https://www.faz.net/-guw-aeb0f

Impf-Bereitschaft : Spahn: Jeder fünfte Jugendliche mit erster Corona-Impfung

  • Aktualisiert am

Ein Mann wird im mobilen Impfzentrum vor einer russisch-orthodoxen Kirche in Berlin gegen das Coronavirus geimpft. Bild: dpa

Bereits 900.000 Jugendliche haben sich laut Jens Spahn bereits einmal impfen lassen. Derweil diskutieren Forscher und Politiker unterschiedliche Anreize für Impf-Skeptiker.

          2 Min.

          Jeder fünfte Jugendliche in Deutschland zwischen 12 und 17 Jahren hat mittlerweile eine erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Das twitterte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Samstag. In absoluten Zahlen sind es 900.000.

          Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte im Mai den Covid-19-Impfstoff von BioNTech/Pfizer für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen, vor wenigen Tagen folgte auch die Freigabe für Moderna. Für Deutschland empfiehlt die STIKO die Impfung bisher jedoch nur Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Vorerkrankungen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Als Gründe nannte die STIKO fehlende Daten zur Sicherheit des Impfstoffs.

          Von der Gesamtbevölkerung in Deutschland sind nach Spahns Angaben mittlerweile 61,6 Prozent (51,2 Millionen Menschen) einmal geimpft, 52 Prozent (43,2 Millionen) vollständig.

          Mehr Werbung und positive Anreize für Impfung

          Derweil fordern Politiker und Forscher mehr Werbung und positive Anreize, um Skeptiker für eine Corona-Impfung zu gewinnen. Die bisherige Kampagne der Bundesregierung reiche nicht aus, sagte der Fraktionsgeschäftsführer der Linkspartei im Deutschen Bundestag, Jan Korte, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Die Bundesregierung hat zu wenig getan, um das Impfen gegen COVID-19 zu einer Selbstverständlichkeit zu machen“, heißt es in einem Konzeptpapier Kortes für einen „Impfsommer 2021“, das dem RND vorliegt.

          Der Linken-Politiker fordert darin die Regierung auf, gesellschaftliche Akteure wie Gewerkschaften, Sportverbände und Glaubensgemeinschaften, aber auch Clubs und Kultureinrichtungen in eine gemeinsame Impfkampagne mit einzubeziehen. „Es muss darum gehen, die Leute für eine Impfung zu gewinnen, die sich nicht ausreichend informiert fühlen und Ängste haben, die man ihnen nehmen kann.“

          Der Zentralrat der Muslime in Deutschland unterstrich, zwei Drittel der Moscheegemeinden in Deutschland böten vor allem an Wochenenden Impfaktionen an. „Die Resonanz, auch in der nichtmuslimischen Nachbarschaft der Gotteshäuser, ist hoch“, sagte der Vorsitzende, Aiman A. Mazyek, dem RND. Zugleich rief er die Muslime auf, sich impfen zu lassen.

          Impfpartys oder finanzielle Anreize?

          Der Göttinger Angstforscher Borwin Bandelow hält eine gezielte Werbung für sinnvoll, um Unentschlossene für eine Corona-Impfung zu gewinnen. „Jetzt muss – wie in der Fernsehwerbung – das Belohnungssystem der Menschen angesprochen werden“, sagte er der Bild-Zeitung (Samstag). „Warum keine Impf-Partys veranstalten, bei denen eine tolle Band spielt, wo es vielleicht eine Lotterie und Grillwürstchen gibt?“

          Die Karlsruher Wirtschaftswissenschaftlerin Nora Szech plädiert dagegen für eine finanzielle Zahlung an Geimpfte. Sie glaube nicht, dass niedrigschwellige Impfangebote und Informationskampagnen ausreichen, um mehr Menschen zum Impfen zu motivieren, sagte die Ökonomin des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) dem RND. „Das hat in keinem Land ausgereicht.“

          Szech fordert stattdessen, dass Menschen Geld für die Impfung bekommen sollten. „In unseren Studien steigt die Impfbereitschaft von knapp 70 Prozent ohne Impfbonus Richtung 80 Prozent, wenn 100 Euro gezahlt werden. Für 500 Euro geht die Impfbereitschaft sogar Richtung 90 Prozent.“

          Auch der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, rief eindringlich zum Impfen auf. „In der Tat sind wir momentan in einem Wettlauf zwischen Impfdurchdringung und neuen Virusvarianten. Es ist ja nicht gesagt, dass Delta die letzte ist“, sagte Russwurm im Interview der Woche im Deutschlandfunk (Sonntag): „Und der einzige Weg, der für mich plausibel erscheint - und ich habe auch noch keinen anderen Vorschlag von Wissenschaftlern gehört - ist: impfen, impfen, impfen.“ Er sei allerdings kein Fan vom Schlagwort Impfpflicht, fügte Russwurm hinzu.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          2005 bis 2021 : Merkel, Kanzlerin der Krisen

          Die Leistungen eines Kanzlers zeigen sich in den Krisen, die er zu bewältigen hatte. Das hat die scheidende Regierungschefin einmal gesagt. Daran muss sie sich messen lassen. Eine Bilanz.
          Die AfD-Spitzenkandidaten Alice Weidel und Tino Chrupalla im August in Schwerin.

          Machtkampf in der AfD : Geht Weidel, kommt Höcke?

          Um die AfD war es im Wahlkampf ziemlich still. Der Machtkampf in der Partei ist ausgesetzt. Welche Richtung sie nimmt, entscheidet sich kurz nach der Bundestagswahl.
          Eine Projektionsfigur: Saskia Esken

          Der Fall Saskia Esken : Was diese Frau so alles betreibt

          Wenn sie nicht im Fernsehen redet, versteckt sie sich. Wenn sie redet, verstellt sie sich. Saskia Esken dient ihren Gegnern im Wahlkampf als Unperson, die für jede Projektion gut ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.