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RKI-Wochenbericht : Wer steckt sich gerade mit Corona an?

  • Aktualisiert am

Eine Corona-Teststation am Dienstag in Oldenburg. Bild: dpa

Mit Omikron geht nun die fünfte Corona-Welle durch Deutschland – die Zahlen schnellen nach oben. Der RKI-Wochenbericht blickt auch auf die Situation in den Schulen und Kitas.

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          Die epidemiologische Lage in Deutschland ist weiterhin sehr angespannt. Laut dem am Donnerstag veröffentlichten Lagebericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) „setzte sich der steigende Trend bei den wöchentlichen Fallzahlen fort“. Nahezu alle Bundesländer (mit Ausnahme von Thüringen und Sachsen) verzeichneten teils deutliche Anstiege der Fallzahlen; auch sei der Anteil der positiv getesteten Proben von 23 Prozent in der vorigen Woche auf nun 24 Prozent angestiegen. Es werde jedoch auch mehr getestet, schreibt das RKI. Etwa jeder vierte PCR-Test fällt positiv aus.

          Die höchste Inzidenz ist dem RKI zufolge in der Altersgruppe der 5-14-Jährigen zu finden, sie liegt bei einem Wert von mehr als 1400. Die Gruppe der 15-34-Jährigen folgt danach mit einer Inzidenz von 981. Das RKI schreibt in seinem Bericht: „Die 7-Tages-Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen von 5-14 Jahren hat sich in der letzten Woche verdoppelt. Der Anteil positiv getesteter Proben ist in den letzten zwei Wochen nahezu in allen Altersgruppen im Vergleich zur Vorwoche angestiegen. Von schweren Krankheitsverläufen weiterhin am stärksten betroffen sind ungeimpfte Menschen in höheren Altersgruppen und Menschen mit vorbestehenden Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen. Die mit Abstand höchste Hospitalisierungsinzidenz weisen über 80-Jährige auf.“ Es gibt immer noch zwölf Prozent der über 60-Jährigen, die nicht geimpft sind.

          Zu den Ausbrüchen in Kindergärten, Horten und Schulen erklärte das RKI in der vorigen Woche noch, dass die Zahl an übermittelten Kita-Ausbrüchen seit Mitte November „sehr deutlich abnahm“. Nun heißt es: „Seit dem Jahreswechsel nahm die Zahl an übermittelten Kita-Ausbrüchen wieder rasch zu.“ Demnach ist vor allem eine Zunahme an Fällen unter Kindergartenkindern zu verzeichnen; die übermittelten Fälle bei Erwachsenen in Kitas nahm ab, „möglicherweise assoziiert mit zunehmenden Auffrischimpfungen unter Kita-Personal“.

          Lauterbach: Bis zu 600.000 Neuinfektionen pro Tag möglich

          In Schulen steigen die Infektionszahlen auch wieder an. Bedingt durch die Feiertage war ein deutlicher Rückgang in dieser Altersgruppe erkennbar, schreibt das RKI. Bisher seien 293 Schulausbrüche für die letzten vier Wochen gemeldet worden. „Doch auch hier sind insbesondere die letzten zwei Wochen noch nicht gut bewertbar.“

          Aus dem Bericht geht auch hervor, dass unter Geimpften über fast alle Altersgruppen hinweg deutlich weniger symptomatische Fälle zu verzeichnen sind als unter Ungeimpften. Eine Ausnahme bildet die Gruppe der 18-59-Jährigen, die zweifach geimpft, jedoch nicht geboostert ist. Der Effekt der Auffrischimpfung ist deutlich erkennbar: Zwar steigt auch bei ihnen die Zahl der Neuinfektionen, jedoch ist sie wesentlich geringer als bei Ungeimpften und Zweifach-Geimpften.

          Darüber hinaus erwartet das RKI, dass der maximale Ausschlag der Omikron-Welle in Deutschland durch Meldedaten nicht genau bemessen werden kann. „Die Größenordnung und die entscheidenden Trends in der epidemiologischen Entwicklung werden jedoch zuverlässig angezeigt“, schreibt das RKI. Hintergrund für die vorübergehend unvollständiger werdende Erfassung von Infizierten sind etwa begrenzte Testkapazitäten und Personalressourcen wegen der hohen Fallzahlen, wie es hieß.

          Meldedaten bleiben laut Bericht „für das Management und Entscheidungen über Maßnahmen vor Ort während der Omikron-Welle weiter von hoher Bedeutung“. Sie seien aber nicht allein zu betrachten, sondern zusammen mit Erkenntnissen aus weiteren Überwachungssystemen zu akuten Atemwegserkrankungen. Die Krankheitsschwere werde somit bedeutsamer für die Lage-Einschätzung. Daher werden im Bericht nun zusätzlich mehrere Inzidenz-Schätzungen zu Covid-19-Patientinnen und Patienten mit Krankheitssymptomen unterschiedlicher Schwere ausgewiesen. Beispielsweise wurde nun für die zweite Woche 2022 geschätzt, „dass etwa 0,4 bis 1,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen bis 14 Jahre und 0,5 bis 1,1 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren an Covid-19 mit Symptomen“ erkrankte. Auch Inzidenzen von Arztbesuchen und Krankenhausbehandlungen vor dem Hintergrund von Covid-19 werden entsprechend geschätzt. Diese Angaben speisen sich aus verschiedenen Quellen, etwa aus Angaben aus der Bevölkerung zu Arztbesuchen.

          Bislang spiegelt sich die von der Virusvariante Omikron ausgelöste Welle jedoch nicht auf den Intensivstationen. Dort ist die Zahl der Corona-Patienten laut Medizinervereinigung Divi seit der ersten Dezemberhälfte von rund 5000 auf zuletzt 2664 gesunken. Momentan infizieren sich vergleichsweise wenig Ältere, die besonders anfällig für schwere Verläufe sind. Am Donnerstag überstieg die Corona-Inzidenz in Deutschland die Marke von 600. In den vergangenen sieben Tagen wurden 531.169 Neuinfektionen gemeldet. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach rechnet Mitte Februar mit mindestens 400.000 Corona-Neuinfektionen pro Tag. Das sagte der SPD-Politiker nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag in einer Schalte mit den Staatskanzleichefs von Bund und Ländern. Die Zahl 400.000 werde bei einer optimistischen Variante mit einer sehr guten Booster-Schutzwirkung erreicht, erklärte Lauterbach nach Angaben aus Verhandlungskreisen. In der pessimistischeren Variante mit einem schlechten Schutz durch die Auffrischungsimpfungen sei sogar mit täglichen Neuinfektionen bei mehr als 600.000 Personen zu rechnen. Lauterbach rechne auch mit einem abermaligen starken Anstieg der Zahl der Corona-Intensivpatienten, die zuletzt gefallen war.

          Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die höchsten Werte der Sieben-Tage-Inzidenz gebe es in der Altersgruppe der 15-34-Jährigen. Dies ist nicht korrekt. Die höchsten Inzidenzen sind dem RKI zufolge in der Altersgruppe der 5-14-Jährigen zu finden. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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