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Gesundheitsminister Spahn : Bürger können Impfstoff nicht auswählen

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Gesundheitsminister Jens Spahn Bild: AP

Wer wird wann womit geimpft? Zwei Stunden lang haben Gesundheitsminister Spahn, RKI-Präsident Wieler und der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission Mertens Fragen zum Thema beantwortet.

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          Wer vom Staat eine Impfung gegen Covid-19 angeboten bekommt, wird sich den verabreichten Impfstoff vorerst nicht aussuchen können. Eine solche Auswahl zu treffen, sei aufgrund der derzeit noch herrschenden Knappheit „im Moment und auch absehbar“ nicht möglich, betonte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Samstag in einer Online-Diskussionsrunde.

          Zu Berichten über überschüssigen, bereits aus der Kühlung genommenen Impfstoff an einzelnen Standorten sagte der Minister, an der festgelegten Priorisierung bestimmter Gruppen müsse unbedingt festgehalten werden. Dennoch müsse im konkreten Fall auch pragmatisch entschieden werden – beispielsweise könnten dann Mitglieder des Impfteams das Vakzin erhalten. „Im Zweifel ist alles besser als etwas wegwerfen“, sagte Spahn.

          Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, sagte, die beiden bislang in Europa zugelassenen Impfstoffe der Firmen Biontech und Moderna seien „äquivalent in Wirksamkeit und Sicherheit“. Es sei jetzt noch zu früh, um entsprechende Aussagen für weitere Impfstoffe zu treffen, bei denen das Zulassungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei.

          Um einen ausreichenden Schutz vor Covid-19 zu gewährleisten, muss der Impfstoff nach Angaben der Experten zweimal verabreicht werden – mit einem Abstand von mindestens drei (bei Biontech) bis vier (Moderna) Wochen. Andernfalls droht laut Mertens nicht nur ein zu schwacher Schutz für den Betroffenen. Es bestehe auch die Sorge, dass dadurch die Entstehung von Mutationen des Virus, die gegen den Impfstoff immun seien, begünstigt werden könnten.

          Auf die Frage, ob es möglich wäre, einer Person Impfstoffe verschiedener Hersteller zu verabreichen, sagte Mertens, dies sei auch bei Impfstoffen, die auf einem gleichen Wirkprinzip basierten, „auf keinen Fall“ möglich. Denn dazu gebe es bislang „Null Daten“.

          Laut Spahn wurden seit dem Impfstart in Deutschland Ende Dezember über eine halbe Million Menschen ein erstes Mal gegen Covid-19 geimpft. Kritikern, die über den schleppenden Start der Impfkampagne klagen und dies mit den aktuell geltenden Kontaktbeschränkungen verknüpfen, hielt er entgegen: „Das Impfen jetzt würde nicht den Lockdown jetzt unnötig gemacht haben.“ Das zeige die Lage in Israel und Großbritannien, wo jeweils bereits ein größerer Anteil der Bevölkerung geimpft wurde. Doch gerade unter Pflegepersonal in Deutschland gibt es offenbar viele Impfskeptiker. In manchen deutschen Pflegeheimen lässt sich nur jeder dritte Mitarbeiter impfen. In anderen Einrichtungen sind die Zahlen besser, doch es regt sich Unmut. Lesen Sie die Hintergründe hier.

          Bei einem Probelauf in einem Impfzentrum widerspricht die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Samstagabend Spahns Ankündigung, dass sich vorerst niemand seinen Impfstoff aussuchen könnte: „Der Bürger, die Bürgerin sollen die Freiheit haben, sich entscheiden zu können, mit welchen Impfstoff sie geimpft werden wollen“, sagte sie einem Bericht der RBB-Abendschau zufolge. In Berlin ist demnach geplant, in dem bereits geöffneten Impfzentrum in der Arena in Treptow das Vakzin des Mainzer Unternehmen Biontech und seines Partners Pfizer zu impfen.  Im Erika-Hess-Eisstadion im Wedding, das am kommenden Donnerstag öffnen soll, solle der Moderna-Impfstoff verabreicht werden.

          Masken, Abstand und andere Schutzmaßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus müssen nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) trotz des Impfstarts unbedingt weiter beachtet werden. Das zeige ein Blick auf die Zahl der mit dem Virus infizierten Menschen, die täglich sterben, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Deutschland sei immer noch in einer „schwierigen Situation“.

          Angesichts der bislang eher niedrigen Bereitschaft des medizinischen Personals, sich impfen zu lassen, rief Wieler dringend dazu auf, alle Informationsangebote der staatlichen Gesundheitsbehörden zu nutzen und im Zweifel dort auch nachzufragen. „Ich höre immer wieder, dass manche Pflegekräfte befürchten, dass sie unfruchtbar werden von Impfungen. Das ist einfach eine Falschmeldung.“

          Aktuell werden vor allem Hochbetagte sowie Bewohner und Mitarbeiter von Alten- und Pflegeheimen sowie medizinisches Personal mit besonders hohem Risiko geimpft. In der zweiten Gruppe kommen unter anderem Menschen im Alter zwischen 70 und 79 Jahren an die Reihe.

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