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Kampf gegen das Coronavirus : Spanien greift durch

Madrid: Hamsterkäufe erfassen nun auch die Iberische Halbinsel. Bild: dpa

Schulen, Universitäten und Kitas bleiben in Spanien wegen des Coronavirus geschlossen. Vor allem in der Hauptstadt Madrid gibt es viele Infizierte. Die Krankenhäuser sind schon jetzt überlastet.

          3 Min.

          Spanien greift mit aller Härte gegen das Coronavirus durch. Bis zum Montag hoffte die Regierung noch darauf, das Virus durch Vorsichtsmaßnahmen eindämmen zu können und gleichzeitig keine Panik aufkommen zu lassen. Doch dann schoss die Zahl der Neuinfizierten in die Höhe: Innerhalb von 24 Stunden verdreifachte sich in der autonomen Region Madrid, zu der auch die spanische Hauptstadt gehört.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Am Mittwochnachmittag betrug sie 782. Das ist fast die Hälfte der insgesamt 1648 positiv getesteten Spanier – im Vergleich zum Vortag bedeutet das eine Zunahme um 40 Prozent. Bisher starben 35 Menschen. Damit ist die Zahl der Infizierten und am Coronavirus gestorbenen Personen höher als in Deutschland.

          Die Gesundheitsbehörden mussten eingestehen, dass in Madrid, der Rioja-Region und der baskischen Stadt Vitoria die Ausbreitung des Erregers außer Kontrolle geraten sei. Von „Risikogebieten“ will man bisher nicht sprechen, stattdessen ist von „verstärkter Eindämmung“ in den Regionen die Rede. Auf einmal greifen die Behörden zu Maßnahmen, die sie bis vor kurzem noch für unnötig gehalten hatten.

          So bleiben von diesem Mittwoch an in der gesamten Region Madrid Kindergärten, Schulen und Universitäten für mindestens zwei Wochen geschlossen. Mehr als 1,2 Millionen Schüler und Studenten müssen zuhause bleiben. Auch die Region Rioja schließt alle ihre Bildungseinrichtungen. In Madrid kam es nach der Ankündigung zu Hamsterkäufen in Supermärkten.

          Krankenhäuser in Madrid überlastet

          In Madrid forderte die Regionalregierung Unternehmen auf, ihre Mitarbeiter zuhause arbeiten zu lassen sowie auf Sitzungen und Geschäftsreisen zu verzichten, wenn das möglich ist. Madrid ist neben Barcelona der Wirtschaftsmotor Spaniens. In der Region stellten zudem mehrere Rathäuser ihren Betrieb ein.

          Sowohl das nationale Parlament als auch fast alle Regionalversammlungen setzten ihre Sitzungen aus. Zuvor war bekannt geworden, dass der Vox-Abgeordnete Javier Ortega Smith positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Die Ciudadanos- und die Podemos-Partei sagte ihre für März geplanten Parteitage ab.

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          Die Krankenhäuser in Madrid sind bereits überlastet. Das liegt unter anderem daran, dass die Bevölkerung der Hauptstadt in den vergangenen Jahren um mehr als eine halbe Millionen Menschen wuchs, während im Gesundheitswesen mehr als 3000 Arbeitsplätze abgebaut wurden. In Madrid hatte sich das Virus zunächst besonders schnell in Senioreneinrichtungen ausgebreitet. Alle Tagesstätten wurden daraufhin für einen Monat geschlossen.

          Am Dienstagnachmittag verband Gesundheitsminister Salvador Illa die Ankündigung weiterer Einschränkungen mit einem eindringlichen Appell. „Wir bitten die Menschen, weder innerhalb Spaniens noch ins Ausland zu reisen. Es sei denn, es ist unerlässlich.“ Nach Italien kann man von Spanien aus vorerst nur noch auf dem Landweg reisen. Alle Flüge dorthin werden ausgesetzt. Ähnlich wie Italien, in dem sich viele Spanier infiziert haben, ist auch Spanien stark vom Tourismus abhängig. Mit Blick auf die zu Ostern beginnende Saison wachsen in Spanien die Sorgen. Reisebüros berichten von Reservierungsrückgängen von bis zu 50 Prozent. Im vergangenen Jahr reisten fast 84 Millionen Ausländer in das Land.

          Auswirkungen auf Sport und Freizeit

          Restriktionen gibt es auch beim Sport. Alle nationalen und internationalen Sportveranstaltungen werden von Dienstag an ohne Publikum ausgetragen. In den drei Gebieten mit besonders hohem Übertragungsrisiko werden alle Aktivitäten in geschlossenen Räumen mit mehr als tausend Personen ausgesetzt.

          Noch am Wochenende hatten es die Behörden nicht für nötig gehalten, die Demonstrationen zum Weltfrauentag abzusagen. In zahlreichen Städten gingen Hunderttausende auf die Straßen. In der Küstenstadt Valencia finden seit Tagen die „Fallas“ statt. Zu dem Fest, das den Beginn des Frühlings markiert, kamen in früheren Jahren bis zu eine Million Menschen.

          Neben Madrid bilden die relativ dünn besiedelte Rioja-Region – mit aktuell mehr als Infektionen – und die baskische Stadt Vitoria zwei weitere Infektionsschwerpunkte. Sie gehen zum Teil auf eine Beerdigung vor gut zwei Wochen. Nach den jüngsten Angaben infizierten sich zunächst Trauergäste untereinander, die dann mehr als 150 weitere Personen in anderen Regionen ansteckten. In Vitoria und Labastida wurden schon am Montag die Schulen geschlossen, bevor am Dienstag auch die gesamte Rioja-Region nachzog. In Teilen von der Kleinstadt Haro überwacht die Polizei seit dem Wochenende die Einhaltung der Quarantäne.

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