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Reiseprobleme durch Corona : Plötzlich kein Zurück aus dem Urlaub

  • -Aktualisiert am

Viele Flüge wurden gecancelt, die Flughäfen liegen da wie ausgestorben, wie hier der Flughafen Edinburgh (Symbolbild). Bild: dpa

Sie wollten nur ihre Familie besuchen oder Urlaub machen. Wegen der Corona-Krise kommen sie nun nicht mehr zurück nach Deutschland. Wie erleben das die Betroffenen?

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          Dima wollte einfach nur mit dem Auto über Polen in sein Heimatland fahren: Weißrussland. Die Familie besuchen, Teigtaschen essen, günstiges Bier kaufen. Angst vor der Grenzschließung hatte der 47 Jahre alte Deutsche nicht. „Meine Freunde in Deutschland haben mich angerufen und mich gewarnt, nach Hause zu fahren. Ich hab das als Panikmache abgestempelt.“ In Weißrussland schien die Welt noch in Ordnung zu sein. Aber als der polnische Ministerpräsident Mateusz Jakub Morawiecki am Freitag mitteilte, dass Polen seine Grenzen für Ausländer schließe, packte ihn die Angst.

          Im Kampf gegen die Pandemie haben viele Staaten ihre Grenzen geschlossen und Flüge in Risikogebiete gestrichen. Seit Montag kann man auch nicht mehr nach Deutschland einreisen. Am Dienstag hat die Bundesregierung eine weltweite Reisewarnung für touristische Reisen ausgesprochen. Deutsche Urlauber sollen zurückgeholt werden. Viele Urlauber haben es vorher geschafft, die Länder zu verlassen.

          Dima fragte sich dagegen: Wie kommt er zurück nach Deutschland? Was ist mit seiner Tochter, die in Deutschland zur Schule geht? Die vermeintliche Panikmache wurde für den Lastwagenfahrer zur handfesten Panik: Er muss sofort nach Hause. Freitagnacht kontaktierte er die Deutsche Botschaft in Minsk. Doch dort wurde er vertröstet. Eine halbe Stunde später dann der Rückruf – und mit ihm die Hiobsbotschaft: Polen schließt am Sonntag um zwölf Uhr die Grenzen. Samstagmorgen stieg Dima in sein Auto und brach nach Deutschland auf. Acht Stunden musste er am polnischen Grenzübergang warten. Dort kontrollierten die Grenzbeamten mit Mundschutz und Thermometer jeden einzelnen auf Merkmale des Coronavirus.

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          Die Verbitterung und die Sorgen wurden für ihn immer größer. Doch Krisensituationen haben auch ihre witzigen Momente: „Ein Mann, der Programmierer in Karlsruhe ist, hat ebenfalls Urlaub in Minsk gemacht. Da er aber keinen Flug nach Hause bekam, lieh er sich einen Streetroller aus, um die polnische Grenze zu überqueren. Die Beamten staunten nicht schlecht, dass er damit bis nach Deutschland wollte. Ich hab ihn bis Warschau mitgenommen.“ Auch Dima schaffte es schließlich, die Grenze zu Deutschland zu überqueren.

          Andere Urlauber hatten nicht so viel Glück. Allen voran jene, die über einen Ozean von ihrer Heimat getrennt sind. Zu ihnen gehören auch Sofie Edenharter und Michi Z., die eine Woche Urlaub auf Malta machen wollten. Zu Beginn ihrer Reise nahmen sie die maltesische Bevölkerung noch als unbesorgt wahr, Corona war nur ein Thema in ihren Smartphone-Benachrichtigungen. Erst nach einem Gespräch mit einem Taxifahrer bemerkten sie die zunehmend leeren Straßen und wie sich die Leute in ihren Häusern geradezu versteckten. Da ahnten der Student und die medizinische Fachangestellte, dass sie ihren planmäßigen Flug am Samstag nicht würden wahrnehmen können.

          Dann die Gewissheit, alle Charterflüge würden in den kommenden Tagen ersatzlos gestrichen. Für Edenharter und Z. bedeutet das nun: ausharren. Trotzdem ist die Laune bei beiden noch gut: „Wir haben tolles Wetter und noch ist Geld in der Reisekasse“, sagt Z. Gerade erst hätten sie ihre Wäsche mit der Hand gewaschen und Essen bestellt, weil sie kein geöffnetes Restaurant finden konnten. Und auch die Lieferdienste würden nach und nach schließen.

          Besorgte Angehörige können sie trotzdem beruhigen: Vorerst bleiben sie in ihrem netten Ferienapartment, bis sie eine Antwort auf ihre Mail vom Auswärtigen Amt bekommen. Das soll ihnen eigentlich einen Rückflug organisieren. Bisher haben sie auf ihre Nachricht von vor drei Tagen aber noch keine Antwort. „Also warten wir ab“, sagt Sofie Edenharter.

          Ebenfalls auf eine Nachricht vom Auswärtigen Amt warten die 27 Jahre alte Studentin Rosa und ihre Freunde – seit einigen Tagen schon. Ihre Zeit in Marokko hatten sie sich anders vorgestellt: Eigentlich wollten sie erst am 21. März zurück nach Deutschland fliegen, doch am 12. März lasen sie, dass Marokko die Grenzen dicht macht. Der Schock war groß. „Wir könnten noch bis zum 21. März bleiben, doch die Mutter einer Freundin hat eine Vorerkrankung, die man nicht unterschätzen sollte. Deswegen wollen wir gemeinsam zurück nach Deutschland“, sagt Rosa.

          Drei Mal waren sie schon am Flughafen und haben versucht, einen Flug nach Deutschland oder in ein anderes europäisches Land zu buchen – unmöglich. Alles ist ausgebucht. Für Rosa und ihre Freunde scheint die Lage aussichtslos. Außenminister Heiko Maas will jetzt bis zu 50 Millionen Euro aufwenden, um im Ausland festsitzende Deutsche nach Hause zu holen. Für Rosa und ihre Freunde bedeutet es warten – auch wenn man manchmal nichts zu erwarten hat.

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