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In Südafrika : Verkauf von Tabak soll verboten bleiben

Johannesburg: Ein medizinischer Mitarbeiter testet einen Bewohner des Townships Alexandra auf Corona Bild: dpa

Bier, Schnaps und Wein sollen in Südafrika bald wieder erhältlich sein. Wissenschaftler rechnen unterdessen damit, dass alleine in Südafrika mehr als 300.000 Menschen „an den Folgen der Armut zusätzlich zu Tode kommen werden“.

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          Seit zwei Monaten leiden 56 Millionen Südafrikaner unter einer der strengsten Ausgansgssperren, die aus Angst vor dem Coronavirus weltweit verhängt wurden. Sogar der Verkauf von Alkohol und Zigaretten ist derzeit untersagt. Nun hat Staatspräsident Cyril Ramaphosa angekündigt, zumindest den Alkoholverkauf teilweise wieder zuzulassen.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          In einer Fernsehansprache teilte er am Sonntagabend mit, dass Bier, Schnaps oder Wein ab dem ersten Juni zu bestimmten Uhrzeiten und an bestimmten Wochentagen wieder erhältlich sein sollen. Bars sollen allerdings weiterhin geschlossen bleiben müssen, Restaurants werden Speisen nur zum Mitnehmen anbieten dürfen.

          Durch die harten Maßnahmen im Kampf gegen Covid-19 droht vielen afrikanischen Ländern eine dramatische Zunahme von Hunger und anderen Krankheiten. Wissenschaftler wie der südafrikanische Ökonom Dawie Roodt rechnen alleine in Südafrika mit mehr als 300.000 Toten, die „an den Folgen der Armut zusätzlich zu Tode kommen werden“. Bei Essensausgaben bilden sich mittlerweile kilometerlange Menschenschlangen. Um seine umstrittene Politik durchzusetzen, mobilisierte Ramaphosa mehr als 70.000 Soldaten.

          An der Weinindustrie hingen fast 300.000 Arbeitsplätze

          Besonders hart traf der Furor der Regierung die Tabak- und Weinindustrie. Zeitweise war sogar der Export von Alkohol verboten. „Durch den Lockdown verliert die Weinindustrie derzeit Woche für Woche rund 500 Millionen Rand, umgerechnet rund 26 Millionen Euro, an Einnahmen“, klagt Maryna Calow vom Berufsverband „Wines of South Africa“. An der Weinindustrie hingen direkt oder indirekt fast 300.000 Arbeitsplätze. Viele Weingüter lebten zudem von Touristen, die weiterhin nicht einreisen dürfen und würden die Krise nicht überstehen, so Calow.

          In Zukunft verboten bleiben soll der Verkauf von Tabak. Zigaretten werden derzeit hauptsächlich aus Nachbarländern wie Zimbabwe ins Land geschmuggelt. Unverständnis über die „vernunftlose“ Politik der Regierung äußerten erst vor kurzem die südafrikanischen Bischöfe. „Die Ordnungskräfte griffen auf unnötige, harte und oft gesetzeswidrige Taktiken zurück und behandelten die Bevölkerung als Feind“, erklärte das bischöfliche Parlamentsbüro in einem Brandbrief.

          Nun hat die zuletzt immer stärker unter Druck geratene Regierung reagiert. Ab dem ersten Juni sollen auch andere Industriezweige wieder öffnen und Geschäfte, Schulen und Universitäten ihren Betrieb aufnehmen. Die nächtliche Ausgangssperre wird aufgehoben, und Menschen dürften sich zu jeder Tageszeit wieder auf der Straße sportlich betätigen. Derzeit ist das nur zwischen sechs und neun Uhr morgens erlaubt. Allerdings drohte Ramaphosas den Einwohnern sogenannter Hotspots wie Johannesburg und Kapstadt damit, die Lockerungen wieder rückgängig zu machen, sollte sich die Corona-Lage dort verschärfen. Laut John-Hopkins-University starben in Südafrika bislang 429 Menschen, bei denen Sars-CoV-2 nachgewiesen werden konnte.

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