein Virologe in einem Labor nordöstlich von Johannesburg Bild: dpa

In Südafrika werden fast alle Ausgangsbeschränkungen aufgehoben. Zuletzt wurden weniger als 1200 Neuinfektionen im Sieben-Tage-Durchschnitt gemeldet. Auf dem Höhepunkt der zweiten Infektionswelle waren es fast 20.000 gewesen.

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          In Südafrika ist die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus seit Wochen gesunken. Daher hat die Regierung nun fast alle Ausgangsbeschränkungen aufgehoben. Wie Staatspräsident Cyril Ramaphosa in einer Ansprache an die Nation am Sonntagabend mitteilte, werden die Lockdown-Regeln von Stufe 3 auf Stufe 1 gesenkt. Damit besteht nur noch eine nächtliche Ausgangssperre zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens. An Versammlungen im Freien dürfen zudem höchstens 250, in größeren Räumen maximal 100 Personen teilnehmen. Beerdigungsfeiern bleiben verboten, auch Nachtclubs sind geschlossen. Das Tragen von Gesichtsmasken in der Öffentlichkeit ist weiter verpflichtend. Wer sich nicht daran hält, begeht eine Straftat.

          Claudia Bröll
          Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.

          Die Lockerung war weithin erwartet worden. Zuletzt wurden nach Angaben des National Institute for Communicable Diseases (NICD) weniger als 1200 Neuinfektionen im Sieben-Tage-Durchschnitt gemeldet. Auf dem Höhepunkt der zweiten Infektionswelle Anfang Januar waren es fast 20.000, vor einem Monat noch rund 4000 Neuinfektionen. Wissenschaftler hatten den schnellen Anstieg zum Jahreswechsel mit dem Auftauchen der neuen Variante B.1.351 erklärt, die in Windeseile das ursprüngliche Virus in Südafrika verdrängt hatte.

          Über die Gründe, weshalb sich die Variante schnell verflüchtigte, wird viel spekuliert. Sie reichen von den Sommertemperaturen bis zum Verbot von Versammlungen und Veranstaltungen. Es sei vermutlich eine Mischung aus relativer Immunität und Verhaltensänderungen, sagte Wolfgang Preiser, Virologe an der Universität Stellenbosch, der F.A.Z.

          Die südafrikanische Regierung hatte auf die erste Infektionswelle im vergangenen Jahr mit einem Lockdown der Stufe5 reagiert und das öffentliche Leben mehrere Wochen lang lahmgelegt. Damals hatte sich das Virus in den ärmeren Vierteln besonders schnell verbreitet. Die zweite Welle hingegen fiel gemäßigter aus. Zwar ist aus Expertensicht noch keine Herdenimmunität erreicht, doch das Virus konnte sich nicht mehr so ungestört ausbreiten wie zuvor.

          Die Rückkehr zu einem relativ normalen Alltagsleben wurde allgemein mit Erleichterung aufgenommen. Ramaphosa warnte jedoch davor, unvorsichtig zu sein. „Die Bedrohung durch eine dritte Welle ist ständig präsent, ebenso wie die Bedrohung durch immer neue Varianten.“

          Vor knapp zwei Wochen waren die ersten Südafrikaner, unter ihnen der Staatspräsident und der Gesundheitsminister, gegen Corona geimpft worden. Kurz zuvor war die Regierung von dem schon bestellten und teils gelieferten Astra-Zeneca-Impfstoff auf den Impfstoff von Johnson & Johnson umgeschwenkt. In einer Studie hatten Forscher eine verminderte Wirksamkeit des Astra-Zeneca-Impfstoffs gegen die neue Variante festgestellt.

          Mittlerweile sind nach Angaben Ramaphosas 67000 Beschäftigte im Gesundheitswesen geimpft worden. Die Regierung habe elf Millionen weitere Dosen des Johnson-&-Johnson-Impfstoffs, 20 Millionen des Pfizer-Biontech-Impfstoffs und zwölf Millionen Dosen über die Covax-Initiative der Weltgesundheitsorganisation bestellt. Man befinde sich in ständigen Gesprächen mit den Herstellerfirmen.

          Afrika hinkt im Wettlauf um die Impfstoffe weit hinterher. Abgesehen von Südafrika haben in einigen Ländern Impfungen begonnen, allerdings in begrenztem Umfang. In der vergangenen Woche bekamen Ghana und die Elfenbeinküste als erste Länder von der Covax-Initiative Impfstoffe, Nigeria und Kenia sollen folgen. Die unter anderen von Deutschland und den Vereinigten Staaten mitgetragene Initiative soll die massive Ungleichheit zwischen den reichen Industrieländern und den armen Schwellen- und Entwicklungsländern bei den Corona-Impfungen verringern.

          Ghanas Präsident, der 76 Jahre alte Nana Akufo-Addo, war am Montag der erste Mensch, der mit einem Impfstoff der Initiative immunisiert wurde. Bis Jahresende will Covax 2,3 Milliarden Dosen ausliefern. Das reicht jedoch nur, um ein Fünftel der Bevölkerung in den teilnehmenden Ländern zu impfen.

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