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Risikogebiet : Auswärtiges Amt warnt vor Reisen nach Spanien

  • Aktualisiert am

Risikogebiet: der Strand Cala Major in Palma Bild: dpa

Binnen 24 Stunden gab es in Spanien knapp 3000 Neuinfektionen. Die Bundesregierung hat das Land für deutsche Urlauber als Risikogebiet eingestuft. Ausnahme sind die Kanarischen Inseln.

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          Nach der Einstufung als Corona-Risikogebiet hat das Auswärtige Amt eine offizielle Reisewarnung für das spanische Festland und Balearen-Inseln wie Mallorca und Ibiza herausgegeben. „Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Spanien mit Ausnahme der Kanarischen Inseln wird derzeit aufgrund hoher Infektionszahlen gewarnt“, teilte das Ministerium am Freitag in seinen aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweisen für Spanien mit.

          Am Freitagnachmittag wurde das Urlaubsland – mit Ausnahme der Kanarischen Inseln – wegen hoher Infektionszahlen zum Risikogebiet erklärt. Das entschieden die beteiligten Bundesministerien. „In Spanien zeigt sich ein sehr dynamisches Ausbruchsgeschehen“, erklärte eine Ministeriumssprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die Fallzahlen stiegen im Trend weiter an, „immer mehr Gebiete in Spanien sind wieder stärker von der Pandemie betroffen“. Die Sprecherin sagte weiter: „Die Ausweisung als Risikogebiet ist keine Grenzschließung und kein Reiseverbot.“

          Insbesondere für die extrem vom Tourismus abhängigen Balearen ist das ein weiterer schwerer Schlag. Ende Juli hatte schon die angeordnete Quarantänepflicht in Großbritannien für Rückkehrer aus Spanien für einen Einbruch bei den Buchungen gesorgt. Zuletzt hatten aber auch die beliebte Ferieninseln wieder mehr Corona-Neuinfektionen registriert: In den vergangenen 24 Stunden seien 264 neue Fälle allein auf Mallorca gemeldet worden, schrieb die „Mallorca Zeitung“ am Freitag.

          Tui sagt Pauschalreisen nach Spanien ab

          Der Reisekonzern Tui sagt die ab Samstag geplanten Reisen nach Spanien ab. Den Kunden würden Umbuchungen zu anderen Reisezielen angeboten, zum Beispiel zu den Kanarischen Inseln, wie ein Tui-Sprecher am Freitagabend der dpa sagte. Weil man nicht von allen Kunden Kontaktdaten habe, nehme man außerdem Kontakt zu Reisebüros auf. Reisenden, die bereits in den betroffenen Feriengebieten sind, biete Tui an, sie auf Wunsch früher als geplant nach Hause zu fliegen.

          Am Donnerstag waren für das gesamte Land fast 3000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden registriert worden. Die amerikanische Johns-Hopkins-Universität meldete am Freitagabend für Spanien insgesamt 337.334 bestätigte Corona-Infektionen seit Beginn der Pandemie, 28.605 Menschen starben. Damit gehört es zu den vom Coronavirus am schlimmsten betroffenen Regionen Europas. Viele Landesteile melden derzeit steigende Fallzahlen.

          Für deutsche Urlauber hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) zuvor bereits die Regionen Aragón, das Baskenland, Katalonien, Madrid und Navarra als Risikogebiete eingestuft. Diese Einstufung gilt als wichtige Entscheidungsgrundlage für Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. Seit vergangenem Samstag müssen Reiserückkehrer aus Risikogebieten einen Corona-Test machen, andernfalls drohen ein Bußgeld sowie Quarantäne. Die häusliche Quarantäne betrage maximal 14 Tage oder bis ein negatives Testergebnis vorliege, hieß es aus dem Gesundheitsministerium.

          Kritik an der Entscheidung

          Angesichts der steigenden Fallzahlen in vielen Landesteilen hat die spanische Regierung am Freitag bereits weitere drastische Maßnahmen beschlossen. Diskotheken und Nachtbars müssen vorerst geschlossen bleiben, wie Gesundheitsminister Salvador Illa mitteilte. Restaurants müssen um ein Uhr nachts schließen, nach Mitternacht dürfen keine neuen Gäste empfangen werden.

          Lesetipp: Für Spaniens Wirtschaft ist es eine schlechte Nachricht – das Land ist fatal abhängig von Touristen.

          Zudem dürfe im Freien nicht mehr geraucht werden, wenn der Mindestabstand von zwei Metern unterschritten ist, teilte Illa mit. Er hatte zuvor eine Krisensitzung mit den Gesundheitsbehörden der einzelnen Regionen des Landes abgehalten, in deren Kompetenz Gesundheitsfragen fallen. Das Rauchverbot war am Donnerstag bereits von zwei Regionen, den Kanaren und Galicien, erlassen worden. Raucher sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) womöglich mehr gefährdet, sich mit dem Coronavirus zu infizieren oder dieses weiterzugeben, weil sich beim Rauchen Finger und Lippen berühren.

          Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) hat die Entscheidung der Bundesregierung bedauert, das gesamte spanische Festlands sowie die Balearen als Corona-Risikogebiet einzustufen. „Wir bedauern die Notwendigkeit einer Reisewarnung für das beliebteste Auslandsreiseziel der Deutschen“, erklärte BTW-Generalsekretär Michael Rabe am Freitag in Berlin. Die Entscheidung sei jedoch zu akzeptieren, „da der Gesundheitsschutz die höchste Priorität für die Tourismusbranche hat“.

          Zugleich forderte Rabe, Reisewarnungen müssten auch wegen der schweren wirtschaftlichen Lage der Tourismusbranche durch die Corona-Pandemie „tagesaktuell überprüft und bald möglichst zurückgenommen werden“. Neben der Mithilfe der Reisenden durch das Beachten der Schutz- und Hygieneregeln bedürfe es zudem verstärkter Anstrengungen, „touristische Angebote noch vehementer Corona-konform auszugestalten“. Konkret nannte Rabe etwa Fiebermessen, Subventionen für Umbauten und erhöhte Testkapazitäten.

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