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Kein Impfstoff bis Herbst 2020 : Verwirrung um ein veraltetes Strategiepapier

Präsident des RKI: Lothar Wieler Bild: EPA

Das Robert-Koch-Institut hat versehentlich eine ältere Version eines Strategiepapiers online gestellt, in dem der Einsatz eines Impfstoffs gegen das Coronavirus im Herbst für möglich erachtet wurde. Die Prognose zieht das RKI nun zurück.

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat nach eigenen Angaben am Mittwoch versehentlich eine ältere Version eines Strategiepapiers online gestellt, die inzwischen mehrmals überarbeitet wurde. Das bestätigte das Institut der F.A.Z. In der fälschlicherweise veröffentlichten Version hieß es, dass das RKI den Einsatz eines Impfstoffs gegen das Coronavirus im Herbst 2020 für möglich halte. Diese Aussage stimmt laut einer Sprecherin nicht: „Das RKI rechnet nicht damit, dass ein Impfstoff bereits im Herbst 2020 zur Verfügung stehen wird.“

          Das Papier wurden am Mittwochnachmittag von der Homepage des RKI genommen. Mit der überarbeiteten Version des Papiers sei am Mittwoch nicht mehr zu rechnen, sagte die Sprecherin. Ob die übrigen Aussagen des Berichts zutreffend sind, war am Mittwochabend laut RKI zunächst nicht klar.

          In dem veralteten Strategiepapier mit dem Titel „Die Pandemie in Deutschland in den nächsten Monaten“ wurde davor gewarnt, es wäre zum aktuellen Zeitpunkt zu gefährlich, darauf zu vertrauen, dass mit einer Impfung ab dem Herbst die Pandemie beherrschbar werde, da Unwägbarkeiten wie Mutationen oder nur kurze Immunitätszeiten den Nutzen von Impfungen relativieren könnten.

          „In jedem Fall ist es unerlässlich, unverzüglich eine bundesweite Impfkampagne für den Zeitpunkt vorzubereiten, zu dem ein wirksamer Impfstoff zur Verfügung steht“, schrieben die RKI-Fachleute. „Dazu werden bereits jetzt tragfähige Konzepte für Lagerung, Verteillogistik, priorisierte Zielgruppen oder umfassende Impfüberwachung erarbeitet.“

          Insgesamt zog das RKI in dem Papier eine „positive Zwischenbilanz für den Umgang mit der SARS-CoV2-Pandemie in Deutschland“. Die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Corona-Maßnahmen seien allerdings einschneidend gewesen, daher gehe es jetzt darum, die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, ohne dass dafür wieder ein weiträumiger Lockdown nötig wird. Das Ansteckungsrisiko müsse weiter reduziert werden, Risikogruppen müssten getestet, Erkrankte konsequent isoliert werden.

          Aktuell bestehe „die berechtigte Sorge“, dass aufgrund der scheinbaren Ruhe der vergangenen Wochen die notwendige Aufmerksamkeit für die Krankheit gesunken sei. Gleichzeitig wachse die Gefahr neuer Ausbrüche und einer möglichen zweiten Welle. „Deshalb müssen jetzt die richtigen Impulse und Ziele gesetzt werden, um dem entgegenzutreten“, heißt es in dem RKI-Papier. Das „risikominimierende Verhalten“ müsse in der Bevölkerung weiterentwickelt und verankert werden.

          Nach dem Sommer spielen für die Pandemiekontrolle laut RKI bereits verfügbare Impfstoffe gegen Atemwegserkrankungen eine entscheidende Rolle – weil diese Krankheiten nicht immer ohne nähere Untersuchungen von Sars-CoV2 zu unterscheiden seien. „Doppelinfektionen sollen vermieden werden.“ Durch eine breite Anwendung insbesondere des Influenza-Impfstoffs könne man einer vermeidbaren saisonalen Überlastung des Gesundheitssystems durch diese Erkrankung vorbeugen.

          Zum Beispiel in Bezug auf Fußballspiele hieß es in dem Papier: „Menschenansammlung insbesondere in geschlossenen oder halbgeschlossenen Räumen erhöhen das Risiko der Verbreitung von SARS-CoV2 signifikant.“ Allerdings seien unterschiedliche Veranstaltungen Grundpfeiler des sozialen, religiösen und kulturellen Lebens in Deutschland. Von der Verantwortungsträgern der jeweiligen Branchen müssten deswegen „differenzierte, transparente und nachvollziehbare Vorgaben zur Durchführung von Veranstaltungen“ erarbeitet werden.

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