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Seuchengeschichte : „Fast jeder war mal befallen“

Ein „Pestdoktor“ vor 350 Jahren. Der Schnabel enthielt Tinkturen gegen die Ansteckung. Bild: imageBROKER/BAO

Panikeinkäufe und Quarantäne gab es schon früher. Und doch gingen die Menschen mit früheren Seuchen völlig anders um, sagt der Medizinhistoriker Manfred Vasold im Interview.

          5 Min.

          Herr Vasold, als Medizinhistoriker haben Sie Seuchen von Pest und Cholera bis hin zu Fleckfieber und Grippe-Ausbrüchen erforscht. Wenn Sie jetzt Corona betrachten: Gibt es historisch eine andere Pandemie, an die Sie in diesen Tagen besonders oft denken müssen?

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          An die Cholera asiatica, weil die als eine vollkommen neue Krankheit erst in den 1830er Jahren aus Asien nach Mitteleuropa kam. Und an die Pocken im 18. und 19. Jahrhundert.

          Warum die Pocken?

          Sie sind eine hochansteckende Infektionskrankheit, die von einem Virus verursacht wird. Das ist ähnlich wie bei Corona, gegen das es eines Tages hoffentlich ebenfalls einen Impfstoff geben wird. Bei den Pocken reagierte Bayern 1807 zuerst mit einer Impfpflicht. Aber es gab vergleichsweise wenige Behörden. Die konnten das unmöglich überwachen, so dass das Impfen erst mal nicht den Erfolg brachte, den man sich erhoffte. Zumal sich jeder nur einmal impfen lassen musste, die Pflicht zum zweifachen Impfen kam erst 1874 im Deutschen Reich.

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