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Zweiter Tag in Folge : Zahl der Neuinfektionen steigt weiter

  • Aktualisiert am

In der Kölner Schildergasse tragen Ende Juli viele Passanten Masken. Bild: Marius Becker/dpa

Die Zeiten vierstelliger Neuinfektions-Zahlen mit dem Coronavirus sind zurück. Bundesgesundheitsminister Spahn beruhigt: Das Gesundheitssystem könne damit umgehen.

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          Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am frühen Freitagmorgen zum zweiten Mal in Folge mehr als 1000 Covid-19-Neuinfektionen in Deutschland. Das RKI gab die Zahl mit 1147 an, insgesamt sind es damit 214.214 bestätigte Fälle. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit dem Coronavirus stieg um acht auf 9183. Am Vortag hatten die Gesundheitsämter dem RKI 1045 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet.

          Unter den Bundesländern meldete Nordrhein-Westfalen mit 444 die meisten neuen Fälle. Es folgen Hessen mit 158 und Bayern mit 128 Neuinfektionen. Die Schwelle von 1000 neuen Corona-Fällen war zuletzt am 7. Mai überschritten worden. Danach war die Zahl in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigen die Werte wieder. Der Höhepunkt bei den neuen Ansteckungen wurde Anfang April mit mehr als 6000 erreicht.

          Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen bei 0,99 (Vortag: 0,9). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwa einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

          Zudem gibt das RKI ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Dieser Wert lag bei 1,06 (Vortag: 0,97). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

          Spahn: Mit 1000 Neuinfektionen kann man umgehen

          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn stellte klar, er sehe derzeit keine kritische Schwelle überschritten. „Im Moment sind wir in jedem Fall noch in einer Größenordnung, mit der das Gesundheitswesen und der öffentliche Gesundheitsdienst umgehen kann“, sagte der CDU-Politiker am Donnerstagabend dem ZDF-„Heute Journal“. „Wenn wir uns jetzt stabilisieren auf einem bestimmten Niveau, dann können wir damit umgehen. Wenn die Zahlen weiter steigen, dann kommt es auf uns alle an, im Alltag aufeinander zu achten und eben weitere Maßnahmen tatsächlich auch nicht nötig zu machen.“

          Spahn unterstrich die Linie, im Fall der Fälle vor allem auf regionale Maßnahmen zu setzen. Auf die Frage, ab wann wieder eine Art Lockdown nötig werde, betonte er, es gebe nicht „die eine Zahl, auf die alles reduziert werden kann“. „Es gibt den Steigerungsfaktor – also um wie viel dynamischer wird das Infektionsgeschehen? Es gibt die absolute Zahl der Infektionen. Mit um die 1000 Neuinfektionen pro Tag kann das Gesundheitswesen umgehen.“

          Schärferes Vorgehen gefordert

          SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil forderte ein strengeres Durchgreifen gegen Menschen, die gegen die Maskenpflicht verstoßen. „Diejenigen die leichtfertig keinen Abstand halten und die Maskenpflicht ignorieren, gefährden damit auch, dass Kinder wieder in die Schule gehen und Arbeitsplätze gesichert werden können“, er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Das ist rücksichtlos und unverantwortlich. Dagegen müssen wir schärfer vorgehen.“ Er erwarte zum Beispiel von der Deutschen Bahn, dass sie die Maskenpflicht in ihren Zügen konsequent durchsetzt. Mehrere Bundesländer hatten zuletzt angekündigt, ihre Gangart gegen Maskenverweigerer zu verschärfen.

          Mit Blick auf die gestiegenen Zahlen warnte Klingbeil: „Wenn wir nicht aufpassen, sind die Erfolge der letzten Monate im Kampf gegen Corona gefährdet.“ Alle müssten sich weiter an Maskenpflicht und Abstandsregeln halten. „Es ist im Interesse aller, dass Deutschland nicht in eine zweite Welle rutscht.“

          Der Wirtschaftsrat der CDU forderte ein Verbot für Reisen in Länder, die vom RKI als Risikogebiete ausgewiesen werden. Das beträfe etwa Amerika, Indien, Israel, Südafrika oder die Türkei.

          „Falsche Sicherheit“

          Die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, sagte in der ZDF-Sendung „Dunja Hayali“ am Donnerstagabend, bisher habe Deutschland die Krise gut geschafft. „Ich glaube aber, dass wir uns in einer falschen Sicherheit im Moment wiegen, dass wir einfach die Zeit etwas aus den Augen verloren und verpasst haben.“ Sie fügte hinzu: „Alle haben geglaubt, es kommt erst im Herbst – jetzt haben wir August und die Zahlen gehen hoch.“ Die Linke-Vorsitzende Katja Kipping äußerte sich in der Sendung kritisch zur deutschen Corona-Politik: „Ich glaube, wir haben zu schnell gelockert“, sagte sie.

          Der Bonner Virologe Hendrik Streeck zeigte sich dagegen nicht beunruhigt von der Zahl von mehr als 1000 Neuinfektionen an einem Tag. „Zurzeit haben wir keine wesentliche Zunahme von schweren Coronafällen auf den Intensivstationen zu verzeichnen, obwohl seit gut einer Woche die Infektionszahlen gestiegen sind“, sagte er im F.A.Z.-Interview. Streeck plädierte dafür, „souveräner“ mit dem Virus umzugehen. „Wir dürfen nicht bei jedem Anstieg der Infektionszahlen in Panik geraten.“ Das Virus werde bleiben. „Das Ziel ist und war es, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, und dass jeder die bestmögliche Versorgung bekommt. Das ist ein realistisches Ziel.“

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