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Impfungen in der Gastronomie : Und was ist mit denen, die uns bedienen?

Kellnerin bedient im Außenbereich eines Cafés mit FFP2-Maske. Bild: dpa

In Deutschland treten vereinzelt Lockerungen in Kraft, Menschen können wieder in Biergärten oder Cafés. Hygiene- und Impfregeln aber richten sich vor allem an Gäste. Was ist mit den Kellnern?

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Vorsichtig kommt das alte Leben zurück: Leute sitzen draußen, und Kellner servieren ihnen Drinks. Zum Beispiel an der Strandpromenade auf Norderney. Da prosteten sich am Montag wieder Tagesausflüglerinnen mit Aperol Spritz zu. Und in Bayern locken die Biergärten.

          So wie früher ist es jetzt freilich noch nicht. In manchen Bundesländern bleiben die Gaststätten weiter geschlossen. Dort ist die Inzidenz zu hoch, oder, wie etwa in Berlin, noch nicht lange genug niedrig genug. Da, wo die Terrassen geöffnet sind, darf aber auch nicht jeder einfach Platz nehmen. In der Regel heißt es: negativen Test vorzeigen, bitte! Oder: nachweisen, dass man geimpft oder genesen ist.

          Allerdings gelten die strengen Regeln in der Gastronomie für eine Gruppe nicht: für die, die dort arbeiten. Kellner, Köche oder Spülhilfen müssen sich nicht täglich testen lassen. Und geimpft sind die meisten von ihnen noch lange nicht.

          Andere sind früher dran. Zum Beispiel die Verkäufer im Einzelhandel. Sie gehören zu Gruppe 3, und die ist jetzt an der Reihe. Aber die Kellner eben nicht, ebenso wenig wie die Angestellten in Hotels. Auch die warten größtenteils noch auf ihre Impfung, obwohl etwa Bayern angekündigt hat, pünktlich zum Beginn der Pfingstferien wieder Tourismus zuzulassen. Wo die Zahlen stabil unter 100 liegen, sollen Hotels öffnen dürfen. Auch an der Nordsee übernachten schon wieder Urlauber im Hotel. Eigentlich gut, meint der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Guido Zeitler, im Gespräch mit der F.A.Z. Doch die Diskussion über Öffnungen werde hauptsächlich aus Sicht der Gäste geführt. „Über die Beschäftigten redet kaum jemand.“

          Zeitler fordert, die Beschäftigten in Hotels und Gaststätten beim Impfen vorzuziehen – gerade in den Ländern, die übers Öffnen reden oder schon aufmachen. Sie müssten in Gruppe 3 vorrücken. „Sie verdienen möglichst gute Absicherung. Gerade weil sie so gefährdet sind durch den vielen Kontakt zu Kunden.“ Zwar seien die Kunden geprüft; aber erstens sei damit Ansteckung nicht ausgeschlossen, und zweitens gehe es auch um die Fahrt zur Arbeit in der U-Bahn oder die Pause mit Kollegen.

          Ebenso sieht es der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband. Aber auch der Präsident des Verbandes Deutscher Badeärzte, Arno Wenemoser, findet es zwingend. Er vertritt die Ärzte, die in deutschen Heilbädern und Kurorten tätig sind. Wenemoser sagt, es sei nur logisch, die Angestellten in Hotels und Gastronomie möglichst bald zu impfen. Das würde den Gästen die größtmögliche Sicherheit geben. Das Argument, dass die Angestellten sich ja testen lassen könnten, lässt Wenemoser nicht gelten. Da werde Sicherheit vorgegaukelt. Gewerkschaftler Zeitler weist darauf hin, dass Tests voraussetzten, dass die Angestellten sich auch testen lassen wollten. „Wenn ein Kellner kein Wattestäbchen in die Nase will, dann arbeitet er ungetestet.“ Zwar verpflichtet etwa Sachsen alle Beschäftigten, die Kunden treffen, sich zumindest zweimal pro Woche testen zu lassen. Andere Bundesländer verzichten auf eine solche Vorschrift.

          Bundespolitiker sehen das Problem. Doch was ist die richtige Lösung? Matthias Bartke von der SPD ist Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit und Soziales im Bundestag. „Ich halte eine Hochstufung von Beschäftigten der Gastronomiebranche in der Impfreihenfolge für richtig“, sagt er der F.A.Z. Wenn diese Menschen schnell drankämen, würde das der Branche helfen. Im Übrigen mute es auch seltsam an, wenn für die Gäste von Restaurants und Cafés ganz andere Sicherheitsregeln gälten als für die Angestellten.

          Der CDU-Abgeordnete Peter Weiß, Vorsitzender des Arbeitskreises Arbeit und Soziales der Unionsfraktion, sieht die Sache anders. Er findet, es bringe nichts, jetzt noch die Impfreihenfolge zu ändern. Sie werde ja ohnehin bald aufgehoben. Und der Impfstoff von AstraZeneca sei schon für alle freigegeben. Dem hält Gewerkschaftler Zeitler entgegen, dass aber noch längst nicht jeder bald einen Termin bekomme. Und selbst wenn: Geöffnet wird schon jetzt. Bis die Angestellten in Gaststätten und Hotels die erste und die zweite Impfung hätten, werde es noch Monate dauern. Es sind deutschlandweit mehr als zwei Millionen, die in der Branche arbeiten. „Kaum jemand wird rechtzeitig den vollständigen Impfschutz haben.“

          Das ärgert auch den Arzt Michael Hubmann. Er leitet das Impfzentrum Fürth – und hat für Samstag zu einer Solidaritätsaktion dorthin eingeladen. 30 Ärzte werden dann bevorzugt Kellner, Köche und andere Angestellte aus der Gastronomie impfen. „Die sind bei der Planung der Priorisierungsgruppen hinten runtergefallen“, meint Hubmann. Denn damals sei es das oberste Ziel gewesen, die Sterberate zu senken. Es gehe jetzt mehr und mehr darum, das gesellschaftliche Leben wieder anzukurbeln. „Der geschützte Gast trifft auf den ungeschützten Wirt – da stimmt was nicht.“ Ein Jahr lang hätten sich jetzt alle über Essen zum Mitnehmen gefreut und dem Tag entgegengefiebert, an dem die Gaststätten wieder öffneten. Da dürfe man nicht wegschauen, wenn es um die Sicherheit der Beschäftigten gehe.

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