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Seniorenheime in Spanien : Die Tage der einsamen Corona-Tode

Nach vier Monaten Kontaktsperre: Dolores Reyes Fernández umarmte ihren Vater José Reyes Lozano vergangene Woche in einem Altenheim in Barcelona. Bild: AP

In Spanien starben so viele Menschen in Seniorenheimen wie in keinem anderen Land Europas. In den Augen von Angehörigen war es ein Zusammenbruch mit Ansage.

          5 Min.

          Als neun Nachbarn an einem einzigen Tag starben und der Platz in der Leichenkammer nicht mehr reichte, holte Laura Espallardo ihre Mutter aus dem Altersheim. „Sonst wäre auch sie gestorben“, sagt die 43 Jahre alte Spanierin. Zusammen mit mehr als 20 Angehörigen erstattete sie Anzeige gegen „Vitalia Home“, den privaten Träger des Altersheims in Leganés, einem südlichen Vorort von Madrid. Wochenlang waren im März ihre Hilferufe verhallt. Erst als 56 Senioren gestorben waren, griff die Madrider Regionalverwaltung ein. „Soldaten, Feuerwehrleute und Ärzte ohne Grenzen rückten an“, sagt sie über die traumatischen Tage.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Für viele kam die Hilfe zu spät: 106 der 266 Bewohner fielen dem Coronavirus zum Opfer; fast 80 Prozent infizierten sich, beim Personal lag der Anteil bei 40 Prozent. Die Heimleitung habe die alten Menschen im Stich gelassen, es habe an fast allem gefehlt, berichteten Pfleger. Zunächst riet sie den Mitarbeitern sogar davon ab, Masken zu tragen: um die Bewohner nicht zu erschrecken. Das Chaos hatte fatale Folgen. „Einige Angehörige, die jetzt Anzeige erstatten, haben in kurzer Zeit Vater und Mutter verloren“, sagt Laura Espallardo – oft konnten sie die Eltern nicht auf ihrem letzten Weg begleiten. Schmerz und Schuldgefühle gehen so tief, dass viele die Tage der einsamen Tode verdrängen und nicht mehr reden wollen.

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