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Verbreitung von B.1.1.7 : RKI prognostiziert nach Ostern sehr hohe Fallzahlen

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Nasenabstrich für den Schnelltest: Das RKI rechnet mit einem steilen Anstieg der Fallzahlen. Bild: dpa

Die Fallzahlen mit der Corona-Variante B.1.1.7 steigen exponentiell an – das Robert-Koch-Institut rechnet in einer Prognose deshalb Mitte April mit einer Sieben-Tages-Inzidenz „über dem Niveau von Weihnachten“.

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          Das Robert-Koch-Institut (RKI) warnt vor einem „deutlich steileren Anstieg der Sieben-Tages-Inzidenz“. In der Woche nach Ostern ist einer Prognose des Instituts zufolge mit Fallzahlen „über dem Niveau von Weihnachten“ zu rechnen. Das geht aus dem am Freitag veröffentlichten Lagebericht des RKI vor.

          Für die Prognose hat das RKI die Sieben-Tages-Inzidenz der zuerst in Großbritannien entdeckten Variante B.1.1.7 analysiert und mit allen übrigen Varianten verglichen. Die Fallzahlen mit der als deutlich ansteckender geltenden Variante B.1.1.7 sind demnach seit der Kalenderwoche 2 exponentiell um 46 Prozent pro Woche angestiegen und haben sich „etwa alle zwölf Tage verdoppelt“. Bei den übrigen Varianten verzeichnete das Institut derweil einen Rückgang um etwa 19 Prozent pro Woche. Da sich diese Trends laut dem Bericht zurzeit überlagern, sei die Sieben-Tages-Inzidenz in den vergangenen vier Wochen nur langsam angestiegen.

          Davon ausgehend, dass sich die Verbreitung von B.1.1.7 entsprechend fortsetzt, rechnet das Robert-Koch-Institut jedoch von dieser Woche an mit einem steileren Anstieg des Inzidenz-Wertes. Für die Kalenderwoche 15 – also die Woche ab dem 12. April – sind demnach Werte in einem Intervall zwischen 220 und mehr als 500 zu befürchten. Im Mittel schätzt das Institut für die entsprechende Woche eine Sieben-Tages-Inzidenz von rund 350 Fällen pro 100.000 Einwohner.

          Zum Vergleich: Den bislang höchsten Inzidenzwert hatte Deutschland am 22. Dezember mit 197,6 erreicht, die Zahl der täglichen Neuinfektion hatte teilweise deutlich über 30.000 gelegen. Aussagen über mögliche Auswirkungen der zuletzt in Kraft getretenen Lockerungen macht die Prognose nicht, ebenso wenig über Folgen von möglichen Familienfesten zu Ostern. Der Ostersonntag fällt in diesem Jahr auf den 4. April.

          Am Samstag lag die Sieben-Tages-Inzidenz nach Angaben des RKI bei 76,1, vor einer Woche hatte der Wert noch 65,6 betragen. RKI-Chef Lothar Wieler hatte am Freitag die Bürger zum weiteren Einhalten der Schutzmaßnahmen aufgerufen: „Diese dritte Welle müssen wir gemeinsam so flach halten wie möglich.“ Eine Situation wie vor Weihnachten, als viele Erkrankungen, schwere Verläufe und Todesfälle das Gesundheitssystem belastet hatten, müsse verhindert werden. Es werde noch dauern, bis der Großteil der Bevölkerung geimpft ist. Bis dahin sei eine niedrige Inzidenz der beste Schutz.

          Lauterbach warnt vor mehr schweren Verläufen

          Auch die Gesundheitsexperten Karl Lauterbach (SPD) und Stefan Pilsinger (CSU) haben vor einem deutlichen Anstieg an Infizierten in einer dritten Corona-Welle gewarnt. „Lockerungen setzen stabile oder sinkende Fallzahlen voraus“, sagte Karl Lauterbach der „Augsburger Allgemeinen“ (Samstagausgabe). Doch die seien auf absehbare Zeit nicht zu erreichen. Lauterbach warnte, dass durch die britische Virusvariante vielfach schwerere Krankheitsverläufe drohten.

          Stefan Pilsinger sieht die angekündigten Lockerungen ebenfalls mit Besorgnis: „Schon die bisherigen Lockdown-Maßnahmen waren zur Eindämmung der gefährlicheren britischen Covid-19-Mutante nicht ausreichend.“ Er befürchtet der Zeitung zufolge, die Ausbreitung werde sich weiter beschleunigen und wieder zu einem exponentiellen Wachstum führen mit Zahlen wie an Weihnachten. Großbritannien und Irland hätten im Winter mit niedrigen Zahlen stark geöffnet und mussten dann schnell wegen der stark ansteigenden Zahl an Corona-Erkrankungen in den kompletten Lockdown, so Pilsinger. „Diesen Fehler dürfen wir in Deutschland keinesfalls so wiederholen.“

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