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Schulen während Corona : „Der Abstand kann nicht eingehalten werden“

Kein Abstand: Schüler warten am Mittwoch in Hildesheim an einer Haltestelle auf den Bus. Bild: dpa

Schülervertreter Daniel Ackermann versteht nicht, warum die Schulen trotz steigender Infektionszahlen nicht geschlossen werden. Ein Interview.

          2 Min.

          Herr Ackermann, Sie sind Bezirksschülervertreter in Nordrhein-Westfalen und haben eine E-Mail an die F.A.Z. geschrieben, weil Sie sich darüber ärgern, dass die Schulen trotz steigender Corona-Infektionszahlen weiterhin geöffnet sind. Was stört Sie daran?

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Was die Schulen machen, ist ein Widerspruch in sich: Man darf sich in ganz Deutschland nur mit Leuten aus zwei Haushalten treffen, aber in die Schule gehen. Wir können dort keinen Mindestabstand gewährleisten. Schon in den Klassen gibt es nicht genug Platz, und auf den Fluren kann der Abstand gar nicht eingehalten werden. Wir tragen Masken und haben Fenster geöffnet, okay. Aber die Räume, die nicht belüftet werden können, dürfen wir nicht benutzen. Manche davon sind aber relevant für den Unterricht, etwa der Chemieraum für Experimente. Das macht mich einfach sauer!

          Die Politik geht davon aus, dass Schulen kein Treiber der Pandemie sind und will sie nur als letztes Mittel schließen.

          Ich glaube, dass es auch an den Schulen liegt, dass die Zahlen steigen. Weil dort der Abstand nicht eingehalten wird. Die Gastronomie hat alles gegeben, gute Konzepte entwickelt, und musste schließen. Die Schulen haben keine Konzepte entwickelt, obwohl im Sommer klar war, dass der Winter kommt. Belüftungsanlagen, Digitalisierung: Da ist nichts passiert. Trotzdem sind sie offen.

          Daniel Ackermann ist 19 Jahre alt, Azubi und Bezirksschülervertreter in Nordrhein-Westfalen.
          Daniel Ackermann ist 19 Jahre alt, Azubi und Bezirksschülervertreter in Nordrhein-Westfalen. : Bild: privat

          In ganz Deutschland sind 300.000 Schüler und 30.000 Lehrer in Quarantäne, also knapp drei Prozent beziehungsweise vier Prozent – so viel ist das doch gar nicht, oder?

          Ja, das stimmt, aber wir haben trotzdem immer mehr Schulen, die schließen, auch hier bei uns im Kreis Gütersloh. Eigentlich müsste man darauf reagieren und zum Beispiel Unterrichtseinheiten staffeln, damit auch Busse nicht zu voll werden. Aber es passiert nichts.

          Womöglich stecken sich Schüler ja gar nicht in der Schule an. Haben Sie denn den Eindruck, dass die Schüler ihre privaten Kontakte reduziert haben?

          Ja! Ich höre nichts mehr von Partys. Alle, die ich kenne, nehmen Corona ernst. Viele Schülerinnen und Schüler plädieren deshalb für eine Schulschließung. Die meisten gehen nicht mehr gerne zur Schule. Und unsere Meinung sollte von der Politik auch gehört werden.

          Wie haben Sie denn das Homeschooling im Frühjahr erlebt?

          Ich habe Ende April, Anfang Mai meine Fachabiturprüfung geschrieben in Wirtschaft und Verwaltung. Ich musste mich selbständig vorbereiten. Bei mir und meinen Mitschülern hat das gut geklappt, wir haben PDFs über Teams und Zoom bekommen und mussten die dann bearbeiten und zurückschicken. Wir haben alle unsere Prüfungen bestanden. Aber viele andere hatten kein digitales Endgerät zu Hause. Deshalb habe ich auch eine Petition im Landtag eingereicht, dass allen Schülern ein Laptop oder Tablet kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Daraus ist aber nichts geworden.

          Und jetzt sind Sie Berufsschüler?

          Ja, ich bin in der Ausbildung zum Bürokaufmann und in einem Möbelvertrieb tätig. Azubis wie ich sind dreimal in der Woche im Betrieb. Andere Schüler haben Nebenjobs. Bei einer Infektion könnten wir also auch Kollegen anstecken.

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