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Mehr als 9000 Neuinfektionen : Bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz sinkt kaum noch

  • Aktualisiert am

Lastwagenfahrer stehen an einer Covid-19-Teststation an der tschechisch-polnischen Grenze. Bild: dpa

Fortschritte in Trippelschritten: Die Sieben-Tage-Inzidenz schrumpft nur minimal. Im Streit um die Inzidenzwerte sucht die Kanzlerin den Kontakt zu Kommunalpolitikern.

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          Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 9113 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 508 weitere Todesfälle verzeichnet, wie aus Zahlen des RKI vom Freitag hervorgeht.

          Am Freitag vergangener Woche hatte das RKI binnen eines Tages 9860 Neuinfektionen und 556 neue Todesfälle verzeichnet. Der Höchststand von 1244 neu gemeldeten Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert erreicht worden, er enthielt jedoch 3500 Nachmeldungen.

          Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Freitagmorgen bundesweit bei 56,8 – und damit geringfügig niedriger als am Vortag (57,1). Schon in den Tagen zuvor hatte es keinen deutlichen Rückgang der Inzidenz mehr gegeben. Vor vier Wochen, am 21. Januar, hatte die Inzidenz noch bei 119,0 gelegen. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden. Bund und Länder strebten zunächst eine Inzidenz von 50 an. Öffnungen etwa des Einzelhandels werden nun aber erst in Aussicht gestellt, wenn der Wert 35 erreicht wird. In Berlin (9.30 Uhr) wollen sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, und Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Freitag zur Pandemie-Lage äußern. Holetschek ist auch Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz.

          Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2,37 Millionen nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland . Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 67.206.

          Berlin will Impfstoffbeauftragten berufen

          Die Bundesregierung beruft derweil laut „Spiegel“ einen Sonderbeauftragten für die Produktion von Corona-Impfstoff. Damit wolle sie Deutschlands Versorgung mit Vakzinen beschleunigen. Der Beauftragte solle Ansprechpartner der Hersteller sein und ihnen helfen, ihre Produktion zu steigern. Zu seinen Aufgaben zähle, dafür zu sorgen, dass die Unternehmen genügend Rohstoffe bekommen und die Lieferketten nicht ins Stocken geraten. Den Posten übernehme Christoph Krupp, der bisherige Chef der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und Weggefährte von Finanzminister Olaf Scholz.

          Merkel trifft Kommunalpolitiker

          In der Debatte um Lockerungen von Corona-Beschränkungen sucht Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag den Kontakt zu Kommunalpolitikern. Sie will an einer Videokonferenz mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und bayerischen Landräten und Oberbürgermeistern teilnehmen. Aus der Wirtschaft wächst der Druck, das öffentliche Leben wieder hochzufahren.

          Bei dem Treffen mit Merkel wollen die bayerischen Kommunalpolitiker nach Worten Söders aus erster Hand erfahren, wie die Kanzlerin die aktuelle Lage einschätzt, wie sie die Gefahr durch die Virusmutationen sieht und wie die weitere Entwicklung im Kampf gegen Corona aussehen könnte. Zum anderen soll es aber auch um ganz konkrete Bedürfnisse der Kommunen gehen. Vor der Videoschalte hatten mehrere Landräte und Oberbürgermeister Kurskorrekturen in der Anti-Corona-Politik gefordert - unter anderem klarere Öffnungsperspektiven und eine Orientierung nicht mehr nur an Sieben-Tage-Inzidenzwerten. Vor allem Kommunen mit konstant niedrigen Corona-Infektionszahlen wollen raschere Lockdown-Lockerungen insbesondere für den Einzelhandel.

          Der Handelsverband Deutschland (HDE) forderte erste Öffnungsschritte für den Einzelhandel auch bei Inzidenzwerten über 35 und 50. Die Branche habe gezeigt, dass sie kein Treiber der Pandemie sei. Deshalb gebe es „keinen sachlichen Grund, die Geschäfte weiterhin ohne verlässliche Öffnungsperspektive geschlossen zu halten“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Auch der Geschäftsführer des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV), Jens Michow, sagte dem RND: „Es reicht nicht aus, nur auf die Inzidenzwerte zu schauen.“ Es müssten weitere Kriterien wie die Art der Veranstaltung und Gegebenheiten der jeweiligen Spielstätte berücksichtigt werden.

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