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Ansturm auf Spirituosenhändler : Südafrika hebt Verbot von Alkohol auf

Schlange vor einem Spirituosenladen in Johannesburg am Montag Bild: dpa

Das Ende März in Südafrika verhängte Alkoholverkaufsverbot ist Geschichte. Schon um sechs Uhr morgens standen Kunden am Montag vor den „Liquor Stores“. Manche hatten ihre Laptops zum Arbeiten dabei.

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          Einen solchen Ansturm haben Südafrikas Wein- und Spirituosenhändler selten erlebt. Schon um sechs Uhr morgens standen Kunden geduldig mit Gesichtsmasken und im Abstand von 1,5 Metern voneinander entfernt vor den „Liquor Stores“. Er sei so früh gekommen, weil er mit langen Wartezeiten gerechnet habe, sagte ein Kunde. Eine andere hatte ihren Laptop zum Arbeiten mitgebracht. Online-Händler hatten von Massenbestellungen berichtet.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Das Ende März in Südafrika verhängte Alkoholverkaufsverbot war eine der umstrittensten Regeln in der Corona-Krise. Der Nationale Coronavirus-Kommandorat hatte es mit der dringend benötigten Entlastung der Krankenhäuser begründet. Außerdem sollte geselliges Miteinander insbesondere in den ärmeren, dicht besiedelten Gegenden unterbunden werden. Es regte sich lauter Protest. Auch Wissenschaftler sowie die Wein- und Spirituosenindustrie bezweifelten, dass das Verbot seinen Zweck erfülle. Der Branche brach nicht nur das inländische Geschäft weg. Bis Anfang Mai war auch der Export alkoholischer Getränke verboten.

          Das Verbot hatte teils skurrile Folgen nach sich gezogen. So verdreifachte sich der Preis für Ananas, weil sich die Früchte zum Bierbrauen eignen. Auch Hefe war in vielen Geschäften ausverkauft. In den Townships erlebten traditionelle Getränke wie selbst gebrautes Umqombothi-Bier eine Renaissance. Der Handel auf dem Schwarzmarkt florierte.

          Südafrikas Regierung hatte in der Corona-Krise äußerst strikte Ausgangssperren verhängt. Bis zum Sonntag war Joggen nur morgens zwischen sechs und neun Uhr erlaubt, anfangs war sogar das Gassi-Gehen mit Hunden untersagt. Am Montag nun wurden weitere Regeln gelockert. So kehrten etwa acht Millionen Menschen an ihre Arbeitsplätze zurück, alle Geschäfte dürfen wieder öffnen. Restaurants, Hotels, Theater und Friseure aber bleiben geschlossen. Auch die Öffnung der Schulen für einzelne Klassenstufen wurde von der Bildungsministerin in letzter Minute zurückgezogen, weil viele Schulen nicht vorbereitet seien. Zigaretten dürfen weiterhin nicht verkauft werden.

          In Südafrika wurden bisher knapp 33.000 Infektionen gemeldet und knapp 700 Todesfälle. Mediziner erwarten den Höhepunkt der Epidemie Ende Juli bis Anfang September. Die Wirtschaft wird wegen der Corona-Krise in eine tiefe Rezession stürzen, Millionen Menschen werden vermutlich ihre Arbeit verlieren.

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