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Baden in Spanien : Mit dem QR-Code an den Strand

Meer davon: Auch an der Cala en Porter an der Südküste der Insel Menorca darf jetzt wieder von einer Zeit nach der Corona-Krise geträumt werden. Bild: EPA

Auch in Spanien lockert jede Region anders. Das Baden im Meer ist mancherorts wieder erlaubt. Aber gilt das auch für Touristen?

          3 Min.

          Es ist eine ganz neue Erfahrung. Der Sommer kommt, aber die spanischen Strände gehören erst einmal den Einheimischen – und auch das nicht überall. Der mehrstufige Lockerungsplan der Regierung hat eine bunte Landkarte geschaffen. Nur ein Teil des Landes rückte am Montag schon in die zweite Phase auf, die das Baden wieder erlaubt. Bis dahin waren zum Beispiel auf Mallorca nur Strandspaziergänge möglich. Auf den Balearen, den Kanaren und an der andalusischen Küste können sich die Einwohner im Meer abkühlen und haben dabei ungewohnt viel Platz. Denn auswärtige Badegäste dürfen in den nächsten Wochen weiterhin nicht anreisen, weder aus dem Landesinneren, noch aus dem Ausland. Erst Ende Juni soll die „neue Normalität“ erreicht sein, die den Spaniern die Reisefreiheit in ihrem eigenen Land zurückbringt.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Für Juli macht der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez auch ausländischen Touristen Hoffnungen. Seine Regierung verhandele über bilaterale Abkommen mit Ländern wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien über eine Rückkehr der Urlauber, heißt es aus dem spanischen Außenministerium. Die Zeit ist wohl zu knapp, um eine gemeinsame Lösung in der Europäischen Union für die Öffnung der Grenzen zu finden.

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          Den örtlichen Behörden kommt die Ruhe vor dem sommerlichen Ansturm nicht ungelegen. Sie können mit weniger Badenden ausprobieren, wie sie die neuen Vorschriften des Gesundheitsministeriums in die Tat umsetzen. Die Vorgaben wirken angesichts des lebenslustigen Gedränges früherer Jahre fast schon weltfremd. Nicht das Wasser ist dabei der gefährliche Faktor, sondern die Nähe unter den Badegästen. Die kombinierte Wirkung von salzigem Meerwasser, ultravioletter Sonnenstrahlung und der hohen Temperatur sei günstig für die Deaktivierung von Krankheitserregern.

          Wichtig ist der Abstand zwischen den Menschen. Die Regierung empfiehlt mindestens vier Meter zwischen den Sonnenschirmen und zwei Meter zwischen den Liegen. Am Wasser soll ein breiter Streifen für Spaziergänger frei bleiben. Dem Gesundheitsministerium bereitet auch die starke Meeresbrise Sorgen, die Luftpartikel weit verbreiten und so das Infektionsrisiko erhöhen könnte. Für Trennwände aus Plexiglas, wie sie in Italien eingesetzt werden, kann man sich in Spanien bisher nicht begeistern.

          Weniger Liegen und Sonnenschirme

          Klar ist, dass der Zugang überall stark eingeschränkt und die Zahl der Aufseher erhöht wird. Das bedeutet weniger Liegen und Sonnenschirme. In Sóller auf Mallorca plant man vorerst nur mit 40 Prozent der Liegen im Vergleich zur Saison des vergangenen Jahres, wie die „Mallorca-Zeitung“ berichtet. Die Toiletten am Strand sollen nach jeder Nutzung desinfiziert werden. An anderen Stränden will man sicherheitshalber die Duschen abbauen. Um das Abstandsgebot einzuhalten, experimentiert man in Andalusien mit einer Walze, mit der ein Traktor entsprechende Parzellen in den Sand prägt. Am Strand von Canet d’en Berenguer in der Provinz Valencia grenzen Bänder entsprechende Quadrate ab, die sich für den Vormittag oder den Nachmittag online reservieren lassen. Als eine Art Eintrittskarte kommt dann ein QR-Code mit der genauen Ortsangabe auf das Mobiltelefon. In Vigo im Norden Spaniens soll es Liegebereiche für bis zu sechs Badegäste geben. Laut den neuen Vorschriften dürfen Gruppen aus höchstens 15 Personen bestehen. Das bedeutet auch eine neue Herausforderung für die Chiringuitos – die Strandbars dürfen wieder öffnen, aber nur, wenn sie ausreichend Abstand sicherstellen.

          Wer im Landesinneren lebt, muss trotz der sommerlichen Temperaturen noch auf Erfrischung warten. Für Binnengewässer mit geringer Strömung empfiehlt das Ministerium, in dieser Saison auf das Baden ganz zu verzichten. In Madrid, das es am Montag nur in die erste Phase geschafft hatte, zeichnete sich für die Bewohner ein kleiner Lichtblick ab. Die Stadtverwaltung wollte endlich wieder die Playa de Madrid öffnen. Der Stadtstrand ohne Sand und Wellen besteht aus einem Dutzend Springbrunnen und mehreren Liegewiesen. „Madrid Río“ heißt die Parklandschaft am Ufer des Manzanares-Flusses, die seit dem Beginn der Ausgangsbeschränkungen wie die anderen großen Parks geschlossen war. Das richtige Meer liegt für die Bewohner der Hauptstadt-Region weiter in unerreichbarer Ferne. Sie dürfen in den nächsten Wochen nicht einmal die Grenzen ihrer Provinz überschreiten. Ein Wochenende an die Playa de Palma bleibt für sie vorerst ebenso ein Traum wie für deutsche Mallorca-Fans.

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