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Robert-Koch-Institut : Knapp 23.500 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages

Helfer stehen bereit für Corona-Schnelltests im Staatlichen Berufsbildenden Schulzentrum Hildburghausen. Bild: dpa

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus erreicht nach Angaben des Robert-Koch-Institus mit 432 den dritthöchsten Wert seit Beginn der Pandemie. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt derweil auch bei Kita-Kindern über dem Wert von 50. Die Tendenz ist rückläufig.

  • Aktualisiert am
          3 Min.

          Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 23.449 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Damit liegt der Wert knapp über den 22.806 Fällen der Vorwoche, wie aus den RKI-Zahlen vom Freitagmorgen hervorgeht. Mit 432 neuen Todesfällen binnen eines Tages wurde der dritthöchste Stand seit Beginn der Pandemie gemeldet. Der bisherige Höchstwert von 487 Todesfällen war am Mittwoch erreicht worden.

          In der Tendenz war die Zahl der täglichen Todesfälle zuletzt nach oben gegangen, was nach dem steilen Anstieg bei den Neuinfektionen auch erwartet wurde. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg am Freitag auf 18.034. Das RKI zählt in Deutschland seit Beginn der Pandemie 1.130.238 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 (Stand: 04.12., 00.00 Uhr). Nach Schätzungen sind rund 820.600 Menschen inzwischen genesen.

          Der sogenannte Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Freitag bei 1,04 (Vortag: 0,94). Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch 104 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt der Wert für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

          Die Zahl der Corona-Patienten auf deutschen Intensivstationen hat erstmals die Schwelle von 4000 überschritten. Am Freitag meldete die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) 4011 Menschen in intensivmedizinischer Behandlung. Das waren 31 mehr als am Vortag, wie aus dem Divi-Tagesbericht hervorgeht. 60 Prozent der Patienten werden invasiv beatmet (Stand: 04.12., 12.15 Uhr).

          Das Statistische Bundesamt meldete am Freitag, dass in der ersten Novemberwoche in Deutschland fünf Prozent mehr Menschen als im Durchschnitt der vergangenen vier Jahre gestorben seien. Wie aus vorläufigen Ergebnissen hervorgeht, starben in der 45. Kalenderwoche (2. bis 8. November 2020) mindestens 18.483 Menschen. Auch die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Corona sei in der ersten November-Woche in Deutschland höher gewesen. Das RKI meldete demnach in dem Zeitraum 1067 Todesfälle.

          Lediglich 5,8 Prozent der Kitas ganz oder teilweise geschlossen

          Die Zahl der Corona-Neuinfektionen überschritt derweil auch bei Kita-Kindern in Deutschland zuletzt einen kritischen Schwellenwert. Das geht nach Angaben von Familienministerin Franziska Giffey (SPD) aus aktuellen Zahlen der Corona-Kita-Studie hervor, die gemeinsam vom Familien- und vom Gesundheitsministerium finanziert wird.

          „Die Gruppe von null bis fünf Jahren infiziert sich nach wie vor am seltensten mit dem Coronavirus. Die Zahl der Neuinfektionen liegt hier im bundesweiten Durchschnitt bei 59 pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen“, sagte Giffey den Zeitungen der Funke Mediengruppe vor einer Sitzung des Corona-Kita-Rates an diesem Freitag.

          Damit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz allerdings auch bei Kita-Kindern über dem Wert von 50, den Bundeskanzlerin Angela Merkel als Zielmarke ausgegeben hat, bevor die Corona-Einschränkungen in Deutschland wieder gelockert werden können.

          „Bei den Sechs- bis Zehnjährigen liegt die Inzidenz derzeit bei 105“, erklärte Giffey. Bei den Kita-Kindern und auch in dieser Gruppe sei die Tendenz rückläufig. „Wenn es zu Corona-Ausbrüchen in Kitas kommt, gehen diese meist auf Erwachsene zurück, die sich dort aufhalten, also auch Eltern, Hilfskräfte und Erzieherinnen und Erzieher.“

          Von den mehr als 56.000 Kitas in Deutschland beteiligen sich laut Giffey 13.000 beim Kita-Register, 7000 melden demnach regelmäßig Corona-Zahlen, die das Deutsche Jugendinstitut und das Robert-Koch-Institut fortlaufend auswerten.

          „Nach den aktuellsten Zahlen waren lediglich 5,8 Prozent der Kitas aufgrund von Infektionen ganz oder teilweise geschlossen, das heißt: in den anderen mehr als 90 Prozent lief der Betrieb“, sagte Giffey. „Und das zeigt doch: Es war richtig, dass wir darauf gesetzt haben, Kitas offenzuhalten. Kitas sind keine Infektionstreiber.“

          Giffey forderte, dass Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung als eine der ersten Gruppen die Möglichkeit zur Impfung bekommen sollte. In diesem Arbeitsfeld könne sich das Personal am wenigsten schützen. „Sie tragen ja meist auch keinen Mundschutz, weil die Mimik im Umgang mit Kleinkindern so wichtig ist.“ Auch Lehrerinnen und Lehrer sollten aus Sicht der Ministerin zu den ersten gehören, die sich impfen lassen können.

          Neuer Leitfaden für Pflegeheime

          Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung warnte unterdessen vor zu harten Corona-Auflagen in Senioren- und Pflegeheimen. „Es gibt sehr gute Konzepte. Es gibt zum Teil aber auch Regeln, die nach heutigem Wissensstand zu streng sind“, sagte Andreas Westerfellhaus den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Selbst wenn es zu einem begrenzten Ausbruch kommt, darf eine Einrichtung nicht wieder reflexhaft für Besucher geschlossen werden.“

          Nach mehreren schweren Corona-Ausbrüchen waren Pflegeheime in Deutschland beim ersten Lockdown im Frühjahr stark abgeschottet worden. Dies hatte im Rückblick auch Kritik ausgelöst, weil viele Bewohner unter der Isolation litten. Aber auch jetzt bereiten das Infektionsgeschehen in Alten- und Pflegeheimen sowie die hohen Sterberaten unter alten Menschen wieder große Sorgen. „Die Lage bleibt weiter sehr angespannt“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Donnerstag in Berlin.

          Der Pflegebeauftragte hat nun zusammen mit dem RKI einen Leitfaden für Besuche in Alten- und Pflegeheimen entwickelt, der an die Einrichtungen verschickt werden soll. Darin findet sich dem Bericht nach auch die Empfehlung, Besuche rechtzeitig bei der Heimleitung anzukündigen und abzuklären, ob etwa ein Schnelltest sinnvoll ist.

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