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RKI-Zahlen : Inzidenz steigt auf 18,5 – Konflikte an Schulen befürchtet

  • Aktualisiert am

Schulanfängerin Ida meldet sich vergangenen Montag in ihrer Unterrichtsstunde in einer Rostocker Grundschule. Bild: Jens Büttner/dpa

Seit vier Wochen steigen die Corona-Zahlen. Der Lehrerverband ist gegen eine Ungleichbehandlung von geimpften und ungeimpften Kindern im Schulalltag. Deutschland liefert im August erste Impfdosen an ärmere Länder.

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          Die Sieben-Tage-Inzidenz des Coronavirus steigt seit nunmehr rund vier Wochen an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von diesem Mittwochmorgen liegt sie nun bundesweit bei 18,5. Am Vortag betrug der Wert 17,9, am Mittwoch der Vorwoche 15,0. Unter den Bundesländern weist Hamburg mit 31,1 die höchste Inzidenz auf, Thüringen mit 5,8 die niedrigste. Nur noch vier Bundesländer liegen unter zehn. Mecklenburg-Vorpommern ist erstmalig wieder zweistellig.

          Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt binnen eines Tages 3571 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche hatte der Wert bei 2768 Ansteckungen innerhalb von 24 Stunden gelegen.

          Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

          25 neue Todesfälle

          Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 25 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 21 Todesfälle gewesen. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg damit auf 91.704.

          Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.777.446 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.659.900 an.

          Lehrerverband: Ungeimpfte Kinder nicht  anders behandeln

          Die deutschen Schulleiter rechnen mit Konflikten zwischen Lehrern, Eltern und Schülern durch eine Zunahme von Corona-Impfungen für 12- bis 17-Jährige. „Natürlich wird es im Alltag heftige Diskussionen geben. Darauf müssen sich die Lehrkräfte einstellen“, sagte die Vorsitzende des Allgemeinen Schulleitungsverbands Deutschland, Gudrun Wolters-Vogeler, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. So werde es „erwartbare Konflikte geben um die Frage, ob Impfungen notwendig sind und ob Elternrechte übergangen werden“. Zudem werde es „Debatten mit Kindern geben, die Impfungen vielleicht ablehnen oder unbedingt haben wollen“. Die Gesundheitsministerkonferenz hatte beschlossen, den 12- bis 17-Jährigen mehr Angebote für eine Corona-Impfung zu machen.

          Auch im Zusammenhang mit angeordneten Quarantänen könnten sich Konflikte aufbauen, befürchtet die Verbandschefin. „Wenn es künftig einen positiven Corona-Fall in der Klasse gibt, müssen diejenigen in Quarantäne, die nicht doppelt geimpft sind. Die anderen dürfen hingegen im Präsenzunterricht bleiben und können sich weiterhin an schulischen Aktivitäten beteiligen. Das wird zu Spannungen führen“, sagte Wolters-Vogeler.

          Heikel sei auch die Klärung durch die Schule, welche Kinder und Jugendlichen schon geimpft seien. Sie gehe davon aus, dass die Schulen aus rechtlichen Gründen den Impfstatus einzelner Schüler nicht abfragen dürfen. Die Lehrkräfte müssten sich mit Ratschlägen zur Impfung zurückhalten, sagte Wolters-Vogeler. Das rät auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger. „Das ist nicht ihr Zuständigkeitsbereich. Letztendlich müssen das die Eltern nach ärztlicher Beratung selbst entscheiden“, sagte Meidinger den Funke-Zeitungen.

          „Grundsätzlich sind wir gegen eine Ungleichbehandlung von geimpften und ungeimpften Kindern im Schulalltag, zumindest solange nicht alle Kinder ein Impfangebot erhalten haben“, sagte Meidinger der Rheinischen Post.

          Unterschiedliche Quarantäneregelungen innerhalb einer Klasse halte er jedoch für denkbar: „Was möglich wäre, ist, dass Gesundheitsämter im Falle von Infektionen bei geimpften Klassenkameraden andere, kürzere oder keine Quarantänemaßnahmen anordnen.“

          Der Chef des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, forderte die Bundesländer indessen auf, allen Familien nach den Sommerferien einen sicheren Schulstart zu ermöglichen – auch ungeimpften Kindern und Jugendlichen. „Eines muss klar sein: Es darf unter keinen Umständen nur die beiden Optionen ’Impfung’ oder ’Homeschooling’ geben“, sagte Weigeldt der Zeitung Rheinische Post.

          In den Arztpraxen sei in den kommenden Wochen mit deutlich mehr Nachfragen verunsicherter Eltern zu rechnen. „Bislang haben wir noch keine Rückmeldungen über einen Ansturm von Familien, die sich beraten lassen wollen. Aber sicherlich werden die Nachfragen, auch durch die Diskrepanz in der öffentlichen Diskussion, zunehmen“, sagte er.

          30 Millionen Corona-Impfstoffdosen für ärmere Länder

          Die Bundesregierung will laut Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) derweil noch in diesem Monat die erste Tranche der insgesamt zugesagten 30 Millionen Corona-Impfstoffdosen an ärmere Länder abgeben. „Wir sollten die Menge an Impfstoffspenden schrittweise erhöhen, damit dort medizinisches Personal und andere besonders gefährdete Gruppen viel schneller erreicht werden können“, sagte Müller der Augsburger Allgemeinen Zeitung.

          Müller, der nach der Bundestagswahl im September aus der Regierung ausscheiden wird, verwies auf das Ziel, bis Anfang 2022 rund ein Drittel aller Menschen in Entwicklungsländern zu impfen. Er forderte die anderen europäischen Staaten auf, dem deutschen Vorbild zu folgen und ihrerseits Geld sowie Impfstoff zu geben.

          Neben der gerechten Verteilung von Impfstoffen auch an die ärmsten Länder müsse der nächste Schritt sein, dass Entwicklungsländer selbst Vakzine produzieren. Dafür brauche es einen freiwilligen Technologietransfer, sagte Müller. Sein Ministerium unterstütze den Aufbau solcher Produktionen im Senegal und in Südafrika, wo bereits Kapazitäten vorhanden seien. Zudem sei man im Gespräch mit Ghana. „Wir besiegen das Virus nur weltweit oder nicht“, betonte Müller.

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