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Coronavirus : Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 113,0

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Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: „In Anbetracht der steigenden Fallzahlen auch bei Älteren ist eine neue Impfkampagne zur Nutzung der Booster-Impfungen in dieser Altersgruppe jetzt unbedingt nötig.“ Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow forderte in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe mehr Tempo bei den Auffrischungen. „Drittimpfungen müssen jetzt so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden, die aktuellen Coronazahlen sind erschreckend.“ Hennig-Wellsow betonte, „für die dritte Impfung muss genauso geworben werden wie weiterhin auch für die erste und zweite“.

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, er messe „der Booster-Impfung einen sehr wichtigen Part in der Bekämpfung der Pandemie bei“. Dies gelte für Patientinnen und Patienten wie für das Krankenhauspersonal.

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, beklagte den „schleppenden Verlauf“ bei den Drittimpfungen. „Die Kassenärztlichen Vereinigungen tragen die Verantwortung dafür, dass nach gut drei Monaten gerade mal zwölf Prozent der über 70-Jährigen ein drittes Impfangebot erhalten haben“, sagte Brysch der NOZ. „Jetzt rächt es sich, dass gerade auf Druck der Kassenarztfunktionäre die Impfzentren und mobilen Teams größtenteils abgeschafft wurden.“

Debatte um Kimmich geht weiter

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, kritisierte die Debatte um den Impf-Status von FC Bayern-Profi Joshua Kimmich indes als „grenzenlosen Unfug“. „Es ist die persönliche Entscheidung von Kimmich und die soll es auch bleiben“, sagte Mertens der Bild-Zeitung. „Wir würden nie darüber sprechen, wäre er als Fußball-Profi nicht derart exponiert.“

Der STIKO-Chef rief dazu auf, Impf-Skeptiker und Menschen mit Bedenken zu überzeugen, statt sie unter Druck zu setzen. „Überzeugungsarbeit ist oft langwierig, aber ich glaube, dass man so noch viele Menschen für die Impfungen gewinnen kann. Formalen Druck auf Ungeimpfte habe ich immer kritisch gesehen“, sagte Mertens.

Kimmich hatte am Samstag im Sender Sky bestätigt, dass er noch nicht geimpft sei. Er habe „persönliche Bedenken“, „gerade was fehlende Langzeitstudien angeht“, sagte der 26-Jährige. Er sei sich aber seiner „Verantwortung bewusst“, halte sich an Hygienemaßnahmen und werde alle zwei bis drei Tage getestet. Kimmich betonte, er sei „kein Corona-Leugner oder Impfgegner“ und es sei „sehr gut möglich, dass ich mich bald impfen lasse“.

Kimmichs Impfstatus wird ihn nach Einschätzung des Arbeitsrechtlers Gregor Thüsing nicht daran hindern, weiter im Profifußball anzutreten. Zwar müsse er sich vor den Partien testen lassen, für eine Impfung bestehe aber keine rechtliche Verpflichtung, sagte der Professor für Arbeitsrecht an der Universität Bonn der Deutschen Presse-Agentur. Anders sei das etwa bei Zuschauern. Ihnen kann nach aktueller Gesetzeslage der Zutritt zum Stadion verweigert werden, wenn sie weder genesen noch geimpft sind.

„Vorbild zu sein, ist nun mal keine Rechtsverpflichtung, sondern eine eher moralische Verpflichtung“, sagte Thüsing. Auch nach Einschätzung des Arbeits- und Sportrechtlers Martin Schimke fehlt den Vereinen die Rechtsgrundlage, um ihre Profis zur Impfung zu verpflichten. Das könne sich erst im Fall einer gesetzlichen Impfpflicht oder zumindest einer Pflicht für die entsprechende Berufsgruppe ändern.

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