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Verschärfte Corona-Regeln : Schweizer müssen zu Hause arbeiten – dürfen aber Skifahren

Wengen im Berner Oberland: Hier hat ein Brite 27 Personen angesteckt. Wintersport bleibt in der Schweiz dennoch erlaubt. Bild: EPA

In der Schweiz müssen Restaurants, Kulturbetriebe, Freizeitstätten und die meisten Geschäfte schließen – aber die Skigebiete bleiben offen. Dabei trug sich der prominenteste Infektionsfall jüngst in einem Skigebiet zu.

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          Die Schweizer Regierung hat die Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus weiter verschärft und den im internationalen Vergleich lockeren Kurs aufgegeben. Wie in Deutschland auch müssen von Montag an nicht nur Restaurants, Kulturbetriebe und Freizeitstätten schließen, sondern auch die allermeisten Läden, die keine Lebensmittel verkaufen.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Außerdem gibt es fortan die Pflicht, von zu Hause aus zu arbeiten, sofern die Art der Tätigkeit dies zulässt. Wer allerdings die eigenen vier Wände verlassen will, um in den Bergen eine Runde Ski oder Snowboard zu fahren, kann dies unverändert tun. „Beim Skifahren handelt es sich um eine Aktivität, die draußen an der frischen Luft stattfindet – im Gegensatz etwa zum Einkaufen“, begründete der Schweizer Gesundheitsminister Alain Berset das Laisser-faire.

          Im Übrigen gebe es in den Skigebieten schon zahlreiche Einschränkungen. So seien die Restaurants auch dort geschlossen. Allerdings dürfen sich Wintersportler zumindest in Graubünden auf offenen Gastro-Terrassen tummeln und dort Take-away-Speisen zu sich nehmen. Dass die Schweiz, wo die Infektions- und Todeszahlen infolge von Covid-19 schon länger überdurchschnittlich hoch sind, jetzt insgesamt die Zügel anzieht, hängt mit den mutierten Virusvarianten aus Großbritannien und Südafrika zusammen.

          Britischer Hotelgast steckt 27 Personen an

          Fälle, die auf diese hochansteckenden Virusstämme zurückgehen, bewegen sich zwar noch auf einem niedrigen Niveau, verdoppeln sich aber jede Woche. Der prominenteste Infektionsfall trug sich jüngst ausgerechnet in einem Skigebiet zu: In Wengen im Berner Oberland hat ein einzelner britischer Hotelgast zwischen dem 27. Dezember und dem 10. Januar 27 andere Personen angesteckt. Er wurde positiv auf die neue Variante des Virus getestet. Der gerade angelaufene Massentest in der 1200 Einwohner zählenden Gemeinde wird vermutlich noch deutlich höhere Fallzahlen zutage fördern, wobei so mancher Gast, der fluchtartig das Dorf verlassen hat, das Virus nun andernorts weitertragen dürfte.

          Vorsichtshalber hat der Kanton Bern das für dieses Wochenende geplante Lauberhornrennen abgesagt. Die Skilifte in der mit Wengen verbundenen Jungfrau-Region dürfen aber offen bleiben. Ob Skigebiete schließen müssen, entscheiden in der Schweiz die jeweiligen Kantonsregierungen. Dabei orientieren sie sich an der epidemiologischen Lage, an der Auslastung ihrer Krankenhäuser und Intensivstationen sowie an der Funktionsfähigkeit der Kontaktnachverfolgung. Vor Weihnachten hatten einzelne Kantone wie St. Gallen, Schwyz und Zürich verfügt, den Skibetrieb über die Feiertage einzustellen. Inzwischen sind jedoch wieder sämtliche Skigebiete geöffnet.

          Um die Infektionsgefahr zu reduzieren, dürfen geschlossene Gondeln nur zu zwei Dritteln ausgelastet werden; die Fenster bleiben offen. Es besteht Maskenpflicht in und vor den Liften. Nach Einschätzung des Verbands der Schweizer Seilbahnen haben sich die Schutzkonzepte bisher bewährt. Dort hofft man, dass die Skigebiete auch während der Schweizer Sportferien im Februar offen bleiben dürfen. Mit vielen Wintersportlern aus Deutschland können die Eidgenossen trotz der aktuell guten Schneeverhältnisse nicht rechnen: Aus deutscher Warte ist die Schweiz ein Risikogebiet. Bei der Rückkehr in die Heimat greifen also die geltenden Quarantäneregeln.

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