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In Singapur : Todesurteil via Zoom

Zoom-Gründer Eric Yuan: Für Todesurteile ist die App eigentlich nicht gedacht. Bild: Reuters

In Singapur werden weiter harte Strafen für Drogendelikte verhängt. Jetzt ist zum ersten Mal ein Mann über die Online-Plattform Zoom zum Tode verurteilt worden.

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          In der Corona-Pandemie gehören Online-Konferenzen mittlerweile zum Alltag. Menschen erfahren auf diesem Weg vom Verlust ihres Arbeitsplatzes, dem Ende ihrer Beziehung oder geben sich das Ja-Wort. In dem für seine strengen Gesetze bekannten Stadtstaat Singapur wurde nun zum ersten Mal ein Mann über die Online-Plattform Zoom zum Tode verurteilt. Wie die Zeitung „Straits Times“ berichtete, war der Malaysier für seine Rolle beim Schmuggel von insgesamt 28,5 Kilogramm Heroin verurteilt worden. Der 37 Jahre alte Mann soll im Jahr 2011 zwei Drogenkuriere miteinander bekannt gemacht haben. Das Urteil war schon am vergangenen Freitag gefällt worden. Doch erst jetzt hat es aufgrund der Methode in den sozialen Medien größere Aufmerksamkeit bekommen. 

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Laut Gericht war es die erste Urteilsverkündung dieser Art in Singapur. Wegen der Pandemie sei das Verfahren „zur Sicherheit aller Beteiligten“ per Videokonferenz durchgeführt worden, wie das Gericht der Agentur Reuters mitteilte. Den Angaben zufolge bestätigte der Anwalt des Verurteilten, dass dabei die Online-Plattform genutzt worden sei, die seit dem Beginn weltweit verhängter Ausgangssperren besonders an Bekanntheit gewonnen hat. Die Art der Urteilsverkündung zieht wie auch das Beharren auf der Todesstrafe selbst die Kritik von Menschenrechtlern auf sich. „Der Einsatz der Todesstrafe in Singapur ist an sich schon grausam und unmenschlich, und die Nutzung von Online-Technologie wie Zoom, um einen Mann zum Tode zu verurteilen, macht es noch schlimmer“, sagte Phil Robertson, Vize-Asien-Direktor von Human Rights Watch.

          In dem südostasiatischen Stadtstaat gelten seit sechs Wochen verschärfte Abstands- und Sicherheitsmaßnahmen. Nachdem Singapur anfänglich für seine Erfolge bei der Eindämmung der Epidemie viel Lob bekommen hatte, haben die Infektionszahlen in den vergangen Wochen sprunghaft zugelegt. Mit mehr als 28.000 hat Singapur nun sogar die höchste Zahl an nachgewiesenen Infektionen in Südostasien. Die Mehrheit der Erkrankten sind Gastarbeiter, die aus Bangladesch und Indien stammen und in beengten Unterkünften untergebracht sind. Unter ihnen werden noch täglich Hunderte Neuinfektionen gemeldet, während der Zuwachs in der restlichen Bevölkerung fast zum Stillstand gekommen ist. Eine leichte Lockerung der Maßnahmen ist für den 1. Juni angekündigt, jedoch werden viele Einschränkungen noch weit darüber hinaus gelten.

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